Kortison (Cortison)

Frau benutzt Kortison-Spray © istockphoto, Wavebreakmedia

Kortison ist ein körpereigenes Hormon und eines der bekanntesten Medikamente überhaupt. Es wird erfolgreich bei den unterschiedlichsten Erkrankungen eingesetzt, gleichzeitig haben viele Menschen Angst vor möglichen Risiken und Nebenwirkungen. Doch es gibt heute klare Therapierichtlinien und genaue Vorstellungen davon, wann und wie Kortison als Arzneimittel eingesetzt werden kann.

Kortison und Kortisol

Kortison (Cortison) basiert auf Kortisol, einem lebenswichtigen Hormon, das in der Nebennierenrinde unter anderem aus Cholesterin gebildet wird und zu den Glukokortikoiden gehört. 1936 gelang es drei voneinander unabhängigen Forschergruppen, eine Substanz aus der Nebenniere zu isolieren, die später den Namen Kortison erhielt.

Zehn Jahre später konnte dieser Stoff auch im Labor synthetisch hergestellt werden. Die erste erfolgreiche Therapie war im Jahr 1948 die Behandlung einer jungen Amerikanerin mit schwerem Gelenkrheumatismus – die Patientin konnte nach wenigen Tagen wieder schmerzfrei laufen.

Die heute zum Einsatz kommenden Kortikoide sind chemisch verwandt mit dem "natürlichen" Kortison. Für den Stoffwechsel von Bedeutung ist eigentlich das Kortisol (auch Hydrokortison genannt) beziehungsweise in der Therapie dessen Essigsäureester Kortisonazetat; Kortison ist im Prinzip eine durch Oxidation inaktivierte Form des Kortisols. Trotzdem hat sich umgangssprachlich der Begriff "Kortison" für alle Arzneimittel mit Kortisol-Wirkung durchgesetzt.

Der Regelmechanismus von Glukokortikoiden

Im Ruhezustand bildet der Körper 8 bis 25 Milligramm Kortisol pro Tag, bei Stressbelastungen auch bis zu 300 Milligram. Da das Hormon dem Körper immer zur Verfügung stehen muss, wird sein Vorkommen über einen komplizierten Regelmechanismus gesteuert.

Innerhalb dieses Mechanismus wird die größte Menge an Kortisol in mehreren Schüben bis morgens zwischen 6 und 8 Uhr gebildet, danach nimmt die Hormonproduktion bis zu einem Minimum um Mitternacht wieder ab.

Die genaue Kenntnis dieses Regelkreises, unter Umständen sogar individuell für jeden Patienten, ist eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Kortison-Behandlung.

Glukokortikoide im Stoffwechsel

Glukokortikoide spielen in vielen Stoffwechselprozessen eine wichtige Rolle. Sie mobilisieren bei Bedarf die im Körper gespeicherten Energiereserven, zum Beispiel indem sie durch verschiedene Prozesse den Blutzuckerspiegel steigern und die Fettfreisetzung ankurbeln – und werden deshalb häufig auch als Stresshormone bezeichnet.

Daneben haben Glukokortikoide eine wichtige Funktion bei Entzündungen: Sie können die entzündlichen Reaktionen auf verschiedenen Ebenen hemmen (antiphlogistischer Effekt) – die Haupteigenschaft, für die man Kortisol medikamentös einsetzt.

Als Nebenwirkung werden Muskel- und Knochenmasse abgebaut. Zudem beeinflussen Glukokortikoide auch den Wasser-Elektrolyt-Haushalt – eine Wirkung, die bei Kortisol als Medikament meist unerwünscht ist und deshalb bei den synthetischen Präparaten als Nebenwirkung unterdrückt wird.

Aktualisiert: 25.01.2018 – Autor: Dagmar Reiche

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