Methotrexat (MTX): Wirkung bei Rheuma und Krebs

Methotrexat-Tabletten
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Methotrexat (MTX) wird bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma, Schuppenflechte (Psoriasis) und Morbus Crohn angewendet. In hoher Dosierung kann es auch im Rahmen einer Chemotherapie zur Behandlung von Leukämie und anderen Krebserkrankungen eingesetzt werden. Der Wirkstoff hemmt ein Enzym im Folsäure-Stoffwechsel und stört so die Teilung von Krebszellen und Zellen des Immunsystems, die Folsäure zum Wachstum benötigen. Daher kann die Behandlung mit Methotrexat erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Welche Nebenwirkungen sind möglich, wie wird MTX angewendet und was muss man bei der Anwendung beachten? Das erfahren Sie im folgenden Artikel.

Wirkung von Methotrexat

Methotrexat gehört zur Gruppe der so genannten Zytostatika und hemmt die Zellteilung im Körper auf folgende Weise: Damit sich eine Zelle teilen kann, braucht sie Folsäure. Die chemische Struktur von Methotrexat ist Folsäure sehr ähnlich. Dadurch "passt" Methotrexat in ein Enzym, das normalerweise der Zelle Folsäure in der benötigten Form bereitstellt und blockiert es. Als Folge steht der Zelle nicht genug Folsäure zur Verfügung und die Zellteilung wird verhindert.

So ist Methotrexat zum einen gegen Krebserkrankungen wirksam, da es das Wachstum von Tumorzellen verhindert. Zum anderen kann es gegen chronisch-entzündliche Erkrankungen eingesetzt werden, denn bei diesen so genannten Autoimmunerkrankungen bekämpft das Immunsystem Zellen des eigenen Körpers. Hier bewirkt Methotrexat, dass sich die Immunzellen nicht so stark vermehren können und verlangsamt so den Krankheitsverlauf. Allerdings wird auch die Teilung von anderen Zellen des menschlichen Körpers gebremst, weswegen während der Einnahme zahlreiche Nebenwirkungen auftreten können.

Anwendung und Dosierung

In der Rheumatherapie bewegt sich die Dosierung im Bereich von 7,5 bis 20 Milligramm pro Woch. Bei der Behandlung von Schuppenflechte beträgt die Höchstdosis 30 Milligramm, wobei die Einnahme einmal wöchentlich als Tablette erfolgt. Wird Methotrexat gegen die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn eingesetzt, werden einmal pro Woche 15-25 Milligramm als Spritze verabreicht. Um die Injektion zu vereinfachen, gibt es mittlerweile als Alternative zur Spritze auch MTX Pens.

Die verschriebene Dosis oder die Häufigkeit der Einnahme sollten dabei keinesfalls überschritten werden, da sonst schwere bis lebensbedrohliche Auswirkungen auf die Gesundheit möglich sind.

In der Krebstherapie bremst Methotrexat das Wachstum von Tumorzellen. Hierbei kommen erheblich höhere Dosen zum Einsatz, die pro Quadratmeter Körperoberfläche berechnet werden. Je nach Art der Erkrankung beträgt die Höchstdosis bis zu 12.000 mg/m² (pro Quadratmeter Körperoberfläche) Dabei muss eine so genannte Rescue-Therapie durchgeführt werden: Eine Infusion mit Folsäure wird zugeführt, um die Nebenwirkungen zu mildern.

Auch bei der Behandlung anderer Erkrankungen wird häufig die Einnahme von Folsäure-Präparaten verordnet, um einem Mangel durch die Einnahme von Methotrexat vorzubeugen. Die Einnahme der Folsäure sollte aber zeitlich versetzt erfolgen (in der Regel 24 Stunden nach Einnahme vom MTX), um die Wirkung nicht herabzusetzen.

Nebenwirkungen von MTX

Methotrexat wirkt vor allem auf Krebszellen und Zellen des Immunsystems, da sich diese besonders schnell teilen. Dennoch werden in geringem Maße auch andere Zellen des Körpers in der Vermehrung beeinträchtigt, deshalb kann es während der Einnahme teilweise zu starken Nebenwirkungen kommen.

Sehr häufige Nebenwirkungen sind:

  • Kopfschmerzen
  • Husten
  • Schwindel
  • Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
  • Geschwüre in Rachen und Mund
  • Abnahme der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) und/oder der Thrombozyten (Blutplättchen)
  • Höhere Leberfunktionswerte
  • Haarausfall
  • Verminderte Ausscheidung von Kreatinin über die Nieren
  • Schwächegefühl

Der lange Zeit bestehende Verdacht eines möglichen Zusammenhangs von Methotrexat und der Entstehung von Lungenfibrosen und entzündlichen Veränderungen in der Lunge (Pneumonitis) gilt mittlerweile als widerlegt. Dennoch kann es im Rahmen einer Therapie mit MTX zu Lungenbeschwerden wie Husten und Kurzatmigkeit kommen. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Lungenembolie kommen.

Zudem steigt – bedingt durch die Unterdrückung des Immunsystems – die Anfälligkeit für Infekte sowie das Risiko für gut- und bösartige Tumorbildungen. Besonders bei hohen Dosierungen in der Krebstherapie können Nieren und Leber geschädigt werden. Für eine vollständige Liste der Nebenwirkungen von Methotrexat werfen Sie bitte einen Blick in die Packungsbeilage oder holen Sie sich ärztlichen Rat.

MTX: Nebenwirkungen auf die Psyche?

Durch die Einnahme von MTX kann es zum einen zu sogenannten zentralnervösen Nebenwirkungen kommen. Dazu zählen ein Gefühl der Erschöpfung, Müdigkeit oder Benommenheit. Zum anderen sind auch Depressionen eine mögliche Nebenwirkung von Methotrexat. Bei bis zu einer von 100 Personen tritt diese Nebenwirkung auf die Psyche auf.

Kommt es bei betroffenen Personen zu depressiven Verstimmungen, sollte also ärztlich geprüft werden, inwieweit andere Auslöser, wie beispielsweise die krankheitsbedingte Belastung, als Ursache infrage kommen oder ob ein direkter Zusammenhang zwischen der Einnahme von MTX und dem Auftreten der Beschwerden möglich ist.

Gegenanzeigen bei Methotrexat

Genau wie bei anderen Wirkstoffen gibt es auch bei Methotrexat eine Reihe von Gegenanzeigen. So darf es beispielsweise nicht angewendet werden, wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff vorliegt, sowie bei folgenden Vorerkrankungen:

  • Nierenfunktionsstörungen
  • Lebererkrankungen
  • Erkrankungen des Knochenmarks
  • Immunschwäche (AIDS)
  • Geschwüre im Magen-Darm-Bereich
  • Infektionen
  • Alkoholabhängigkeit

Ebenso darf eine Behandlung mit Methotrexat nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit erfolgen.

Mögliche Wechselwirkungen

Bei der Anwendung von Methotrexat kann es zu Wechselwirkungen mit vielen anderen Medikamenten kommen. So kann bei der gleichzeitigen Einnahme von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (Nichtsteroidale-Antirheumatika, NSAR) wie ASS, Ibuprofen oder Diclofenac das Risiko für Nierenschäden erhöht sein, da diese Wirkstoffe ebenfalls über die Niere ausgeschieden werden. Werden diese Schmerzmittel beispielsweise in der Rheuma-Therapie mit Methotrexat kombiniert, muss daher eine engmaschige ärztliche Überwachung stattfinden.

Einige Arzneimittel wie das Gichtmittel Probenecid und manche Antibiotika wie Penicilline, Sulfonamide, Tetrazykline und Chloramphenicol beeinflussen Aufnahme, Verstoffwechselung oder Ausscheidung von Methotrexat und können so den Wirkstoffspiegel im Blut unbeabsichtigt verändern. Informieren Sie daher Ihre*n Ärztin*Arzt vor Beginn der Behandlung immer über alle Medikamente, die Sie einnehmen! Eine vollständige Liste aller Wechselwirkungen entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage.

Methotrexat und Alkohol

Alkoholkonsum während der Therapie mit Methotrexat erhöht das Risiko von Leberschäden und anderen unerwünschten Wirkungen. Wie bei vielen anderen Wirkstoffen auch sollten Sie deswegen während der Behandlung mit Methotrexat auf den Genuss von Alkohol verzichten. Auch der übermäßige Konsum von koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, Cola und schwarzem Tee sollte vermieden werden.

Neben Alkohol sollte auch der übermäßige Konsum von Getränken mit Koffein oder Theophyllin vermieden werden. Dazu gehören koffeinhaltige Softdrinks, Kaffee oder schwarzer Tee.

Methotrexat in der Schwangerschaft

Methotrexat darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, da es das Erbgut schädigt und zu Fehlgeburten und schweren Entwicklungsstörungen beim Ungeborenen führen kann. Während der Behandlung sowie sechs Monate danach sollten Frauen und Männer im geschlechtsreifen Alter daher auf eine zuverlässige Empfängnisverhütung achten. Sollte bei Ihnen ein Kinderwunsch bestehen, informieren Sie Ihre*n Ärztin*Arzt vor der Behandlung darüber.

Da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, darf Methotrexat auch in der Stillzeit nicht eingenommen werden.

MTX bei Eilleiterschwangerschaft

Auch bei der Behandlung einer Eilleiterschwangerschaft kommt Methotrexat zum Einsatz. Hat sich die befruchtete Eizelle im Eilleiter anstelle in der Gebärmutter eingenistet, wirkt MTX auf das den Embryo umgebende Zellgewebe und tötet dieses ab. In der Folge kommt es auch zum Abgang des Embryos.

Diese Behandlung ist eine Alternative zur Operation und bietet den Vorteil, dass der Eilleiter dabei nicht verletzt wird. Sie kann jedoch nur in einem relativ frühen Stadium der Schwangerschaft angewendet werden, wenn die Konzentration des Schwangerschaftshormons HCG nicht zu hoch ist, der Embryo plus das ihn umgebende Gewebe kleiner als vier Zentimeter ist und bei der Betroffenen noch keine Beschwerden durch die Eilleiterschwangerschaft aufgetreten sind. Ob eine Therapie mit MTX möglich ist, wird in Absprache mit dem*der behandelnde*n Arzt*Ärztin geklärt.

Aktualisiert: 25.10.2021
Autor*in: Dr. med. Jana Wittkowski, Ärztin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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