Nitropräparate als gefäßerweiternde Mittel bei Herzproblemen

Nitropräparate helfen bei Angina pectoris © istockphoto, seb_ra

Nitropräparate sind vor allem für Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit, kurz KHK, wichtig, um die Durchblutung des Herzens zu verbessern. Vorweg sei gesagt, dass für Patienten, die auf dieses Präparat angewiesen sind, ein ständiges Mitführen nötig ist. Im Notfall können dann die Herzgefäße durch Nitropräparate in Form von einem Spray, Tabletten oder Kapseln erweitert und das Herz wieder besser mit Blut versorgt werden. In diesem Artikel lesen Sie zahlreiche Details über die Wirkung von Nitropräparaten sowie über die häufigsten Anwendungsbereiche.

Was sind Nitropräparate?

Nitropräparate sind Medikamente, die zur Behandlung von Herzerkrankungen eingesetzt werden. Insbesondere bei Angina pectoris, einer Brustenge infolge einer Durchblutungsstörung am Herz, können Nitropräparate innerhalb kürzester Zeit die Durchblutung des Herzens verbessern und so bei einem akuten Angina-pectoris-Anfall helfen.

Mit der Gabe der Nitropräparate wird deren Wirkstoff Nitroglycerin im Körper in Stickstoffmonoxid umgewandelt. Dadurch entspannt sich die Herzmuskulatur und die Blutgefäße erweitern sich, wodurch das Herz wieder besser mit Blut versorgt wird.

Symptome einer Angina pectoris

Wer plötzlich unter Schmerzen leidet, sollte stets hellhörig werden. Auch eine Brustenge kann hinter diesem Problem stecken. Dieses Symptom äußert sich hinter dem Brustbein mit:

  • Schmerzen
  • Engegefühl
  • Brennen
  • Druck
  • Beklemmung

Fühlen sich zudem Ellenbogen, Hand, Schulter und/oder Arm taub und schwer an und betrifft dieses Problem vorrangig oder ausschließlich die linke Seite des Körpers, dann kann es sich um eine Angina pectoris handeln.

Zu beachten: Bei Frauen und Personen über 75 Jahren können die Symptome anders ausfallen. Hier sollten Sie bei Kurzatmigkeit, Magenbeschwerden und Müdigkeit hellhörig werden. Einen klassischen Brustschmerz gibt es dagegen selten.

Einsatz von Nitropräparaten zur Vorbeugung

In manchen Fällen wird eine Angina pectoris durch bestimmte Situationen ausgelöst, wie beispielsweise körperliche Anstrengung oder psychischer Stress. Wenn bereits bekannt ist, dass gleich eine entsprechende Situation eintritt, kann Nitroglycerin auch vorbeugend eingenommen werden, um einen Anfall möglichst zu verhindern oder zumindest schon einmal zu erleichtern.

Auf diese Weise verbessert sich die Durchblutung des Herzens bereits im Vorfeld und die Beschwerden treten unter Umständen gar nicht erst – oder zumindest in abgeschwächter Form – auf.

Wichtig:

Sollten die Symptome länger als einige Minuten anhalten und auch ein Nitropräparat keine Besserung bringen, so ist unbedingt eine Abklärung im Krankenhaus erforderlich, um einen akuten Herzinfarkt auszuschließen.

Behandlung der Brustenge

Bei Bedarf können bei Angina pectoris Medikamente eingenommen werden, die den Cholesterinspiegel sowie auch den Blutdruck normalisieren. Um auch die Gefäße zu erweitern und die Durchblutung bei Engstellen der Herzkranzgefäße zu verbessern, kommen zusätzlich Nitropräparate zum Einsatz.

Eine Angina pectoris wird nicht nur medikamentös behandelt, sondern auch mit einer generellen Lebensumstellung. Der Patient sollte auf fettreiches Essen, Nikotin und Alkohol verzichten sowie eventuell vorhandenes Übergewicht reduzieren.

Wofür wird ein Nitro-Medikament eingesetzt?

Um die Brustenge zu behandeln, kommen Nitropräparate als Sofortbehandlung zum Einsatz. Auf diese Weise erweitern sich sofort die Gefäße, was zu einer drastischen Verbesserung der Situation führen kann.

Durch den Einsatz eines Nitropräparats kann unterschieden werden, ob es sich um einen Angina-pectoris-Anfall (Symptome ebben nach Gabe des Präparates zügig ab) oder um einen akuten Herzinfarkt (Symptome verbleiben eventuell) handelt.

Die Angina pectoris kann instabil sein, wenn die Beschwerden zum ersten Mal auftreten oder unter Ruhebedingungen (Ruheangina). In diesem Fall droht ein akuter Herzinfarkt, weshalb ein sofortiger Anruf beim Notarzt angeraten ist.

Weitere Bereiche der Anwendung der Präparate

Obwohl Angina pectoris am häufigsten mit Nitropräparaten behandelt wird, kommt das Medikament auch bei folgenden Beschwerden zum Einsatz:

  • bei einem akuten Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
  • bei einer akuten Leistungsminderung der linken Herzseite (Linksherzinsuffizienz)
  • bei Krämpfen der Herzkranzgefäße (Koronarspasmen bei Koronarangiographie)

Wenngleich das Medikament in der Regel nur gegeben wird, um abzuklären, ob ein akuter Herzinfarkt oder eine Brustenge besteht, so hilft es dennoch auch Patienten mit einem Herzinfarkt. Die Symptome klingen zwar nicht sofort ab, doch auch mit den Nitropräparaten kann die Durchlässigkeit der Herzkranzgefäße verbessert werden.

Welche Nitropräparate gibt es?

In den meisten Fällen werden Nitropräparate als Nitrokapseln, Nitroglycerin-Tabletten oder Nitroglycerin-Spray verkauft. Auch als Salbe kann das Präparat gekauft werden, kommt in dieser Form allerdings nur bei einer Analfissur zum Einsatz.

Patienten mit Symptomen wie einer Brustenge sollten das Nitropräparat (Zerbeißkapsel, Tabletten oder Spray) so schnell wie möglich einnehmen. Das Präparat gilt nicht nur für den Notfall, sondern auch als Möglichkeit, einen Notfall gar nicht erst eintreten zu lassen. Da es umso wirksamer ist, wenn es bereits zu Beginn der Beschwerden eingenommen wird, sollten Patienten gar nicht erst lange zögern.

Wie werden Nitropräparate angewendet?

Nitropräparate gibt es in verschiedenen Darreichungsformen, allerdings haben Spray, Tabletten und Kapseln gemeinsam, dass sie:

  • die Gefäße erweitern.
  • den arteriellen Blutdruck senken.

Kapseln und Tabletten werden geschluckt, Sprays werden dagegen in die Mundhöhle gesprüht. Am besten sprühen Sie unter die Zunge und achten darauf, dass das Medikament nicht inhaliert wird. Schließen Sie nun den Mund, atmen Sie durch die Nase weiter und wiederholen Sie den Vorgang, wenn sich nach 1-2 Minuten keine Besserung einstellt.

Wichtig: Durch die Gefäßerweiterung der Präparate wird auch der arterielle Blutdruck gesenkt, was zu Kreislaufschwierigkeiten führen kann. Aus diesem Grund sollten Nitropräparate stets im Liegen oder im Sitzen zu sich genommen werden, ganz gleich, welches Präparat in welcher Darreichungsform eingenommen wird. Der Betroffene sollte daher nach der Einnahme noch einige Minuten sitzen oder liegen bleiben.

Generell gilt:

  • Nehmen Sie Nitropräparate gegebenenfalls bereits vorbeugend ein.
  • Bei den ersten Anzeichen eines Anfalls sollte das Nitropräparat einmalig eingenommen werden.
  • Sofern sich die Beschwerden nicht nach fünf Minuten bessern, sollten Patienten eine zweite Dosis einnehmen.
  • Wenn auch diese Dosis nicht wirkt, sollten Patienten ihren Arzt oder im Zweifelsfall den Notarzt kontaktieren.

Wie wirken Nitropräparate?

Ob als Nitroglycerin-Tabletten, Kapseln oder Spray – die Wirkung tritt bei diesen Präparaten sehr schnell ein, um einen Angina-pectoris-Anfall zu stoppen. Die Herzmuskeldurchblutung wird durch die Nitroglycerin-Präparate verbessert, da der Herzmuskel-Sauerstoffverbrauch durch die Erweiterung der Koronararterien gesenkt wird.

Die Gefäßerweiterung wird bei vielen Patienten als "Wärme im Kopf" wahrgenommen, wobei einige Patienten auch das Gefühl haben, Kopfschmerzen zu bekommen. Dennoch ist die positive Wirkung den Nebenwirkungen deutlich überlegen. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Blutdruckabfall (Schwindel, Benommenheit) oder auch Hitzegefühle.

Gut zu wissen:

Es tritt beim Wirkstoff Nitroglycerin kein Gewöhnungseffekt ein. Das bedeutet, dass der Wirkstoff immer wieder und genauso wirkungsvoll eingesetzt werden kann.

Kalziumantagonisten oder Nitropräparate?

Einige Betroffene fragen sich, ob Kalziumantagonisten oder Nitropräparate besser zur Behandlung einer Angina pectoris geeignet sind.  Die Frage sollte nicht "oder" lauten, denn sowohl Nitropräparate als auch Kalziumantagonisten (und Beta-Blocker) werden parallel zur Behandlung einer stabilen Angina pectoris eingesetzt.

Dabei fungieren Kalziumantagonisten als eine Art "Mittelwirkung" zwischen Nitropräparaten und Beta-Blockern, da durch diese Stoffe der Kalzium-Transport in und aus den Zellen beeinflusst wird. Auf diese Weise entspannen und erweitern sich die Blutgefäße, der Blutdruck sinkt wieder.

Wird das Nitroglycerin-Medikament rezeptfrei verkauft?

Nitroglycerin-Medikamente sind nicht rezeptfrei erhältlich. Wer Nitroglycerin in der Apotheke kaufen möchte, um mit den Nitropräparaten die Brustenge zu behandeln, benötigt ein Rezept vom Facharzt. Auch Ihr Hausarzt wird Ihnen bei entsprechender Erkrankung ein passendes Medikament für den Notfall verschreiben.

Aktualisiert: 15.05.2018 – Autor: Maria Lengemann

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