Agoraphobie: Steigt die Angst vor Menschenmassen nach Corona?

Für die meisten bedeutet es Erleichterung: Die Corona-Einschränkungen werden gelockert, das normale Leben kehrt zurück. Doch wie fühlt es sich an, auf einmal wieder mit vielen Menschen in einem Raum zu sein? Oder in der Zukunft wieder ein Konzert zu besuchen? Lesen Sie hier, wie die Corona-Pandemie die Psyche beeinflusst.

Viele Menschen auf einer Wiese: Nach der Corona-Pandemie kann zunächst eine Agoraphobie vorliegen. © Getty Images/Danielle Reid / EyeEm

Aus psychologischer Sicht ist es ratsam, sich nach dem Lockdown erstmal mit wenigen Menschen zu treffen. Denn große Menschenmassen können vorerst Angst machen.

Ängste und Zwänge: Vor allem Vorerkrankte von der Pandemie betroffen

Die Angst vor Menschenmassen heißt für Betroffene Panik davor zu haben, sich inmitten anderer Personen zu blamieren oder die Kontrolle zu verlieren. Panikattacken und als Folge die private Isolation sind mögliche Auswirkungen.

Gerade Menschen, die vor der Corona-Pandemie an Ängsten wie der Agoraphobie oder an Zwängen wie zwanghaftem Händewaschen litten, haben es mitunter schwer, plötzlich wieder in das nahezu normale Leben zurückzukehren. Der lange Lockdown führte oft zu einer Verschlimmerung der Symptome. Auch die Angst vor dem Coronavirus ist bei vielen so präsent, dass das Verlassen der Wohnung oder des Hauses eine Herausforderung werden könnte.

Doch auch Menschen, die vorher kein Problem mit vielen Menschen hatten, können es jetzt mitunter als komisch empfinden, wieder in Bars und die Innenstadt zu gehen. Nicht jede Angst ist unbedingt krankhaft.

Langsam an die Situation gewöhnen

Menschen, die nach der langen Zeit des Lockdowns Angst vor großen Menschenmassen verspüren, sollten sich zunächst mit wenigen Personen treffen. Nach und nach sind Besuche in der Stadt oder Treffen mit mehreren Menschen (je nach aktuellen Beschränkungen) dann wieder sinnvoll und mit Sicherheit auch angenehmer. Betroffene sollten zudem mit Freund*innen und Familie über ihre Bedenken sprechen.

Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit, die Corona-Angst-Hotline der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie oder der Deutschen Depressionshilfe zu kontaktieren. Dabei müssen Sie nicht an Agoraphobie leiden – auch andere Ängste wie vor der Ansteckung mit dem Coronavirus sind Gründe für ein Gespräch, welches zirka 20 Minuten dauert.

Auswertungen des Alumni-Fachnetzes für psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DCAPP) zeigen, dass sich in Wuhan, China 2.144 Menschen beim Krisentelefon meldeten – die Mehrheit beschrieb Angstzustände (47,3 Prozent). Bisher liegen für Deutschland und die Zeit nach dem Lockdown noch keine ausreichenden Daten vor.

Aktualisiert: 09.06.2021 - Autor: Romina Enz, Medizinredakteurin und Biologin