AstraZeneca: So entsteht die Sinusvenenthrombose

Im Frühling dieses Jahres traten vermehrt Sinusvenenthrombosen im Zusammenhang mit dem Vektor-Impfstoff von AstraZeneca auf. Die Corona-Impfung sollte aufgrund dieser möglichen, schweren Nebenwirkung bei jüngeren Menschen nur noch an Personen über 60 geimpft werden. Expert*innen haben den Mechanismus der schweren Komplikationen aufgeklärt.

AstraZeneca Ampulle
© Shutterstock/Juan Roballo

Auf Basis der Ergebnisse des internationalen Forschungsteams könnte der Vektor-Impfstoff weiter verbessert werden.

Veränderte Eiweißverbindungen für Sinusvenenthrombose verantwortlich

Bereits zu Beginn der Pandemie machten Forschende eine Überreaktion des Immunsystems für die gefährlichen Sinusvenenthrombosen verantwortlich.

Durch die Interaktion mit dem Vakzin erkennt das Immunsystem ein verändertes Eiweiß der Blutplättchen (Plättchenfaktor 4). Infolgedessen beginnt das Abwehrsystem, Antikörper gegen das eigene Eiweiß zu produzieren.

Um effiziente Antikörper zu bilden, ist ein weiteres Merkmal notwendig, welches der Impfstoff selbst in sich trägt. Neben der Information zum Spike-Protein des Coronavirus enthält das Vakzin weitere Bestandteile, die aus der Produktion der Zellkulturen stammen.

Diese zusätzlichen Stoffe können Entzündungsreaktionen verursachen und das angeborene Immunsystem anregen. Diese Reaktion zeigt sich auch als Unwohlsein nach der COVID-19-Impfung.

Immunreaktion kann bis zu zwei Wochen andauern

Nach der ersten Impfung kann es bis zu zwei Wochen dauern, bis der Körper genug Abwehrzellen gegen den Plättchenfaktor 4 (PF4) gebildet hat. Sie erkennen allerdings nicht nur das PF4 gebunden an das Vakzin, sondern reagieren auch auf das körpereigene PF4 auf Blutplättchen.

Die Antikörper aktivieren die körpereigenen Blutplättchen und regen die Bildung von Thrombosen an. Zudem binden sie Granulozyten, welche weitere Mechanismen verursachen und Zellen der Blutgefäße aktivieren. So kommt es zur Entstehung der gefährlichen Sinusvenenthrombosen.

Da die Sinusvenenthrombose nach Impfungen mit Vektor-Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson aufgetreten sind, halten Expert*innen den Vektor des Vakzins für die Nebenwirkung verantwortlich. Bei AstraZeneca handelt es sich um das Adenovirus Azd1222, bei Johnson & Johnson um das Adenovirus (Ad26).

Die Adenoviren wurden mittels einer speziellen Mikroskopie (Kryoelektronenmikroskopie) analysiert. Auf den Bildern ist zu erkennen, dass der Plättchenfaktor an den Viren haften kann. Wissenschaftler*innen vermuten deshalb, dass PF4 auch bei der Impfung bestehen bleibt und das Immunsystem darauf reagiert, was wiederum zur Entstehung der Thromben führen kann.

Aktualisiert: 08.12.2021
Autor*in: Alexandra Maul, News-Redakteurin