Corona-Impfung: Welchen Einfluss hat das Vakzin langfristig?

Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe wie schwere Sinusvenenthrombosen oder mögliche Herzmuskelentzündungen sorgen immer wieder für mediale Aufruhr. Meist handelt sich hierbei um akute Impfreaktionen, welche medizinisch behandelt werden können. Langzeitstudien zum Corona-Impfung gibt es bisher keine. Eine noch nicht wissenschaftlich überprüfte Studie sorgte zudem für Aufsehen. Wissenschaftler*innen untersuchten den Einfluss des Vakzins von BioNTech/Pfizer.

Vakzine von BioNTech/Pfizer
© Getty Images/THOMAS KIENZLE / Kontributor

Impfkritiker*innen sehen ihre bisherigen Behauptungen und Thesen zu langfristigen Spätfolgen des Impfstoffs durch die Studie der niederländischen und deutschen Forscher*innen der Universität Nimwegen belegt. Hierbei muss allerdings betont werden, dass die Studie bisher nur vorveröffentlicht wurde und sie somit noch nicht wissenschaftlich überprüft worden ist.

mRNA-Impfstoffe könnten des Immunsystem beeinflussen

Im Rahmen der Studie untersuchten Wissenschaftler*innen das Blutserum gesunder Impflinge vor und nach der Impfung. Besonders im Fokus standen hierbei die Zytokine, welche bestimmte Abwehrzellen aktivieren und das Immunsystem bei Infektionen und Entzündungen unterstützen. Um die Immunantwort der Impflinge zu analysieren, wurden Blutproben entnommen und mit verschiedenen Erregern konfrontiert.

Bei einigen der Proband*innen war eine geringere Immunreaktion auf Viren und Bakterien zu sehen, auf Pilze war die Immunantwort hingegen verstärkt.

Die Studie liefert bisher folgende Erkenntnisse, aufgrund der geringen Probandenzahl empfiehlt es sich allerdings, die Untersuchung noch mit größeren Personengruppen durchzuführen:

  • Die Corona-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer schützt mit einer Wirksamkeit von bis zu 95 Prozent vor einem schweren Verlauf.
  • Die Impfung könnte allerdings das angeborene Immunsystem beeinflussen.
  • Während die Immunantwort auf Viren und Bakterien schwächer ausfällt, wird die angeborene Immunantwort auf Pilze verstärkt.

Einfluss auf die angeborene Immunantwort

Nach Aussagen der Wissenschaftler*innen könnte die Corona-Impfung zur einer "Reprogrammierung des Immunsystems" führen. Besonders das angeborene Immunsystem wäre hierbei betroffen.

Das angeborene Immunsystem, auch unspezifisches Immunsystem genannt, reagiert als erstes auf Erreger jeder Art. Die Reaktion erfolgt immer auf die gleiche Art und Weise.

Das erworbene Immunsystem hingegen richtet sich speziell gegen Erreger, falls die angeborene Immunabwehr diese nicht zerstören konnte. Voraussetzung ist, dass das Immunsystem bereits mit dem Erreger in Kontakt war und den nötigen Schutz aufgebaut hat. Dies kann sowohl im Zuge einer Impfung als auch nach einer bereits überstandenen Infektion erfolgen. Die spezifische Immunantwort reagiert gezielt und infolge meist sehr effektiv.

Immunsystem nach mRNA-Impfung nicht außer Kraft gesetzt

Falls die Ergebnisse bestätigt werden sollten, liefern sie zwar eine wichtige Erkenntnis, schwerwiegende Konsequenzen hat dies nach bisherigem Wissensstand dennoch nicht. Die Veränderungen bezüglich einiger Erreger sind zwar messbar, allerdings nur sehr gering. Zudem macht die angeborene Immunabwehr nur einen sehr kleinen Teil des komplexen Immunsystems aus.

Neben den Corona-Impfstoffen haben auch andere Vakzine, beispielsweise gegen Masern-Mumps-Röteln, einen Einfluss auf das Immunsystem. Da der Nutzen der Impfungen jedoch größer ist als das Risiko einer möglichen Veränderung, raten Mediziner*innen zur Impfung. Studien zeigen zudem, dass eine Veränderung des angeborenen Immunsystems sich oft zugunsten des effektiveren erworbenen Immunsystems auswirkt.

Schäden durch Infektionen größer

Auch schwere Infektionen können zu einer längerfristigen Veränderung beziehungsweise Schwächung des Immunsystem führen, etwa Masern oder COVID-19.

Insgesamt liefern die Erkenntnisse der Forscher*innen wichtige Hinweise im Bezug auf die Corona-Impfung. Dennoch wiegen die Vorteile der Impfung stärker gegenüber den Nachteilen.

Langzeitstudien nach Corona-Impfung: Mertens reagiert auf Kimmich

Nachdem Fußballspieler Joshua Kimmich am vergangenen Samstag seine Bedenken zur Corona-Impfung aufgrund mangelnder Langzeitstudien äußerte, reagierte Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO). In einem Interview mit der dpa betonte Mertens, dass es im Falle der neuen Corona-Impfstoffe noch keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien geben könnte. Die begleitenden Zulassungsstudien untersuchen aber die Möglichkeit schwerwiegender Nebenwirkungen. Zudem würden bei neu zugelassenen Medikamenten zu diesem Zeitpunkt ebenfalls keine Langzeitstudien existieren. Die allgemeine Erkenntnis der Wissenschaft sei, dass spät auftretende Nebenwirkungen bei Impfungen nicht vorkommen oder eine sehr seltene Rarität einzelner Impfstoffe darstellen würden.

Viele Skeptiker*innen der neuen Impfstoffarten warten auf den ersten Totimpfstoff gegen das Coronavirus. Doch trotz erfolgreicher Studien kann mit der Zulassung frühestens im Jahr 2022 gerechnet werden. Hersteller des Totimpfstoffs raten daher dazu, die bisherigen Impfangebote zu nutzen. Totimpfstoffe könnten dann als mögliche und effektive Booster dienen.

Aktualisiert: 25.10.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin