Ungeimpfte für Mehrheit der Infektionen verantwortlich

Ungeimpfte sind weiterhin ein großer Infektionsherd, sodass es trotz einer Impfquote von 68 Prozent weiterhin zu vielen Ansteckungen kommt. Berechnungen zufolge könnten Ungeimpfte an acht bis neun von zehn Neuinfektionen beteiligt sein.

Personen mit "Corona-Begrüßung"
© Getty Images/EMS-FORSTER-PRODUCTIONS

Die Forschenden der Humboldt-Universität Berlin modellierten zwei verschiedenen Szenarien.

So wichtig ist eine hohe Impfquote: Szenarien im Überblick

Beide Modellierungen beziehen wichtige Aspekte wie die Impfquote, die Kontrolle des Infektionsgeschehens und die Wirksamkeit der Vakzine mit ein. In beiden Szenarien beeinflussen besonders ungeimpfte Personen die Dynamik des Infektionsgeschehens. Die Modelle beziehen sich immer auf insgesamt 100 Ansteckungen.

1. Szenario: Ungeimpfte an 91 Prozent der Neuinfektionen beteiligt

Im ersten der beiden Szenarien beträgt die Wirksamkeit der Impfstoffe 92 Prozent bei Jugendlichen, der Schutz bei Erwachsenen erreicht 72 Prozent. Insgesamt sind 40 Prozent der Jugendlichen, 72 Prozent der 18- bis 59-Jährigen und 85 Prozent der Senior*innen geimpft.

So erfolgt das Infektionsgeschehen:

  • 51 Prozent aller Ansteckungen erfolgen von Ungeimpften an Ungeimpfte
  • Bei 25 Prozent der Ansteckungen geben Ungeimpfte das Virus an Geimpfte weiter
  • 15 Prozent der Geimpften infizieren Ungeimpfte
  • 9 Prozent der Geimpften stecken andere Geimpfte mit COVID-19 an

Zusammengefasst sind Ungeimpfte also an 91 Prozent aller Ansteckungen beteiligt.

2. Szenario: Ungeimpfte für 84 Prozent der Ansteckungen verantwortlich

In diesem Modell ist die gleiche Anzahl an Personen geimpft wie im 1. Szenario. Die Wirksamkeit der Impfstoffe ist allerdings geringer, bei Jugendlichen und Erwachsenen beträgt sie 60 Prozent, der Schutz von Senior*innen liegt bei 50 Prozent.

So wirkt sich dies den Berechnungen zufolge auf das Infektionsgeschehen aus:

  • Bei 38 Prozent der Neuinfektionen wird das Virus von Ungeimpften an Ungeimpfte übertragen
  • 29 Prozent der Ansteckungen erfolgen von ungeimpften Personen an Geimpfte
  • 17 Prozent der Übertragungen erfolgen von Geimpften auf Ungeimpfte
  • Bei 16 Prozent der Neuinfektionen stecken Geimpfte ebenfalls Geimpfte an

Geimpfte Personen sind in diesem Modell also an etwa 84 Prozent der Neuinfektionen beteiligt.

Vierte Welle stoppen: Empfehlungen

Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, ergeben sich folgende Empfehlungen:

  • Erhöhen der Impfquote
  • Effektivität des Impfschutzes steigern, beispielsweise durch Boosterimpfungen
  • Reduzieren der Kontakte, besonders bei Ungeimpften

Der R-Wert, also der Reproduktionswert, gibt an, wie viele Personen eine Person im Durchschnitt ansteckt. In den Modellberechnungen beträgt dieser Wert aktuell zirka 1,2. Um die vierte Welle zu brechen, sollte der Wert unter 1 liegen. Das würde bedeuten, dass eine infizierte Person durchschnittlich weniger als eine Person mit dem Coronavirus infiziert.

Nur so können dauerhaft weitere Ansteckungen verringert und das Gesundheitssystem entlastet werden.

Aktualisiert: 03.12.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin