Corona: Virusvarianten im Überblick

Das Coronavirus mutiert weiter: Nachdem die Alpha-Variante Auslöser der dritten Welle war, könnte die Delta-Variante für eine vierte Welle verantwortlich werden. Die Mutation sorgt bereits für steigende Inzidenzzahlen und Urlaubsbeschränkungen. Welche Virusvarianten es gibt und wie gefährlich diese sind, lesen Sie hier.

COVID-Mutation © Getty Images/da-kuk

Um den Impffortschritt und den bisherigen Erfolg nicht zu gefährden, werden die verschiedenen Virusvarianten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und den nationalen Behörden (Robert Koch-Institut) bewertet. Besonders auffällige Varianten werden nach Buchstaben des griechischen Alphabets benannt.

Beurteilung der Virusvarianten durch die WHO

Die Virusvarianten werden aufgrund ihrer Eigenschaften wie folgt beurteilt:

  • Varianten unter Beobachtung (VOI): Hierbei handelt es sich um Viruslinien, welche verschiedene besorgniserregende Mutationen aufweisen, die für gehäufte Infektionen verantwortlich sind und in mehreren Ländern auftreten.
  • Besorgniserregende Varianten (VOC): Diese Viruslinien sind stark von der Struktur des Urtyps zu differenzieren. Sie können infektiöser und virulenter sein oder die Immunantwort von Genesenen und Geimpften reduzieren.

1. Virusvariante Alpha: Zuerst in Großbritannien aufgetreten

Die Alpha-Variante (B1.1.7) wurde zuerst in Großbritannien nachgewiesen. Seit dem Frühjahr 2021 dominierte sie auch in Deutschland und wird als besorgniserregend eingestuft. Sie wurde aber bereits von der Delta-Variante abgelöst.

Besondere Eigenschaften sind die höhere Reproduktionszahl und ein höheres Infektionsrisiko im Vergleich zum Urtyp.

2. Beta-Variante: In Südafrika dominant

Die Beta-Variante dominiert besonders in Südafrika und zählt in Deutschland zu den besorgniserregenden Varianten. Das macht B.1.351 so besonders:

  • Geringerer Impfschutz vollständig Geimpfter
  • Niedriger Impfschutz durch AstraZeneca
  • Höheres Infektionsrisiko möglich

In Deutschland ist die Virusvariante aus Südafrika bisher wenig aufgetreten.

3. Gamma-Mutation (P1): Für große Welle in Brasilien verantwortlich

Die besorgniserregende Variante ist für hohe Infektionszahlen im brasilianischen Manaus verantwortlich. Trotz einer hohen Zahl an Genesenen stiegen die COVID-19-Erkrankungen und in der Folge die Todeszahlen.

Gamma macht nur einen geringen Anteil der Neuinfektionen in Deutschland aus. Gamma weist in ihrer Struktur und Verhalten ähnliche Eigenschaften wie die Beta-Variante auf.

4. Delta (B.1.617.2): Dominiert bald in Europa

Die Delta-Variante ist besorgniserregend und könnte bei stockenden Impfzahlen als Auslöser der vierten Welle agieren. Die Mutation wurde zuerst in Indien nachgewiesen und ist eine besonders gut angepasste Mutation des Coronavirus:

  • Delta kann die Immunantwort geimpfter Personen reduzieren.
  • Aufgrund der Strukturen der Variante besteht ein höheres Infektionsrisiko.
  • Die gefährliche Variante Delta-Plus setzt sich zudem an Lungenzellen an und löst schwere Verläufe aus.
  • Löst neue und andere Symptome aus, welche schwerer von einer Erkältung zu unterscheiden sind.

Expert*innen gehen davon aus, dass die Delta-Variante bald in ganz Europa die dominante Rolle einnimmt.

5. Lambda (C.37): Wird von der WHO beobachtet

Diese Virusvariante steht aktuell unter genauer Beobachtung der Weltgesundheitsorganisation. Sie ist vorerst in Südamerika (Peru, Argentinien und Chile) zu Hause. Die Lambda-Variante könnte eine geringere Immunantwort auslösen und vom Immunsystem schlechter bekämpft werden. Studien zu der neueren Variante laufen aktuell.

6. Weitere Virusvarianten

Neben den bisher vorgestellten Virusvarianten werden folgende Mutationen sequenziert und stehen unter Beobachtung:

  • Epsilon (B.1.424/B.1.429): Epsilon tritt vermehrt in Kalifornien auf und könnte für ein höheres Infektionsrisiko und eine verringerte Immunantwort sorgen. In den USA wird sie bereits als besorgniserregend eingestuft.
  • Zeta (P2): Erste Studien zeigen, dass bei einer weiteren Variante aus Brasilien die Neutralisierung der Antikörper reduziert ist. Genaue Untersuchungen der Daten laufen aktuell noch. Die WHO beobachtet die Zeta-Variante.
  • Eta (B.1.525): Auch die Eta-Variante könnte eine erhöhte Übertragbarkeit und eine Veränderung der Immunantwort auslösen. Bisher ist die Mutation in Zentralafrika, wie Angola und Nigeria, und teilweise in Großbritannien in Erscheinung getreten. In Deutschland wurde bisher eine Infektion nachgewiesen.
  • Theta (P3): Theta wird ebenfalls beobachtet und wurde aktuell auf den Philippinen, in Japan und den USA registriert, sehr vereinzelt auch in Deutschland. Wie alle anderen Mutationen könnte auch Theta die Immunantwort reduzieren und eine höhere Übertragungsrate aufweisen.
  • Iota (B.1526): Die Virusvariante kommt vermehrt in New York vor. Sie soll Antikörper gezielt umgehen können und aufgrund ihrer strukturellen Veränderung für eine höhere Übertragbarkeit sorgen, da sie sich enger an menschliche Zellen bindet.
  • Kappa (B.1.617.1): Kappa wurden ebenfalls erstmals in Indien registriert und steht aktuell unter Beobachtung. Auch sie steht im Zusammenhang mit einer verringerten Immunität und einer höheren Übertragbarkeit.

Aufgrund neuer Veränderungen in der Virus-Struktur und Symptomen, sollten sich Personen, auch vollständig Geimpfte, bei Verdacht (etwa bei Erkältungssymptomen) auf Corona testen lassen. Hierbei empfiehlt sich ein PCR-Test, da dieser die zuverlässigsten Ergebnisse liefert. AHA-Regeln sind weiterhin zu empfehlen.

Aktualisiert: 19.07.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin