Corona-Impfstoffe: Antikörper greifen auch bei indischer Mutation

Corona-Mutationen machen es Wissenschaftler*innen weltweit schwer, das Infektionsgeschehen zu bewerten und die Wirksamkeit der Impfstoffe einzuschätzen. Besonders besorgniserregend ist nach der britischen Variante B.1.1.7 die Mutation B.1.617, die vor allem in Indien nachgewiesen wurde. Erste Studien und Untersuchungen bestätigen die Wirksamkeit der bisher zugelassenen Corona-Impfstoffe gegen die Indische Mutation.

Corona-Mutation © Getty Images/koto_feja

Die Corona-Variante B.1.617 trat laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland bislang 51 Mal auf (Stand: 18. Mai 2021) – eine rasche Ausbreitung ist aber durchaus möglich.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte die indische Mutation Anfang Mai als "besorgniserregende Variante" ein. In diese Einstufung fallen bislang auch die britischen, südafrikanischen und brasilianischen Varianten. Gründe dafür seien das hohe Infektionsrisiko und die Möglichkeit einer reduzierten Immunantwort, gab WHO-Wissenschaftlerin Maria Van Kerkhove bekannt.

Corona-Impfstoffe schützen vor indischer Mutation

Sowohl der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca als auch die mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer und Moderna scheinen vielversprechenden ersten Erkenntnissen zufolge einen Impfschutz gegen die Corona-Mutation zu bieten.

Wissenschaftler*innen überprüften Blutseren bereits Genesener und Geimpfter mit dem Vakzin "Covidshield", dem indischen Corona-Impfstoff von AstraZeneca. Erste Ergebnisse zeigen eine Immunantwort genesener und geimpfter Personen gegen die Variante B.1.617.

Auch die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna können nach ersten unveröffentlichten Studien vor der indischen Mutation schützen. Die Vakzine zeigen auch bei Genomveränderungen der südafrikanischen, britischen und brasilianischen Varianten eine hohe Wirksamkeit gegen schwere Verläufe. Expert*innen gehen daher auch von einem ausreichenden Schutz gegen B.1.167 aus.

Wie gefährlich ist die Mutation B.1.617?

In Indien sind derzeit 70 Prozent der Corona-Infektionen auf die Mutation B.1.167 zurückzuführen. Innerhalb der Aminosäuren des Virus fallen laut Einschätzung von Expert*innen diese drei Veränderungen besonders ins Gewicht:

  • Als erste Mutation innerhalb des Virus ist E484Q zu nennen. Diese kommt in einer im Aufbau ähnlichen Form auch in den südafrikanischen und brasilianischen Varianten vor, sie trägt dort den Namen E484K. Eine solche Veränderung ist seit Kurzem auch in der Struktur der britischen Corona-Mutation B.1.1.7 zu erkennen. E484K reagiert weniger auf bereits gebildete neutralisierende Antikörper. Inwiefern dies auch auf die E484Q-Mutation zutrifft, wird aktuell in Laboruntersuchungen überprüft – ein Serum aus Antikörpern bereits genesener Patient*innen greift in ersten Versuchen allerdings bisher nur reduziert.
  • Wie auch in der kalifornischen Variante B.1.429 ist die Mutation L452R in der Struktur der indischen Mutation vorhanden. Diese Veränderung innerhalb des Virus könnte sowohl Antikörper bereits genesener Personen als auch monoklonale Antikörper abschwächen.
  • P681 tritt sowohl in der indischen als auch der britischen Corona-Mutation auf. Diese Aminosäuren befinden sich neben der Furin-Spaltstelle des Spikeproteins und können die Bindung der Virusmembran an die Zellmembran beeinflussen. Wie dieser Prozess das Infektionsrisiko erhöhen könnte, muss allerdings überprüft werden.

Wie gefährliche die indische Variante aufgrund ihrer vermehrten Veränderungen sein könnte, muss noch intensiver untersucht werden. Die Wissenschaftler*innen des RKI stufen die Mutation bisher nicht als besorgniserregend ein, das RKI wird die Mutation laut eigenen Angaben dennoch intensiv beobachten.

Aktualisiert: 18.05.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin