Corona: Frühere Erkältungen können milden Verlauf begünstigen

Zur Familie der Coronaviren gehören auch verschiedene Krankheitserreger, welche harmlose Erkältungen oder Durchfallerkrankungen auslösen. Personen, die im Rahmen einer leichten Erkältung bereits mit der Virusfamilie in Kontakt gekommen sind, könnten mit einer schnelleren Immunantwort gegen des gefährliche SARS-CoV-2 reagieren.

Coronavirus © Getty Images/peterschreiber.media

Auch bei einer harmlosen Erkältung reagiert das Immunsystem. Es bildet unter anderem T-Helferzellen, welche zukünftig ähnliche Viren im menschlichen Körper schneller erkennen, somit auch SARS-CoV-2. Dieses Gedächtnis kann auch als Kreuzimmunität bezeichnet werden.

Kreuzimmunität für schnelle Immunreaktion verantwortlich

Die Kreuzimmunität wäre ein erster Hinweis, warum Erwachsene häufiger schwerer erkranken als Kinder und Jugendliche. Forscher*innen der Berliner Charité und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik sind der Ursache der Kreuzimmunität auf den Grund gegangen: Hierbei wurde das Spike-Protein analysiert. Dieses Virusprotein ermöglicht es dem Virus an die menschlichen Zellen anzudocken.

Im Spike-Protein wurde ein Abschnitt ermittelt, welcher bereits in harmloseren Coronaviren zu finden ist. Diese Position kann sich bei einer Mutation nicht verändern, da das Virus sonst seine Infektionsfähigkeit verlieren würde.
Personen, die bereits im Rahmen einer harmlosen Erkältung mit Coronaviren in Kontakt gekommen sind, haben neben B-Zellen, welche für die Bildung von Antikörpern zuständig sind, auch T-Zellen entwickelt.

T-Helferzellen erkennen fremde Viren und sind für eine schnelle Immunantwort zuständig. Diese spezifischen T-Helferzellen, werden auch als CD4-Zellen bezeichnet.

Bei 35 Prozent gesunder Blutspender*innen, welche keine Antikörper gegen SARS-CoV-2 hatten und somit noch nicht mit COVID-19 konfrontiert worden waren, waren bereits CD4-Zellen im Blut vorhanden. Die speziellen T-Zellen reagieren auch bei harmlosen Coronaviren, welche besonders bei Kindern häufige Erkältungserreger sind.

T-Zellen: wichtige Rolle bei COVID-19

In der Studie wurden zirka 800 Personen, die sich noch nicht mit dem Corona-Virus infiziert hatten, regelmäßig getestet und untersucht. Insgesamt erkrankten 17 von 800 Personen an COVID-19. Von diesen 17 Personen hatten zehn bereits reaktive CD4-Zellen im Rahmen einer früheren Infektion mit Erkältungsviren erworben. Das Ergebnis:

  • Das Immunsystem dieser Patient*innen reagierte schneller und effektiver auf die Infektion: Bereits nach drei bis neun Tagen konnten Antikörper gegen die COVID-19-Erkrankung gebildet werden. Die CD4-Zellen spielen hierbei eine wichtige Rolle, da sie das Virus früh erkennen und somit die Bildung der Antikörper schnell stimulieren.
  • Vorerkrankungen mit harmloseren Coronaviren könnten demnach ein Corona-Gedächtnis aufbauen und den Körper vor schweren Verläufen schützen: Eine Garantie für einen milden Verlauf ist dies allerdings nicht. Allerdings könnte dies begründen, warum Menschen verschieden auf die Corona-Infektion reagieren.
  • Während bei einigen das Immunsystem bereits im Alarmmodus ist und Antikörper produziert, "überfallt" das Virus Personen ohne CD4-Zellen unerwartet und schädigt so den Körper: Bis das Immunsystem reagiert, sind oft bereits schon starke Beschwerden aufgetreten.

Bereits vorhandene CD4-Zellen könnten auch die Immunantwort durch die Corona-Impfung positiv beeinflussen. Während es normalerweise zwei Wochen dauert, bis sich Antikörper bilden, entwickelten sich diese bei Personen mit Kreuzimmunität bereits nach weniger als einer Woche.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Fähigkeit zur Kreuzimmunität sowie die Leistungsfähigkeit des Immunsystems insgesamt ab. Dies könnte erklären, warum Kinder und jüngere Personen eine schnellere und höhere Schutzwirkung erreichen können. Auch deshalb sollten Personen mit Immunschwäche oder ältere Menschen das Angebot der Auffrischungs-Impfung wahrnehmen.

Aktualisiert: 03.09.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin