Corona-Infektion: Studien machen Hoffnung auf Medikament

Die Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus liegt größtenteils auf den Impfstoffen. Herdenimmunität, Lockerungen und der Weg zurück in ein normales Leben könnten durch Impfstoffe erreicht werden. Impfungen schützen vor einer Infektion. Für bereits infizierte Corona-Patient*innen gibt es bisher jedoch kein wirksames Medikament. Es gibt zwar Behandlungs- und Therapieempfehlungen, ein Mittel zur Linderung des Krankheitsverlaufs wurde bis dato noch nicht entwickelt.

Corona-Medikament © Getty Images/Andriy Onufriyenko

Weltweit wird nicht nur mit Hochdruck an der Entwicklung der Corona-Impfstoffe gearbeitet, auch Medikamente gegen einen schweren Verlauf einer Corona-Erkrankung stehen im Fokus der Pharmaforschung.

Corona-Medikamente könnten Intensivstationen entlasten

Ein wirksames Medikament gegen eine COVID-19-Erkrankung könnte Krankenhäuser und Intensivstationen entlasten, indem es vor schwerwiegenden Verläufen schützt. Wissenschaftler*innen arbeiten auf Hochtouren an einem Wirkstoff: Deutsche und amerikanische Forscher*innen identifizierten mehrere Wirkstoffe, die aktuell in ersten präklinischen Studien analysiert werden.

Ziel des Wirkstoffes ist es, die Vermehrung der Viren in den Körperzellen zu verhindern und das Virus somit schneller kontrollieren zu können. Diese Methode wird bereits bei HIV und Hepatitis C eingesetzt.

Erste Studien in den USA: Mögliche Wirkstoffe gegen eine Corona-Infektion

Die Studien der US-Forscher*innen beziehen sich auf Lungenepithelzellen, insbesondere auf Calu-3-Zellen, die hauptsächlich bei Lungenkrebspatient*innen auftreten. Von 23 ausgewählten Wirkstoffen konnten neun die Replikation (Vermehrung) der Coronaviren innerhalb der Zellen einschränken. Die folgenden Wirkstoffe machen besonders viel Hoffnung:

  • Remdesivir wurde eigentlich im Zusammenhang mit Ebola entwickelt, birgt allerdings auch im Zusammenhang mit COVID-19 große Hoffnung, da es auch bei anderen Zelltypen wirken kann.
  • Salinomycin ist ein Antibiotikum, das meist in der Veterinärmedizin (Tiermedizin) gegen Parasiten im Magen-Darm-Trakt (Kokzidien) eingesetzt wird.
  • Dacomitinib ist ein Kinase-Hemmer, der zur Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms zugelassen ist. Kinase-Hemmer binden Enzyme, die für die Aufrechterhaltung und Ausbreitung von Krebserkrankungen im Körper verantwortlich sind.
  • Bemcentinib wird wie Dacomitinib als Kinase-Hemmer ebenfalls zur Krebsbehandlung getestet.
  • Ebastin ist ein Antihistaminikum. Sein Einsatzgebiet liegt in der Behandlung der allergischen Rhinitis und Urtikaria.
  • Ciclosporin verhindert als Immunsuppressivum die Abstoßungsreaktion bei Organtransplantationen. Es hemmt einerseits die zur Replikation benötigten Zellenzyme und kann andererseits aufgrund seiner antientzündlichen Wirkung einer Überreaktion des Immunsystems entgegenwirken.

Auf Basis der Labortests kann die Wirkung der Medikamente allerdings noch nicht bewiesen werden. Ist ein Medikament bereits zur Behandlung anderer Krankheiten zugelassen, können klinische Studien ohne Vorlauf direkt starten. In den USA werden bereits 20 Corona-Patient*innen in einer Phase-1-Studie zu Ciclosporin getestet. Die Ergebnisse werden Ende des Jahres erwartet.

Deutschland: Präklinische Studien zur Corona-Behandlung laufen

Forscher*innen in Deutschland analysierten in Form eines Röntgenscreenings die Struktur möglicher Mittel. Anhand des Screenings kann herausgefunden werden, welche Wirkstoffe sich mit Virus-Enzymen verbinden könnten und diese möglicherweise hemmen.

Aus zirka 7.000 untersuchten Wirkstoffen wurden 37 vielversprechende Mittel gefunden, welche anschließend im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin zur Replikation der Coronaviren analysiert wurden.

In Folge zeigten die Wirkstoffe Calpeptin und Pelitinib vielversprechende Ergebnisse. In ersten präklinischen Untersuchungen soll mithilfe weiterer Labortests die Wirksamkeit der potenziellen Medikamente weiter geprüft werden.

Aktualisiert: 08.04.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin