COVID-19: Frau elf Monate mit Corona infiziert

Eine Corona-Infektion hält im Durchschnitt bis zu zwei Wochen an. In besonderen Ausnahmen und im Fall einer Hospitalisierung kann die COVID-19-Erkrankung länger andauern. Eine amerikanische Patientin erholte sich erst nach 335 Tagen von SARS-CoV-2. Besonders besorgniserregend war, dass sich das Virus im Zeitraum der Infektion veränderte.

Patient auf Corona-Station
© Getty Images/Morsa Images

Vor allem Patient*innen mit Immunerkrankungen oder Abwehrschwächen als Folge einer Vorerkrankung können über einen längeren Zeitraum mit SARS-CoV-2 und anderen Viren infiziert sein. Die amerikanische Patientin hatte im Vorfeld ihrer Corona-Infektion eine Form von Lymphdrüsenkrebs erfolgreich überstanden.

Lange Corona-Infektionen: Virus verändert sich im menschlichen Körper

Menschen mit langanhaltenden Virus-Infektionen können eine mögliche Quelle neuer Virusvarianten sein. Die ständige Vermehrung der Zellen im menschlichen Körper kann zu Veränderungen des Virus oder Fehlern im Erbgut des Virus führen, welche die Entstehung neuer Virusvarianten begünstigen.
Wissenschaftler*innen vermuten, dass auch die aggressive Alpha-Variante, die sich vor allem von England aus verbreitete, im Körper eines*einer chronisch kranken Patient*in entstanden sein könnte. Diese Variante unterschied sich deutlich vom ursprünglichen Typ des Coronavirus.

COVID-19-Erkrankung verlängert sich bei chronischen Erkrankungen

Besonders Personen mit chronischen Erkrankungen, Vorerkrankungen oder Immunschwäche haben ein erhöhtes Risiko für einen langen Corona-Verlauf.
In Großbritannien litt ein 70-jähriger Patient mit Vorerkrankung 102 Tage an COVID-19, bevor er an der Viruserkrankung starb. Die Vorerkrankung war das MALT-Lymphon (Mucosa Associated Lymphoid Tissue), welches besonders die lymphoiden Gewebe der Schleimhäute betrifft. Die Behandlung des Lymphoms mit Rituximab, einem Arzneistoff der Krebstherapie, beeinträchtigt die antikörperproduzierenden B-Zellen. Die Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 und weitere Viren ist dadurch gestört.

Auch die amerikanische Patientin mittleren Alters konnte aufgrund ihrer Vorerkrankung keine Antikörper gegen COVID-19 bilden. Neben Diabetes mellitus Typ 2 war die Patientin zudem an Lymphknotenkrebs erkrankt. Die Krebsbehandlung beeinträchtige ebenfalls die B-Zellen des Immunsystems, mehrere Antikörpertests der Frau blieben negativ.

Insgesamt musste die Frau mehrmals aufgrund von Atemwegssymptomen und einer fortlaufenden Lungenentzündung behandelt werden. Erst eine Serumtherapie, unter anderem mit dem antiviralen Wirkstoff Remdesivir, sorgten für einen Heilungsverlauf.

Ärzt*innen dokumentierten die Veränderung verschiedener Virusproteine im Zeitraum der Erkrankung. Aufgetreten waren unter anderem Veränderungen des Spike-Proteins des Virus, welches es SARS-CoV-2 ermöglicht, an menschlichen Zellen anzudocken, sowie eine Veränderung in den Bereichen ORF7b und ORF8 des Erbguts. Diese Veränderungen könnten eine Immunreaktion der menschlichen Zellen unterbinden.

Die elfmonatige Infektion ist bisher der am längsten dokumentierte Verlauf mit SARS-CoV-2.

Aktualisiert: 22.10.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin