ECMO-Therapie: Lebensretter bei einer schweren COVID-Infektion?

Patient*innen mit schweren Lungenkrankheiten bis hin zu akutem Lungenversagen müssen oft künstlich beatmet werden. In einigen Fällen ist die Lunge selbst nicht mehr in der Lage, den zugeführten Sauerstoff in ausreichender Menge ins Blut abzugeben. Das Blut wird dann außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert. Dieser Vorgang wird umgangssprachlich als künstliche Lunge bezeichnet.

Patient an künstlicher Lunge © Getty Images/Akiromaru

Die künstliche Lunge oder extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) kommt auch bei schweren COVID-19-Verläufen mit Lungenversagen zum Einsatz. So funktioniert die ECMO und das ist zu beachten.

ECMO: So funktioniert die künstliche Lunge

Bei der ECMO handelt es sich um eine modifizierte Herz-Lungen-Maschine mit einem geschlossenen System. Das venöse Blut wird mittels Kanüle aus dem Körper des*der Patient*in herausgeleitet, mit Sauerstoff angereichert, anschließend erwärmt und durch die Kanüle zurück in das venöse oder arterielle System der Betroffenen geführt.

Innerhalb einer Minute können bei einem*einer Erwachsenen bis zu fünf Liter Blut transportiert werden, der Gasaustausch erfolgt an einer künstlichen Membran.

Zusammengefasst übernimmt die künstliche Lunge folgende Funktionen:

  • Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut
  • Versorgung mit Sauerstoff
  • Regulation der Temperatur des Blutes

Mithilfe der ECMO kann zudem die medizinische Versorgung des*der Patient*in erfolgen. Medikamente und Substanzen wie beispielsweise Heparin gegen die Blutgerinnung werden im Rahmen des Gasaustauschs ebenso verabreicht.

In Notfällen kann die künstliche Lunge den Körper mehrere Tage bis Wochen stabilisieren und die Lunge entlasten. Allgemein ist die ECMO für die Lunge selbst schonender als die bekannte künstliche Beatmung.

Zudem gibt es zwei verschiedene Arten der künstlichen Lunge: Während die veno-venöse ECMO allein die Funktion der Lunge unterstützt, wird die veno-arterielle ECMO bei einem geschädigten Herzen inklusive einer geschädigten Lunge eingesetzt.

COVID-19 und andere Lungenkrankheiten: Einsatzgebiete der künstlichen Lunge

Die ECMO-Therapie wird aktuell meist im Kontext einer schweren Corona-Infektion und der daraus resultierenden Ateminsuffizienz eingesetzt. In der Medizin kommt die ECMO auch in anderen Bereichen zum Einsatz:

  • Überbrückung bis zur Erholung, nach schweren Lungenentzündungen
  • Künstliche Versorgung bis zum Therapieerfolg bei Lungenembolien oder akutem Herz-Lungen-Versagen
  • Überbrückung der Lungenfunktion bei Implantationen des Kunstherzens oder geplanten Lungentransplantationen

Da Lungenversagen als häufige Folge einer Corona-Infektion auftritt, befassen sich Mediziner*innen mit der ECMO als Therapiemöglichkeit bei einem schweren COVID-Verlauf.

Die ECMO als letzte Behandlungsmöglichkeit einer Corona-Infektion

Die Erfolgsaussichten der ECMO bei einer schweren Corona-Infektion waren zu Beginn gering. Nach ausreichenden Erfahrungsberichten und ausgereiften Behandlungsabläufen zeigt sich die künstliche Lunge mittlerweile dennoch als geeignete Therapiemöglichkeit.

Auf Basis erster Studien schlägt die ECMO-Therapie besonders bei jüngeren Patient*innen im Alter bis 48 Jahren an. Die Behandlung sollte allerdings in einem frühen Stadium erfolgen, um besonders wirksam zu sein. Insgesamt weisen die Daten auf eine erhöhte Überlebensrate von 30 bis 55 Prozent hin.

Allerdings ist bei COVID-Patient*innen höchste Vorsicht geboten. Besonders Corona-Erkrankte zeigen häufiger Komplikationen als ECMO-Patient*innen, die nicht an einer COVID-Infektion leiden. Häufige Probleme sind:

  • Hirnblutungen (12 Prozent)
  • Lungenentzündungen infolge der Beatmung (85 Prozent)
  • Lungenembolien (18 Prozent)

Insgesamt stehen in Deutschland nur rund 800 ECMO-Plätze zur Verfügung. Die Methode erfordert speziell ausgebildetes Personal, das mit den Risiken und technischen Herausforderungen der ECMO umzugehen weiß.

Daher wird die ECMO nur in gesonderten Ausnahmefällen genutzt:

  • Wenn der*die Erkrankte auf andere Beatmungsstrategien nicht reagiert.
  • Wenn die Möglichkeit einer Regeneration der Lunge besteht.
  • Bei jüngeren Patient*innen, da das Komplikationsrisiko bei älteren Personen zu hoch ist.

Die ECMO stellt eine Chance dar, wenn die erkrankte Person auf alternative Behandlungsmöglichkeiten nicht mehr reagiert, eine Überlebensgarantie bietet die künstliche Lunge allerdings nicht.

Aktualisiert: 11.05.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin