Corona-Impfung: Was ist an diesen 8 Impfmythen dran?

Aktuell sind zirka 68 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Der Impffortschritt stagniert, seitdem im Sommer das Impfangebot für jeden gemacht werden konnte. Manche Personen stehen der Impfung mit Skepsis gegenüber und vertrauen den neuen Impfstoffarten nicht. Auch, weil verschiedene Mythen und Gerüchte im Umlauf sind – diese Impfmythen zur Corona-Impfung gibt es und das ist dran.

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1. mRNA-Impfstoffe beeinflussen die DNA

Mann erhält Corona-Impfung © Getty Images/MixMedia
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Falsch: Die messenger-Ribonukleinsäure (mRNA) wird auch als Boten-RNA bezeichnet. Diese enthält bei mRNA-Vakzinen die genetische Information des Spike-Proteins, welche es dem Coronavirus ermöglicht, an die menschlichen Zellen anzudocken. Bei der Impfung wird also eine Art Bauplan für das Spike-Protein mithilfe der mRNA in die menschliche Zelle eingeschleust, wo es nachgebaut und im Anschluss vom Immunsystem erkannt wird.

Es besteht allerdings kein Kontakt zwischen der mRNA und der DNA, da sich das menschliche Erbgut isoliert im Zellkern befindet. Zudem ist eine Veränderung der DNA durch die RNA nicht möglich, da die menschliche Zelle die mRNA-Stücke nicht in DNA umschreiben kann. Dem Körper fehlen dazu die nötigen Enzyme (Eiweiße). Die menschliche DNA bleibt also unangetastet und die mRNA wird nach einigen Tagen selbstständig vom Körper abgebaut.

2. Auch Geimpfte können sich infizieren

Frau mit positivem Corona-Test © Getty Images/VioletaStoimenova
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Richtig: Die Corona-Impfung kann:

  • vor schweren Verläufen schützen
  • das Infektionsrisiko senken
  • die Viruslast senken
  • das Risiko, an Long-COVID zu erkranken, deutlich reduzieren

Vollständig geimpfte Personen können jedoch ebenfalls positiv auf das Coronavirus getestet werden, Mitmenschen infizieren und an COVID-19 erkranken. Der Verlauf ist dann allerdings meist leicht bis mild. Das Auftreten der Erkrankung trotz Impfung wird auch als Impfdurchbruch bezeichnet. Bei Symptomen trotz Impfung empfiehlt sich daher, einen PCR-Test durchzuführen und soziale Kontakte zu meiden.

Da die Impfung besonders vor schweren Verläufen schützt, wird durch diese das Hospitalisierungsrisiko reduziert, was in der Folge auch das Gesundheitssystem entlastet.

3. Der Impfstoff ist aufgrund der schnellen Zulassung nicht sicher

Frau forscht im Labor © Getty Images/sinology
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Falsch: Das Prinzip der mRNA-Impfstoffe wird schon lange erforscht und soll auch in der Krebstherapie und im Kampf gegen HIV sowie weitere Viruserkrankungen unterstützen.

Alle zugelassenen Corona-Impfstoffe wurden der gleichen Prüfung unterzogen wie bisher zugelassene Vakzine. Um eine schnelle Zulassung zu ermöglichen, wurden allerdings Impfstoffe und Zulassungen bereits vor dem offiziellen Antrag geprüft. Dieser Vorgang wird auch als Rolling Review bezeichnet. Ein weiterer Vorteil war die außerordentlich große Anzahl an Proband*innen, die im Rahmen der Zulassung an Studien zur Wirksamkeit teilnahmen.

Insgesamt wurde kein Teil der Zulassung ausgelassen. Expert*innen weltweit gehen von der Sicherheit der Impfstoffe aus. Qualität und Wirksamkeit wurden ausführlich geprüft. Zudem besteht weiterhin ein ausführliches und sicheres Reporting, um mögliche Nebenwirkung zu registrieren und zu verhindern.

4. Die Corona-Impfung macht unfruchtbar

Schwangerschaftstest wird gehalten © Getty Images/d3sign
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Falsch: Manche Frauen und Männer verweigern die Impfung aus Angst, unfruchtbar zu werden. Dies liegt an der Behauptung, die Antikörper, welche gegen das Spike-Protein gebildet werden, griffen auch die Strukturen der Plazenta (Mutterkuchen) an. Das Baby könne infolgedessen nicht mit Nahrung versorgt werden. Das ist allerdings falsch: Zwischen dem Plazenta-Protein Syncytin-1 und dem Spike-Proteine besteht eine minimale strukturelle Ähnlichkeit (0,75 Prozent). Diese reicht nicht aus, um die Bildung von Antikörpern gegen das Plazenta-Protein anzuregen.

Auch Frauen, die bereits mit Corona infiziert waren, bringen gesunde Kinder zu Welt, obwohl sie ebenfalls Antikörper gegen das Spike-Protein produziert haben. Eine Corona-Impfung führt also nicht zur Unfruchtbarkeit bei Frauen.

Einige Männer haben Angst, dass die Corona-Impfung die Fruchtbarkeit und die eigenen Spermien beeinflussen könnte. Studien weisen allerdings darauf hin, dass die Qualität der Spermien nach der Impfung gleichbleibend ist. Zudem gibt es erste Hinweise darauf, dass in seltenen Fällen eine Corona-Infektion zu einer erektilen Dysfunktion bei Männern führen kann.

5. Das Vakzin wirkt nicht bei Mutationen

Corona-Forschung zu Mutationen © Getty Images/janiecbros
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Falsch: Wissenschaftler*innen rechnen damit, dass Viren mutieren. Wie bei der Grippe-Impfung auch wird dieser Vorgang mit eingeplant und in den Zulassungsstudien beachtet. mRNA-Impfstoffe wirken auch gegen die Delta-Variante zuverlässig, bei Vektor-Impfstoffen kann die Wirksamkeit bei Mutationen schwanken. Insgesamt schützen allerdings alle Vakzine gegen einen schweren COVID-19-Verlauf, auch bei den bisher dominanten Virusvarianten.

6. Keine Impfung bei Menschen mit Immunerkrankung oder Immunsuppressiva

Frau wird gegen COVID-19 geimpft © Getty Images/lechatnoir
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Falsch: Auch Personen, welche an einer Immunerkrankung leiden oder Immunsuppressiva einnehmen müssen, können gegen das Coronavirus geimpft werden.

Da sich bei einigen Geimpften aus dieser Personengruppe allerdings keine oder nur eine geringe Immunität ausgebildet hat, wird eine Booster-Impfung für Menschen mit Immunerkrankung empfohlen. Die STIKO empfiehlt Personen mit einer Immunerkrankung zudem die dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff, um gut gegen COVID-19 geschützt zu sein.

7. Die Corona-Impfung beeinflusst das Immunsystem langfristig

Frau stolz auf Impfung © Getty Images/FG Trade
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Jein: Eine vorveröffentlichte Studie zeigt, dass die Impfung das Immunsystem beeinflussen könnte. Sollten sich diese Ergebnisse bestätigen, hat dies allerdings dennoch keine schwerwiegenden Folgen für die Immunabwehr, da die Auswirkungen nur sehr gering sind. Da eine COVID-Erkrankung dem Immunsystem einen größeren Schaden zufügen kann, ist der Nutzen der Impfung zudem größer als mögliche Risiken. Studien zeigen zudem, dass eine Veränderung des angeborenen Immunsystems sich oft zugunsten des effektiveren erworbenen Immunsystems auswirkt.

Um mögliche Folgen frühzeitig zu erkennen, werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) europaweit Beobachtungsstudien durchgeführt. Da das Vakzin spätestens nach ein paar Wochen vollständig abgebaut ist, werden keine langfristigen Folgen erwartet.

8. Impfstoffe greifen Blutgefäße an

Gefäß © Getty Images/KATERYNA KON/SCIENCE PHOTO LIBRARY
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Falsch: Stephan Baldus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und Direktor des Herzzentrums der Uniklinik Köln, zweifelt diese Aussage gegenüber dem Ersten Deutschen Fernsehen an. Überzeugende Daten, welche einen Zusammenhang zwischen einer mRNA-Impfung und Entzündungen oder Verstopfungen der Blutgefäße zeigen, seien nach Angaben des Experten nicht vorhanden.

Eine Studie, die einen direkten Zusammenhang zwischen Erkrankungen der Blutgefäße und der Corona-Impfung herstellte, hält der Experte in der klinischen Relevanz für unklar, da in keinem der untersuchten Fallberichte eine direkte Kausalität gezeigt werden kann.

Sollte auch nur das geringste Risiko einer Blutgefäßerkrankung bestehen, wären die Folgen einer Corona-Infektion in diesem Kontext deutlich höher. Auch das Risiko, an Long-COVID zu erkranken, sei laut dem Experten ohne Impfschutz erhöht.

Aktualisiert: 30.11.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin