COVID-Impfung: Mehr Nebenwirkungen durch Impfstoffwechsel?

Da der Corona-Impfstoff von AstraZeneca nur noch Personen über 60 Jahren empfohlen wird, rät die Ständige Impfkommission (STIKO) jüngeren Personen, die bereits AstraZeneca erhalten haben, zur Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff. Ein Impfstoffwechsel kann als heterologes Impfschema bezeichnet werden, da hierbei zwei unterschiedliche (heterologe) Vakzine geimpft werden. Dieses Impfschema könnte zu mehr Impfreaktionen führen.

Spritze mit Corona-Impfstoff © Getty Images/Guido Mieth

Nachdem besonders bei jüngeren Personen vermehrt Sinusvenenthrombosen nach einer Corona-Impfung mit AstraZeneca aufgetreten sind, empfiehlt die STIKO bei dieser Personengruppe den Wechsel vom Vektor-Impfstoff zu einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/Pfizer, Moderna). Expert*innen vermuten beim heterologen Impfschema allerdings mehr Nebenwirkungen.

Impfstoffwechsel von AstraZeneca zu mRNA-Impfstoff: Häufiger Reaktionen möglich

Während bei mRNA-Impfstoffen wie BioNTech/Pfizer und Moderna Impfreaktionen meist nach der zweiten Impfung auftreten, kommen diese bei AstraZeneca häufiger nach der ersten Dosis vor.

Die heterologe Impfung kann ebenfalls zu vorübergehenden Nebenwirkungen führen. Englische Wissenschaftler*innen analysieren aktuell die Folgen des Impfstoffwechsels. Erste Zwischenergebnisse wurden bereits im wissenschaftlichen Journal "The Lancet" veröffentlicht.

Die Expert*innen verglichen insgesamt vier verschiedene Impfschemata miteinander:

  • Erstimpfung mit AstraZeneca, Zweitimpfung mit BioNTech/Pfizer
  • Erst- und Zweitimpfung mit Vakzin von AstraZeneca
  • Erstimpfung mit BioNTech/Pfizer und Zweitimpfung mit AstraZeneca
  • Erst- und Zweitimpfung mit dem mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfizer

Die Teilnehmenden wussten zum Zeitpunkt der Studie nicht, welche Impfstoff-Kombination eingesetzt wurde. Die Expert*innen untersuchten sowohl einen Impfabstand von vier Wochen als auch drei Monaten. Die bisherigen Daten ergeben sich bisher nur aus dem kurzen Impfintervall von vier Wochen. Zudem ist zu erwähnen, dass alle Testpersonen 50 Jahre oder älter waren.

Besonders Geimpfte mit dem Schema AstraZeneca und BioNTech/Pfizer litten nach der Zweitimpfung vermehrt an:

Kombination aus Vektor- und mRNA-Impfstoff: Mehr Reaktogenität

Ein Impfstoffwechsel führt nach ersten Erkenntnissen zu häufigen und ausgeprägten Impfreaktionen, welche auch als Reaktogenität bezeichnet werden. Die Reihenfolge der beiden Impfstoffe sei in diesem Zusammenhang nicht entscheidend.

Vergleicht man das heterologe Impfschema mit dem homologen, ist das Risiko einer Impfreaktion bei einem Impfstoffwechsel um bis zu 20 Prozent erhöht. Diese Impfreaktionen können vermehrt auftreten:

  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Gelenkschmerzen
  • Erschöpfung
  • Muskelschmerzen
  • allgemeines Unwohlsein

Die Impfreaktionen hielten meist nur vorübergehend an und wurden besonders in den ersten 49 Stunden nach der Zweitimpfung beobachtet. Sie sind daher nicht als besorgniserregend einzustufen.

Die Proband*innen wurden darauf hingewiesen, dass die Einnahme von Paracetamol die möglichen Impfreaktionen lindern kann. Nach Empfehlungen der STIKO sollte das Schmerzmittel allerdings erst sechs Stunden nach der Impfung eingenommen werden.

Alle Ergebnisse der Studie zu Impfreaktionen und Nebenwirkungen der Impfung werden im Juni veröffentlicht. Zudem werden bereits weitere Impfstoff-Kombinationen mit den Vakzinen von Moderna und Novavax untersucht.

Aktualisiert: 17.05.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin