Long-COVID: Führt auch ein milder Verlauf zu einer erhöhten Sterberate?

Die Langzeitfolgen von Corona sind bis dato noch nicht vollständig geklärt. Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts leidet jeder*jede zehnte Corona-Patient*in trotz eines milden Corona-Verlaufs an den Langzeitfolgen der Krankheit. Studienergebnisse aus den USA zeigen, dass US-Veteranen im ersten Halbjahr nach einer leichten COVID-19-Erkrankung häufiger medizinisch behandelt werden mussten. Auch das Sterberisiko könnte gegenüber der Allgemeinbevölkerung erhöht sein.

Long-Covid Behandlung © Getty Images/ Morsa Images

Wissenschaftler*innen werteten im Rahmen der Studie die elektronischen Krankenakten der Patient*innen mit leichtem Corona-Verlauf aus. Nach der Corona-Erkrankung kam es häufiger zu Arztbesuchen, der vermehrten Diagnose von Erkrankungen und einer erhöhten Notwendigkeit von medikamentösen Behandlungen und Therapien.

Long-COVID: Leichter Verlauf kann schwere Folgen haben

Wenn ein Symptom auch nach einer überstandenen Erkrankung bestehen bleibt, wird es als Residualsymptom bezeichnet. Ein Beispiel hierfür ist das Abhusten nach überstandener Erkältung, das nach einiger Zeit abklingen oder je nach Schwere der Infektion sogar dauerhaft bestehen bleiben kann.

Auch nach einer bereits ausgestandenen Influenza benötigen viele Betroffene eine längere Erholungszeit. In deren Rahmen kommt es meist zu Arztbesuchen und vermehrter Medikation, was auf Basis elektronischer Krankenakten ermittelt werden kann.

Nach einer Corona-Infektion werden Residualsymptome und eine verzögerte Erholung häufig als Long-COVID bezeichnet. Im Gegensatz zu Residualsymptomen nach einer Influenza ziehen sich die Symptome meist länger hin und können gefährliche Folgen für bereits Genesene haben.

In den USA konnten die Patientenakten von 73.435 US-Veteranen ausgewertet werden. Obwohl diese nur leicht an COVID-19 erkrankten, mussten sie im Folgezeitraum vermehrt medizinisch betreut werden. Als Vergleichsgruppe dienten ebenfalls US-Veteranen, die im vergangenen Jahr nicht mit Corona infiziert waren.

Die Ergebnisse spiegeln die Langzeitfolgen von COVID-19 wider. Long-COVID beinhaltet sowohl eine höhere Rate an gesundheitlichen Problemen als auch eine erhöhte Sterberate im ersten halben Jahr nach der Infektion – auf 1.000 Veteranen kamen in der Gruppe der COVID-19-Patienten in den ersten 6 Monaten nach der Infektion 8,39 zusätzliche Todesfälle.

Die häufigsten Symptome von Long-COVID nach einem leichten Verlauf sind:

  • Atemwegserkrankungen
  • Bluthochdruck
  • Schlafstörungen
  • neurologische Erkrankungen
  • Schmerzen im Bewegungssystem und Rücken
  • Unwohlsein und Abgeschlagenheit
  • Stoffwechselstörungen
  • Brustschmerzen

Zudem nahm der Medikamentenverbrauch im Bereich der Bronchodilatatoren (häufig Asthma-Spray), Nicht-Opioid-Analgetika (Schmerzmittel wie Paracetamol, Aspirin), Antikoagulanzien (Blutgerinnungshemmer), Nicht-Opioidhustenmitteln (Hustenstiller) und Expektoranzien (Hustenlöser), Cholesterinsenker, NSAID (Entzündungshemmer) sowie von 33 weiteren Mitteln zu.

Zudem wurde in Laborbefunden ein erhöhter Abfall des Hämoglobins (Bestandteil der roten Blutkörperchen) und des Hämatokrits (Anteil der roten Blutkörperchen im Blutvolumen) vermerkt. Ebenso waren 14 weitere Werte auffällig erhöht.

Auch nach Krankenhausaufenthalt schwere Corona-Folgen

Betroffene, die mit einer schweren Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden musste, leiden ebenfalls häufig unter langwierigen Folgen. Hierbei verglichen die Forschenden die Studiendaten mit Patientendaten von schweren Grippeverläufen mit Krankenhausaufenthalt.

Bei COVID-19-Infizierten mit schwerem Verlauf und Krankenhausaufenthalt wurden folgende Langzeitfolgen registriert:

  • neurologische Störungen
  • neurokognitive Störungen
  • psychische Störungen
  • Stoffwechselstörungen
  • Herz-Kreislauf-Störungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Gerinnungsstörungen
  • Lungenembolien
  • Unwohlsein und Müdigkeit
  • Anämie

Nach einer Corona-Infektion konnten insgesamt schwerere Folgen als nach einer Grippe-Erkrankung nachgewiesen werden.

Im Rahmen von Big-Dataanalysen steigt mit der Zahl der untersuchten Variablen auch die Zahl der Zufallsbefunde. Dennoch liefert die US-amerikanische Studie erste Hinweise, wie schwerwiegend die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion sein können und wie lange Long-COVID das Gesundheitssystem zusätzlich belasten könnte.

Aktualisiert: 28.04.2021 - Autor: Alexandra Maul, News-Redakteurin