Omikron: Wann ist mit einem Impfstoff zu rechnen?

Die Omikron-Variante ist auf dem Vormarsch – eine Boosterimpfung kann das Risiko eines schweren Corona-Verlaufs für einige Zeit reduzieren. Wie lange eine Auffrischung gegen Omikron wirksam ist, ist allerdings noch nicht ausreichend erforscht. Fachleute gehen davon aus, dass die Vakzine auf die Variante angepasst werden müssen.

Omikron-Viren animiert
© Getty Images/sakchai vongsasiripat

Wann mit einem Corona-Impfstoff gegen die Omikron-Variante zu rechnen ist, warum das Vakzin angepasst werden muss und wie sicher und schnell die Impfstoffentwicklung erfolgen kann.

Warum muss der Impfstoff gegen Omikron angepasst werden?

Die bisher zugelassenen Impfstoffe wurden gegen den ursprünglichen Typ von SARS-CoV-2 entwickelt. Da die bisherigen Vakzine auch gegen Virusvarianten wie Alpha oder Delta ausreichend wirksam sind, war eine Anpassung vorerst nicht nötig.

Aufgrund verschiedener genetischer Veränderungen der Omikron-Variante könnte die Wirksamkeit der Impfstoffe allerdings abnehmen. Verantwortlich sind besonders die über 30 Mutationen des Spike-Proteins, welches dem Virus ermöglicht, an den menschlichen Zellen anzudocken. Dies könnte zu einer geringeren Wirksamkeit des Impfschutzes führen, da die neutralisierenden Antikörper die Omikron-Variante schwerer erkennen.

Omikron könnte somit dem Immunsystem entgehen und zudem infektiöser als bisherige Varianten sein. Um eine Verbreitung des Virus möglichst zu unterbinden und weiterhin einen wirksamen Schutz zu generieren, könnten die Impfstoffe an die besorgniserregende Virusvarianten angepasst werden.

Wann kommt ein angepasster Impfstoff gegen Omikron?

Der Impfstoffhersteller BioNTech/Pfizer hat bereits mit der Produktion des Omikron-Impfstoffes begonnen. Laut Informationen des Unternehmens seien bereits erste Lieferungen des Vakzins im März dieses Jahres möglich. Voraussetzung ist, wie bei anderen Impfstoffen auch, die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) und die EU-Kommission.

Die EMA hat sich bisher nicht zur Notwendigkeit des Varianten-Impfstoffs geäußert. Pfizer-Konzernchef Albert Bourla sagte gegenüber dem US-Sender CNBC, das Unternehmen habe auf eigenes Risiko mit der Produktion begonnen.

Wie sicher und schnell kann der Corona-Impfstoff angepasst werden?

Um eine Anpassung der Impfstoffe auf Virusvarianten möglichst schnell, aber sicher zu ermöglichen, hat die EMA folgende Schritte vorgesehen.

1. Anpassung des Impfstoffs auf die Virusvarianten

Die Impfstoffhersteller passen die Impfstoffe an Omikron an. Bei mRNA- und Vektorimpfstoffen wird die Bauanleitung für das Spikeprotein ausgetauscht.

2. Prüfung der technischen Qualität

Wie auch bei anderen Impfstoffen, wird das angepasste Vakzin einer technischen Qualitätsprüfung unterzogen. Folgende Aspekte werden hierbei beachtet:

  • Konzentration der Inhaltsstoffe
  • Reinheit
  • Stabilität

Wirksamkeit- und Verträglichkeitstests mit Zellkulturen oder Tieren sind in diesem Schritt nicht erforderlich.

3. Überprüfung durch klinische Studien

Der angepasste Impfstoff wird in zwei parallel laufenden Studien mit dem ursprünglichen Impfstoff verglichen:

  • In einer Studie wird der Omikron-Impfstoff als Erstimpfung verwendet
  • In der zweiten Studie fungiert das Varianten-Vakzin als Boosterimpfung

Anschließend werden die gebildeten Antikörper im Labor untersucht. Der Varianten-Impfstoff muss bessere Ergebnisse erzielen als der ursprüngliche Typ. Das Vakzin muss gegen neue und bisherige Varianten bestehen.

4. Prüfung und Zulassung

Ist das angepasste Vakzin sicher und zuverlässig, können die Entwickler*innen eine Genehmigung für den Varianten-Impfstoff beantragen. Die EMA kann diesem Antrag zustimmen.

5. Produktion der Varianten-Impfstoffe

Mit der Genehmigung der EMA können Impfstoffhersteller die Produktion umstellen. Das Herstellungsverfahren der bisher zugelassenen Impfstoffe kann schnell und einfach erfolgen, da sich an der Produktion fast nichts verändert.

Nicht nur der Corona-Impfstoff muss möglicherweise angepasst werden. Die Grippeimpfung wird ebenfalls auf neue Influenza-Viren angepasst. Daher empfiehlt es sich, die Grippeimpfung jährlich aufzufrischen.

Aktualisiert: 13.01.2022
Autor*in: Alexandra Maul, News-Redakteurin