Omikron-Impfstoffe: Das sind die angepassten Corona-Vakzine!

Nachdem die Europäische Arzneimittel-Agentur, kurz EMA, bereits am 1. September die Nutzung von Impfstoffen empfohlen hatte, die an den Omikron-Subtyp BA.1 angepasst sind, folgte kurz darauf die Empfehlung von Vakzinen gegen BA.4 und BA.5. Welche Impfstoffe gibt es und wo ist der Unterschied?

Impfstoff gegen Omikron-Variante des Coronavirus
© Getty Images/Guido Mieth

Die Vakzine gegen BA.1 stammen von den Herstellern BioNTech/Pfizer sowie Moderna. Von beiden Unternehmen wurden zudem im September und Oktober spezielle Impfstoffe gegen BA.4/BA.5 durch die EU-Kommission zugelassen. Was ist zur Wirksamkeit bekannt und ist ein Booster mit den neuen Impfstoffen sinnvoll?

Wie wirksam ist die angepasste Impfung gegen Omikron?

Bei dem BA.1-Impfstoff von BioNTech/Pfizer handelt es sich um einen sogenannten bivalenten Impfstoff. Dieser ist eine Kombination aus einem an BA.1 angepassten Impfstoff und dem bisherigen COVID-19-Vakzin.

Getestet wurde die Wirksamkeit im Rahmen einer Studie mit 1.200 Teilnehmenden im Alter von mindestens 56 Jahren. Vor und vier Wochen nach der Booster-Impfung wurde die Anzahl neutralisierender Antikörper gegen BA.1 im Blutserum der Studienteilnehmenden gemessen. Das Ergebnis: Der Antikörperspiegel hatte sich nach der Impfung im Vergleich zur Messung davor deutlich erhöht – im Mittelwert um das 9,1- bis 10,9-fache. Das Vakzin gilt als gut verträglich.

Auch die Studiendaten von Moderna zeigen einen gestiegenen Antikörperspiegel gegen die Subvariante BA.1, nachdem Proband*innen einen bivalenten Impfstoff erhalten hatten. Untersucht wurde die Wirksamkeit bei 1.800 Teilnehmenden über 55 Jahren sowie bei 600 Personen zwischen 18 und 55 Jahren.

Auch bei den kurz darauf zugelassenen Vakzinen handelt es sich um bivalente Impfstoffe, die eine Mischung aus der mRNA des Wildtyps sowie der Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 enthalten. Wie auch bei dem vorherigen angepassten Vakzin gegen BA.1 bleiben alle anderen Bestandteile des Impfstoffes gleich. BioNTech/Pfizer und Moderna geben an, dass sich für die neuen Impfstoffe anhand von präklinischen Daten eine hohe Immunantwort gegen alle bisher bekannten Omikron-Untervarianten sowie gegen den Wildtyp des Coronavirus nachweisen lässt.

Schutzwirkung der BA.1-Vakzine auch gegen BA.4 und BA.5?

Laut Herstellerangaben besteht auch durch die an BA.1 angepassten Vakzine eine gewisse Schutzwirkung gegen die Subtypen BA.4 und BA.5, diese fällt jedoch natürlicherweise geringer aus als gegen BA.1.

So wurden die Blutseren der Studienteilnehmenden im Rahmen der BioNTech/Pfizer-Studie auch in Bezug auf die Bildung von Antikörpern gegen die Omikron-Subtypen BA.4 und BA.5 untersucht. Dabei zeigte sich, dass nach der Impfung auch neutralisierende Antikörper gegen die beiden Subtypen gebildet wurden. Es wurden jedoch dreimal weniger Antikörper gebildet als gegen BA.1.

Eine Impfung mit einem der an BA.1 angepassten Vakzine erhöht also trotz geringerer Wirksamkeit im Vergleich mit einem der vorher verfügbaren Impfstoffe den Schutz gegen BA.4 und BA.5. Dies liegt daran, dass zwischen den Subtypen BA.1 und BA.4 beziehungsweise BA.5 deutlich weniger Mutationen vorliegen als zwischen BA.5 und dem Wildtyp des Coronavirus.

Impfstoff gegen BA.4 und BA.5 seit September verfügbar

Aktuell ist neben den an BA.1 angepassten Vakzinen der an BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoff von BioNTech/Pfizer in Deutschland verfügbar. Zudem hat die Europäische Kommission am 20. Oktober 2022 einen an die Subvarianten angepassten Impfstoff von Moderna zugelassen. Wann dieser in Deutschland zum Einsatz kommt, ist im Moment noch offen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat am 20. September eine Empfehlung zu den angepassten Impfstoffen herausgegeben. Grundsätzlich wird darin allen Personen ab zwölf Jahren, die noch keine Booster-Impfung (dritte Impfung) erhalten haben, eine solche mit einem an Omikron angepassten Impfstoff empfohlen.

Eine vierte Impfung mit einem der neuen Impfstoffe empfiehlt die STIKO unter anderem für Personal im Pflege- und Medizinsektor. Ebenso gilt die Empfehlung für Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19, also beispielsweise Menschen ab 60 Jahren oder mit bestimmten Grunderkrankungen.

Auch eine fünfte Impfung wird für besonders gefährdete Personen, wie Hochbetagte oder Bewohner*innen von Altenpflegeheimen, bereits empfohlen. Zwischen den Impfungen sollte ein Mindestabstand von sechs Monaten (in Ausnahmefällen vier Monaten) eingehalten werden.

Quellen

Aktualisiert: 25.10.2022
Autor*in: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin