Omikron: BA.5 und BA.4 auf dem Vormarsch

In Europa breiten sich die Omikron-Subtypen BA.5 und BA.4 immer weiter aus – mittlerweile dominieren auch in Deutschland beide Subtypen das Infektionsgeschehen. Welche Symptome treten bei BA.5 und BA.4 auf und was weiß man zur Gefährlichkeit der beiden Untervarianten?

Frau untersucht Probe auf Coronavirus BA.5 und BA.4
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Erstmals nachgewiesen wurden BA.5 und BA.4 im Januar und Februar 2022 in Südafrika. Das Land verfügt über ein besonders umfassendes Überwachungssystem. Auch in zahlreichen anderen Ländern dominieren beide Subtypen mittlerweile das Pandemiegeschehen. Wie ist der Stand in Europa und was ist über den Krankheitsverlauf bei Infektionen mit den Omikron-Untervarianten bekannt?

Anteil der beiden Subtypen in Europa hoch

Insbesondere in Portugal wurden durch die Ausbreitung von BA.4 und BA.5 bereits im Frühsommer steigende Infektionszahlen gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz lag dort am 16. Juni bei 1.089, sinkt mittlerweile aber wieder und liegt aktuell nur noch bei 36,6 (Stand: 25.10.2022). Auch die Zahl der hospitalisierten Corona-Infizierten nahm in dem südeuropäischen Land zur Zeit der hohen Inzidenzen wieder zu. Nach aktuellem Kenntnisstand verursachen sowohl BA.5 als auch BA.4 ähnliche Krankheitsverläufe wie die ursprüngliche Omikron-Variante.

In Deutschland ist mittlerweile nicht mehr die zuvor dominante Untervariante BA.2 vorherrschend. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts lag der Anteil von BA.2-Neuinfektionen in der Kalenderwoche 42 nur noch bei 1,6 Prozent, der Anteil von BA.5 und BA.4 zusammen bei 97,7 Prozent. BA.5 machte in der Kalenderwoche 42 mit 95,6 Prozent den deutlichen Hauptteil der Neuinfektionen aus.

In der Kalenderwoche 22 war die Gesamtzahl der Neuinfektionen in Deutschland wieder gestiegen, nachdem sie vorher 10 Wochen lang gesunken war. Neben der Ausbreitung der äußerst ansteckenden Untervarianten BA.4 und BA.5 trugen dazu wohl auch die Reduzierung der Corona-Regeln sowie eine nachlassende Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln in der Bevölkerung bei. Nach einem vorläufigen Höhepunkt Mitte Juli sanken die Zahlen bis Ende September wieder, um dann bis Mitte Oktober wieder zu steigen. Aktuell sinkt die Inzidenz wieder leicht (Stand: 25.10.2022). Inwieweit die offiziellen Daten der Gesundheitsämter die tatsächlichen Infektionen widerspiegeln, ist aber nicht ganz klar, da insgesamt weniger getestet wird und nur positive PCR-Tests in die Statistik einfließen (nicht aber positive Antigen-Tests).

Aufgrund des wachsenden Anteils am Infektionsgeschehen stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) BA.4 und BA.5 bereits am 12. Mai als "besorgniserregende Varianten" ein.

Immunflucht auch bei BA.4 und BA.5

Die Subtypen BA.4 und BA.5 unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Beide Virusvarianten könnten etwas infektiöser sein als bisherige Omikron-Varianten, da sie aufgrund spezieller Mutationen besonders gut an menschliche Zellen andocken können.

Zudem tragen Mutationen bei den Untervarianten dazu bei, dass diese, ähnlich wie beispielsweise bereits BA.2, der Immunabwehr teilweise entkommen können. Das heißt, bereits vorhandene Antikörper erkennen die Viren nicht mehr so gut und sind deshalb weniger effektiv bei deren Bekämpfung. Die Schutzwirkung durch eine bereits erfolgte Infektion oder eine Impfung ist deshalb weniger stark.

Jedoch wurde im Rahmen von bisherigen Laboruntersuchungen der Schutz bei geimpften Personen als effektiver eingeschätzt wurde als bei ungeimpften, bereits infizierten Menschen. So bewirkte eine dritte Impfung auch bei den Varianten BA.4 und BA.5 eine Steigerung des Antikörperspiegels, allerdings in etwas geringerem Ausmaß als noch bei den Subtypen BA.1 und BA.2.

Welche Symptome lösen BA.5 und BA.4 aus?

Die Symptome bei einer Infektion mit BA.4 und BA.5 ähneln in weiten Teilen denen einer Infektion mit anderen Omikron-Subtypen. Das heißt, die Erkrankung verläuft in vielen Fällen mild.

Typische Symptome sind insbesondere:

Trockener Husten scheint im Vergleich zu Infektionen mit den bisherigen Untervarianten von Omikron bei BA.4 und BA.5 etwas häufiger aufzutreten. Das RKI beobachtet derzeit bei den Neuinfizierten eine Zunahme von Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Wie lange die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der ersten Symptome, bei BA.4 und BA.5 andauert, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich ist sie mit etwa drei Tagen etwas kürzer als bei bisher aufgetretenen Varianten des Coronavirus, bei denen die Inkubationszeit im Durchschnitt bei vier bis sechs Tagen lag.

Weiterhin hohe Infektionszahlen im Herbst

Die Ausbreitung von BA.4 und BA.5 in Deutschland hat das Infektionsgeschehen wieder beschleunigt. Beide Varianten gelten als sehr ansteckend. Neuere Studien lassen zudem darauf schließen, dass eine bereits erfolgte Infektion mit anderen Omikron-Subtypen aufgrund der Mutationen von BA.4 und BA.5 kaum vor einer erneuten Ansteckung mit dem Coronavirus schützt. Der Grund: Bestehende Antikörper, die während einer bereits erfolgten Infektion gebildet wurden, hemmen die beiden neuen Omikron-Untervarianten kaum.

Allerdings gehen Forschende davon aus, dass andere Immunzellen und die Gedächtniszellen des Immunsystems sowohl durch eine überstandene Infektion als auch durch die Impfung trainiert werden und so auch bei BA.4 und BA.5 ein schwerer Verlauf der Erkrankung in diesen Fällen unwahrscheinlicher wird. Das Robert Koch-Institut weist weiterhin darauf hin, dass das Risiko für schwere Verläufe von COVID-19 bei ungeimpften Personen am höchsten ist.

Angepasste Impfstoffe verfügbar

Im Herbst 2022 wurden durch die Europäische Kommission zwei an BA.4 und BA.5 angepasste Impfstoffe zugelassen. Bei beiden handelt es sich um mRNA-Impfstoffe, die durch die Unternehmen Moderna beziehungsweise BioNTech/Pfizer entwickelt wurden. Die Vakzine bieten eine verbesserte Schutzwirkung vor den beiden Omikron-Untervarianten.

Quellen

Aktualisiert: 25.10.2022
Autor*in: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin