Omikron: BA.5 und BA.4 auf dem Vormarsch

In Europa breiten sich die Omikron-Subtypen BA.5 und BA.4 immer weiter aus – steigende Zahlen in Portugal schüren auch in Deutschland die Angst vor einer Sommerwelle. Was sagt die Weltgesundheitsorganisation dazu und was weiß man zur Gefährlichkeit der beiden Untervarianten?

Frau untersucht Probe auf Coronavirus BA.5 und BA.4
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Erstmals nachgewiesen wurden BA.5 und BA.4 im Januar und Februar in Südafrika. Das Land verfügt über ein besonders umfassendes Überwachungssystem. Dort dominieren beide Subtypen mittlerweile das Pandemiegeschehen. Wie ist der Stand in Europa und was ist über den Krankheitsverlauf bei Infektionen mit den Omikron-Untervarianten bekannt?

Anteil der beiden Subtypen in Europa steigt

Insbesondere in Portugal wurden zuletzt wieder steigende Infektionszahlen gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz lag dort am 16. Juni bei 1.089. Dominant ist hier die Omikron-Untervariante BA.5. Auch die Zahl der hospitalisierten Corona-Infizierten nimmt in dem südeuropäischen Land wieder zu. Nach aktuellem Kenntnisstand verursachen sowohl BA.5 als auch BA.4 ähnliche Krankheitsverläufe wie die ursprüngliche Omikron-Variante.

In Deutschland ist mittlerweile nicht mehr die noch bis vor Kurzem dominante Untervariante BA.2 vorherrschend. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts lag der Anteil von BA.2-Neuinfektionen in der Kalenderwoche 23 nur noch bei 44,1 Prozent, der Anteil von BA.5 und BA.4 zusammen bei 55,5 Prozent. In der Woche davor waren es noch 28 Prozent gewesen. In der letzten Zeit hatte sich der Anteil an beiden Varianten wöchentlich jeweils etwa verdoppelt, wobei BA.5 von beiden Subtypen den deutlich größeren Teil der Neuinfektionen ausmacht: Der Anteil an den Gesamtinfektionen liegt jetzt bei 49,7 Prozent.

In Kalenderwoche 22 ist die Gesamtzahl der Neuinfektionen zudem erstmals seit zehn Wochen wieder gestiegen. Neben der Ausbreitung der äußerst ansteckenden Untervarianten BA.4 und BA.5 tragen dazu wohl auch die Reduzierung der Corona-Regeln sowie eine nachlassende Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln in der Bevölkerung bei.

Insgesamt wurden die beiden Untervarianten bereits in mehr als 20 Ländern nachgewiesen. Aufgrund des wachsenden Anteils am Infektionsgeschehen stufte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) BA.4 und BA.5 am 12. Mai als "besorgniserregende Varianten" ein.

Immunflucht auch bei BA.4 und BA.5

Die Subtypen BA.4 und BA.5 unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Beide Virusvarianten könnten etwas infektiöser sein als bisherige Omikron-Varianten, da sie aufgrund spezieller Mutationen besonders gut an menschliche Zellen andocken können.

Zudem tragen Mutationen bei den Untervarianten dazu bei, dass diese, ähnlich wie beispielsweise bereits BA.2, der Immunabwehr teilweise entkommen können. Das heißt, bereits vorhandene Antikörper erkennen die Viren nicht mehr so gut und sind deshalb weniger effektiv bei ihrer Bekämpfung. Die Schutzwirkung durch eine bereits erfolgte Infektion oder eine Impfung ist deshalb weniger stark.

Jedoch wurde im Rahmen von bisherigen Laboruntersuchungen der Schutz bei geimpften Personen als effektiver eingeschätzt wurde als bei ungeimpften, bereits infizierten Menschen. So bewirkte eine dritte Impfung auch bei den Varianten BA.4 und BA.5 eine Steigerung des Antikörperspiegels, allerdings in etwas geringerem Ausmaß als noch bei den Subtypen BA.1 und BA.2

Welche Symptome lösen BA.5 und BA.4 aus?

Die Symptome bei einer Infektion mit BA.4 und BA.5 ähneln in weiten Teilen denen einer Infektion mit anderen Omikron-Subtypen. Das heißt, die Erkrankung verläuft in vielen Fällen mild.

Typische Symptome sind insbesondere:

Trockener Husten scheint im Vergleich zu Infektionen mit den bisherigen Untervarianten von Omikron bei BA.4 und BA.5 etwas häufiger aufzutreten. Das RKI beobachtet derzeit bei den Neuinfizierten eine Zunahme von Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung.

Droht in Deutschland eine Sommerwelle?

Die Ausbreitung von BA.5 und BA.4 in Deutschland scheint das Infektionsgeschehen aktuell wieder zu befördern. Ob die Infektionsrate vergleichbare Ausmaße wie in anderen Ländern annehmen wird, bleibt abzuwarten. Zwar gelten die Varianten als sehr ansteckend – bei Personen, die bereits mit dem ähnlichen Subtyp BA.2 infiziert waren, könnte jedoch ein gewisser Immunschutz bestehen. In Südafrika hatte die Untervariante BA.2 eine weniger große Rolle im vorangegangenen Infektionsgeschehen gespielt.

Aktualisiert: 24.06.2022
Autor*in: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin