Vidprevtyn®: So funktioniert der Corona-Impfstoff von Sanofi

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) begann bereits im Juli 2021 mit dem Rolling Review für den Corona-Impfstoff des französischen Herstellers Sanofi. Im März 2022 startete die EMA das Zulassungsverfahren, nachdem der Arzneimittelhersteller neue Studien vorgelegt hatte. So wirkt das Vakzin mit dem Namen Vidprevtyn®.

Spritze mit Corona-Vakzin, Sanofi- und GSK-Logo
© Getty Images/SOPA Images/Kontributor

Der Corona-Impfstoff von Sanofi und dem britischen Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline (GSK) ist – ähnlich wie das bereits zugelassene Vakzin von Novavax – ein proteinbasierter Impfstoff. Damit unterscheidet er sich in der Wirkweise von den bislang in Deutschland überwiegend eingesetzten mRNA- und Vektor-Impfstoffen. Die für die Zulassung vorgelegten Studien zeigen eine gute Wirksamkeit.

Corona-Impfstoff von Sanofi: So funktioniert das Vakzin

Der Corona-Impfstoff von Sanofi ist weder ein mRNA-Impfstoff noch ein Vektor-Impfstoff. Das Vakzin ist ein rekombinanter Proteinimpfstoff und besteht aus einer künstlich hergestellten Proteinbasis, welche unter anderem das Spike-Protein des Coronavirus enthält.

Dieses Protein ermöglicht es SARS-CoV-2, an die Zellen des menschlichen Körpers anzudocken. Wie alle bisher in der EU zugelassenen Impfstoffe zielt auch Vidprevtyn® darauf ab, das Immunsystem mit diesem Spike-Protein vertraut zu machen, damit es das Virus im Falle einer Corona-Infektion schneller erkennen und gezielt bekämpfen kann.

Während Vektor- und mRNA-Impfstoffe die genetische Information des Spike-Proteins enthalten und so dafür sorgen, dass der Körper das Protein infolge der Impfung für kurze Zeit selbst herstellt, steckt das Spike-Protein bei Vidprevtyn® bereits im Impfstoff. Das Protein wird in Insektenzellen hergestellt. Damit kommt die gleiche Technologie zum Einsatz wie in Sanofis rekombinantem Grippeimpfstoff Supemtek®.

Zusätzlich wird der Impfstoffe mit einer Substanz des Arzneimittelherstellers GSK kombiniert. Diese Substanz dient als sogenanntes Adjuvans und soll die Reaktion des Immunsystems auf den Impfstoff verstärken. Auch der proteinbasierte Impfstoff von Novavax enthält einen Wirkverstärker.

Auch wenn das Vakzin umgangssprachlich mitunter als Totimpfstoff bezeichnet wird, handelt es sich strenggenommen nicht um einen solchen, da keine abgetöteten Virusbestandteile enthalten sind.

Wie gut wirkt der Impfstoff?

Ziel der Impfung ist es vor allem, im Falle einer Ansteckung mit dem Coronavirus Symptome zu verhindern und den Körper vor einem schweren Verlauf von COVID-19 zu schützen. Die vorgelegten Daten der Phase-III-Studie mit mehr als 10.000 Erwachsenen zeigen, wie gut dieses Ziel erfüllt wird:

  • Den Daten zufolge bietet der Impfstoff einen hundertprozentigen Schutz vor einer Hospitalisierung durch einen schweren Verlauf.
  • Bei einem moderaten bis schweren Verlauf beträgt die Schutzwirkung 75 Prozent.
  • Vor einem symptomatischen Verlauf – egal welcher Schwere – soll das Vakzin mit einer durchschnittlichen Wirksamkeit von 57,9 Prozent schützen.
  • Für die Delta-Variante wird die Schutzwirkung vor einem symptomatischen Verlauf mit 77 Prozent angegeben.

Für eine vollständige Impfung werde zwei Impfdosen im Abstand von 21 Tagen verabreicht. In Bezug auf mögliche Nebenwirkungen gilt der Impfstoff als gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen sind in den Studien nicht aufgetreten.

Vidprevtyn® von Sanofi als mögliche Booster-Impfung

Der proteinbasierte Impfstoff könnte einerseits für Menschen interessant sein, die bislang eine Corona-Impfung abgelehnt haben. Denn proteinbasierte Impfstoffe kommen schon länger zum Einsatz als mRNA-Impfstoffe und werden deshalb oftmals als besser erprobt wahrgenommen.

Der Konzern erwägt zudem, das Vakzin als Booster-Impfung auf andere Corona-Impfstoffe anzubieten, um so die Wirkung der Vakzine zu verstärken. Entsprechende Studiendaten zeigen einen Anstieg der neutralisierenden Antikörper um das 18- bis 30-Fache. Auch die Wirkung einer Dreifachimpfung mit Vidprevtyn® wird derzeit untersucht: Durch diese soll der Antikörper-Titer um das 84- bis 153-Fache ansteigen.

Außerdem könnte der Impfstoff in ärmeren Ländern zum Einsatz kommen, in denen die Impfquote bislang aufgrund von mangelnder Verfügbarkeit der Impfstoffe noch gering ist.

Der Antrag auf bedingte Marktzulassung bei der Europäischen Arzneimittelagentur erfolgte fast ein Jahr später als ursprünglich geplant. Die abschließende Bewertung der EMA wird innerhalb der nächsten Wochen erwartet.

Aktualisiert: 13.04.2022
Autor*in: Alexandra Maul, News-Redakteurin | Silke Hamann, Medizinredakteurin