Vierte Impfung: Für wen ist der zweite Booster sinnvoll?

Die vierte Corona-Impfung rückt für viele Menschen in greifbare Nähe. Aber nicht für alle wird sie aktuell empfohlen. Wie sieht die Studienlage zum Thema vierte Impfung aus und für wen ist sie jetzt schon sinnvoll? 

Mann erhält Impfung
© Getty Images/Morsa Images

Israel ist im Bereich der Corona-Impfung ein klarer Vorreiter. Dank einer frühen Boosterimpfung konnte die Delta-Welle größtenteils erfolgreich abgewehrt werden. Eine erste israelische Studie zeigt allerdings: Der Nutzen einer vierten Impfung für die breite Bevölkerung ist wohl eher begrenzt. Für wen lohnt sich der zweite Booster dennoch?

Doppel-Booster: nur geringe Wirksamkeit gegen Omikron

Im Rahmen einer Studie zum zweifachen Booster erhielten 150 Teilnehmende die vierte Dosis des mRNA-Impfstoffs von BioNTech/Pfizer. Zudem wurden 120 weiteren Proband*innen eine vierte Dosis mit dem Vakzin von Moderna geimpft. In beiden Gruppen zeigen sich bisher keine erheblichen Unterschiede in der Immunantwort. Ein Anstieg des Antikörperspiegel ist zwar deutlich, sei im Kampf gegen die Omikron-Variante nach ersten Untersuchungen allerdings nicht ausreichend, wie Studienleitung Regev dem Redaktionsnetzwerk Deutschland mitteilte.

Der Schutz vor einer Infektion mit der Omikron-Variante erhöhte sich laut Angabe der Forschenden bei den vierfach geimpften Teilnehmenden im Vergleich zu dreifach geimpften Personen um 11 Prozent (Moderna) beziehungsweise 30 Prozent (BioNTech/Pfizer). Für Personen aus Risikogruppen könnte eine vierte Impfung deshalb dennoch von Nutzen sein.

STIKO empfiehlt vierte Impfung für bestimmte Gruppen

Auch in Deutschland wird die vierte Corona-Impfung bereits durchgeführt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat den zweiten Booster mittlerweile auch für bestimmte Personengruppen empfohlen. Dazu gehören:

  • Menschen über 70 Jahre
  • Bewohner*innen von Pflegeheimen
  • Personal in Gesundheits- und Pflegesektor
  • Personen mit Immunschwäche

Beim Personal im Gesundheitswesen und Pflegebereich soll der zweite Booster frühestens sechs Monate nach der Drittimpfung erfolgen. Für alle anderen der oben genannten Gruppen wird eine vierte Impfung frühestens drei Monate nach dem ersten Booster empfohlen.

Keine vierte Impfung vorgesehen ist dagegen, wenn eine Person sich nach der dritten Impfung mit dem Coronavirus infiziert hat.

Warum eine vierte Impfung sinnvoll sein kann

Studien zeigen, dass das Immunsystem älterer Personen in der Regel geringer auf die Impfung reagiert und weniger Antikörper im Vergleich zu jüngeren Personengruppen bildet. Zudem nimmt der Antikörperspiegel der älteren Generation auch schneller ab.

Daher gehen einige Fachleute davon aus, dass ältere Menschen im Gegensatz zu jüngeren mehrere Impfungen für einen ausreichenden Schutz vor schweren Verläufen benötigen.

Auch Personen mit einer Immunschwäche und Menschen, die Immunsuppressiva erhalten, kann eine vierte Impfung zusätzlich schützen, da auch sie nur wenige oder keine Antikörper gegen Coronaviren entwickeln.

Für Menschen, die im Gesundheits- und Pflegesektor tätig sind, ist laut STIKO eine vierte Impfung sinnvoll, da sie einerseits einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind und andererseits verstärkten Kontakt zu Personen aus Risikogruppen haben, die es zu schützen gilt.

Welcher Impfstoff sollte für die vierte Impfung verwendet werden?

In der Regel werden für die vierte Impfung aktuell die mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna eingesetzt. BioNTech/Pfizer produziert allerdings bereits einen Impfstoff, der an die aktuell vorherrschende Omikron-Variante angepasst ist und der gegebenenfalls bereits im April oder Mai verfügbar sein könnte. Auch der Hersteller Moderna entwickelt derzeit einen angepassten Impfstoff, der jedoch frühestens im Spätsommer erwartet wird.

EMA sieht langfristig jährliche Impfung als sinnvoll an

Mit Blick auf einen langfristigen Umgang mit dem Coronavirus hofft die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) aktuell auf an die vorherrschenden Varianten angepassten Impfstoffe, die eine jährliche Impfung ähnlich zur Impfung gegen Grippe möglich machen würden. Dementsprechend äußerte sich Marco Cavaleri, Leiter der Abteilung "Biologische Gesundheitsgefahren und Impfstoffstrategie" der EMA, im Rahmen einer kürzlich abgehaltenen Pressekonferenz.

So könnten zu häufige Auffrischungen innerhalb kurzer Zeit zum einen bewirken, dass sich in der Bevölkerung eine Impfmüdigkeit einstelle. Zum anderen könnten zu kurze Abstände zwischen den einzelnen Boostern dazu führen, dass die Immunantwort nicht mehr so gut ausfalle, wie erwartet. Cavaleri sprach sich aber nicht grundsätzlich gegen Boosterimpfungen aus, wie im Anschluss teilweise behauptet wurde.

Für wen solche turnusmäßigen Impfungen gegen COVID-19 empfehlenswert wären, ist bisher noch offen.

Aktualisiert: 25.02.2022
Autor*in: Alexandra Maul, News-Redakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin