Fluorid: Schädlich für die Gesundheit?

Frau putzt Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta © istockphoto, LuckyBusiness

Fluorid ist in vielen Zahncremes enthalten, denn es soll den Zahnschmelz härten und die Zähne vor Karies schützen. Bezüglich des Einsatzes von fluoridierten Zahnpflegeprodukten besteht jedoch eine große Unsicherheit. Teilweise wird befürchtet, dass sich der regelmäßige Gebrauch solcher Produkte negativ auf unsere Gesundheit auswirken kann. Frau Dr. Sabine Köhler, Präsidentin des medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte (MDZ), verrät im Interview, ob Fluorid tatsächlich schädlich ist.

Was ist Fluorid?

Als Fluoride werden die Salze des Fluorwasserstoffs bezeichnet. Sie kommen in unterschiedlicher Form in der Natur vor. In kleinen Mengen sind sie in Trink- und Mineralwasser sowie in verschiedenen Lebensmitteln – beispielsweise Tee, Seefisch und Muscheln – enthalten. Zudem ist mit Fluorid angereichertes Speisesalz im Handel erhältlich. Fluorid härtet den Zahnschmelz und kann dadurch das Kariesrisiko senken. Deswegen steckt es auch in den meisten Zahncremes.

So schützt Fluorid die Zähne

Fluoride schützen unsere Zähne auf vielfältige Art und Weise. Zum einen greifen sie in den Stoffwechsel kariesfördernder Bakterien im Mund ein und sorgen dafür, dass diese weniger Säure produzieren. Davon profitieren unsere Zähne, denn die Säuren greifen den Zahnschmelz an und lösen Bestandteile wie Kalzium aus den Zähnen heraus (Demineralisation).

Daneben fördern Fluoride außerdem den Einbau von Mineralstoffen aus dem Speichel in den Zahnschmelz (Remineralisation). Dadurch werden kleine Schäden im Zahnschmelz schnell repariert und das Kariesrisiko sinkt.

Die Verwendung von fluoridierten Zahnpflegeprodukten stellt allerdings nur eine von drei wichtigen Säulen unserer Zahngesundheit dar. Daneben sind auch eine regelmäßige, sorgfältige Entfernung der Zahnbeläge sowie eine reduzierte Aufnahme von zuckerhaltigen Produkten von großer Bedeutung.

Vielfältige Fluoridierungsmaßnahmen

Heutzutage gibt es eine große Auswahl an fluoridhaltigen Zahnpflegeprodukten. Dazu gehören

  • fluoridhaltige Zahnpasten
  • fluoridhaltige Mundspülungen
  • fluoridhaltige Zahnseide
  • fluoridhaltige Gels
  • Fluoridlacke

Während die meisten Pflegeprodukte für den Hausgebrauch geeignet sind, werden Fluoridlacke vom Zahnarzt oder im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung aufgetragen.

Neben den genannten Produkten kann in wenigen Einzelfällen zudem die Verwendung von Fluorid-Tabletten sinnvoll sein. Bevor Sie zu solchen Tabletten greifen, sollten Sie jedoch mit Ihrem Zahnarzt Rücksprache halten.

Ist Fluorid schädlich?

Die Verwendung von fluoridhaltigen Zahnpflegeprodukten ist umstritten. Befürworter betonen die positive Wirkung der Fluoride auf unsere Zahngesundheit und versichern, dass bei ordnungsgemäßem Gebrauch keine Gefahr von Zahnpflegeprodukten mit Fluorid ausgeht. Gegner warnen dagegen, da es angeblich schädlich für unsere Gesundheit sein soll.

Dr. Sabine Köhler, Präsidentin des medizinischen Beratungsdienstes der Zahnärzte (MDZ), erklärt im Interview, ob die Anwendung von fluoridierten Zahnpflegeprodukten tatsächlich mit Risiken verbunden ist und welche alternativen Möglichkeiten zur Zahnpflege existieren.

Bestehen bei der Anwendung von fluoridierten Zahnpflegeprodukten Risiken?

Dr. Köhler: "Nein, bei der richtigen Anwendung solcher Produkte sind keine gesundheitlichen Risiken zu befürchten. Der in Zahncremes enthaltene Fluoridanteil ist verschwindend gering. Leider wird Fluorid häufig mit Fluor verwechselt, das ein hochgiftiges Gas ist.

Daher haben einige Menschen Angst vor einer Fluorid-Vergiftung. Eine solche Vergiftung kann aber nur auftreten, wenn Fluorid in sehr großen Mengen aufgenommen wird. Ein 15 Kilogramm schweres Kind müsste beispielsweise 300 Fluorid-Tabletten auf einmal essen, damit sich Vergiftungserscheinungen bemerkbar machen."

Welche Nebenwirkungen können auftreten, wenn Fluoride in großen Mengen aufgenommen werden?

Dr. Köhler: "Wenn zu viel Fluorid aufgenommen wird, kann dies eine sogenannte Fluorose zur Folge haben. Dabei bilden sich auf dem Zahnschmelz weiße Flecken. Eine solche Veränderung am Zahnschmelz kann allerdings nur in der Phase der Zahnbildung auftreten. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, kann es nicht mehr zu einer Fluorose kommen.

Eine Fluorose wird meist dadurch verursacht, dass Kinder nicht nur eine fluoridhaltige Zahnpasta verwenden, sondern ihnen zusätzlich noch Fluorid-Tabletten gegeben werden. Deswegen bekommen Kindern heute – im Gegensatz zu früher – auch keine Fluoridtabletten mehr zur Kariesprophylaxe."

Welche Empfehlungen gibt es derzeit für Kinder und Erwachsene, was die Verwendung von fluoridierten Zahnpflegeprodukten angeht?

Dr. Köhler: "Erwachsene sollten ihre Zähne zweimal täglich mit einer fluoridierten Zahnpasta säubern. Bei Kindern kann etwa ab dem zweiten Lebensjahr eine Kinderzahnpasta, die nur einen geringen Fluoridgehalt hat, verwendet werden.

Kindern sollte zunächst nur wenig Zahnpasta auf die Zahnbürste gegeben werden. Dann ist es nämlich nicht schlimm, wenn ein bisschen was davon verschluckt wird. Da Kinder heute keine zusätzlichen Fluorid-Tabletten mehr bekommen, besteht keine Gefahr, dass sie zu viel Fluorid aufnehmen.

Sobald Kinder richtig ausspucken können, können sie die Zahnpasta der Eltern mitbenutzen. Sogenannte Erwachsenenzahncremes haben einen etwas höheren Fluoridgehalt – in der Regel liegt er zwischen 0,1 und 0,15 Prozent."

Welche zusätzlichen Möglichkeiten gibt es für Erwachsene mit einem erhöhten Kariesrisiko?

Dr. Köhler: "Erwachsene, die ein erhöhtes Kariesrisiko haben, können neben einer fluoridhaltigen Zahnpasta noch weitere Zahnpflegeprodukte mit Fluorid verwenden. Beispielsweise können sie ihre Zähne einmal pro Woche mit einem speziellen Fluoridgel putzen. Daneben stehen außerdem fluoridhaltige Zahnseide sowie Mundspüllösungen mit Fluorid, die entweder täglich oder wöchentlich angewendet werden können, zur Auswahl."

Welche alternativen Möglichkeiten zur Zahnpflege gibt es für Personen, die keine fluoridierten Produkte verwenden möchten?

Dr. Köhler: "Bei ihnen ist es besonders wichtig, auf eine zahnfreundliche Ernährung zu achten. Säureangriffe auf die Zähne durch Limonaden, Säfte oder trockene Weine sollten beispielsweise möglichst vermieden werden. Auch auf zuckerhaltige Produkte sollte weitestgehend verzichtet werden. Ein alternatives Produkt, das die Verwendung von fluoridhaltigen Zahncremes ersetzen könnte, gibt es bisher jedoch nicht."

Aktualisiert: 30.10.2018 – Autor: Kathrin Mehner

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