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Schönheitschirurgie

"Spieglein, Spieglein an der Wand - wer ist die Schönste im ganzen Land?" Während diese immerwährende Frage jedes Jahr auf zahlreichen Schönheitswettbewerben nur scheinbar gelöst wird, wollen offensichtlich immer mehr Menschen ihrem Schönheitsideal operativ näher kommen.

2011 wurden circa 400.000 plastische Eingriffe registriert. Dazu kommen 132.000 registrierte Faltenunterspritzungen. Da plastische Operationen nicht gemeldet werden müssen, liegt die eigentliche Zahl plastischer Eingriffe viel höher. Schätzungen zufolge unterzogen sich in den letzten paar Jahren jährlich 1 Million Deutsche einem plastischen Eingriff.

Fettabsaugungen, Ohrenkorrekturen, Entfernung von Tränensäcken und Schlupflidern, Haartransplantationen, Schweißdrüsenabsaugungen, Nasenkorrekturen, Oberschenkel-, Gesäß- und Bauchdeckenstraffung sowie Brust-Operationen stehen ganz oben auf der Wunschliste. Nach Aussagen der Vereinigung Deutscher Ästhetisch-Plastischer Chirurgen bleibt die Tendenz weiter steigend: die jährliche Wachstumsrate beträgt zehn bis fünfzehn Prozent.

Schönheitswahn in jedem Alter

Während die Zahl der Eingriffe derzeit bei 400.000 pro Jahr liegt und weiter steigt, verteilt sich die Altersgrenze von Operationswilligen immer weiter nach unten und nach oben.  In Deutschland legen sich schon unter 30-Jährige zum Face-Lifting auf den OP-Tisch – Risiken und Nebenwirkungen eingeschlossen. Fast ein Drittel aller deutschen "Schönheits-Patientinnen" sind unter 30 Jahre alt. So wurden 1,3 Prozent der registrierten plastischen Operationen im Jahr 2011 an Jugendlichen durchgeführt.

Aus den USA kommen derzeit verstärkt Meldungen über Schönheitseingriffe bei Kindern und Jugendlichen. Danach haben sich allein 2012 rund 16.000 Teenager Botulinum-Toxin spritzen lassen, hauptsächlich um vorübergehend die Schweißdrüsen in den Achselhöhlen stillzulegen. Knapp 70.000 Haarentfernungen per Laser und fast ebenso vielen chemischen Hautpeelings 2012 machen der Mehrheit der amerikanischen Ärzte zu schaffen. Sie fordern stärkere gesetzliche Regelungen zur Überwachung der Schönheitschirurgie in den USA.

Neue Zielgruppen

Eine repräsentative Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie e.V. (DGÄPC) zeigt, dass im Jahr 2013 der Anteil der Patienten im Alter zwischen 31 und 50 Jahre etwa 45 Prozent beträgt. Der Anteil der über 50-Jährigen machte 2013 etwa ein Viertel der Patienten in der Plastischen Chirurgie aus. Dies ist ein beträchtlicher Anstieg im Vergleich zu den Jahren davor.

Die Beliebtheit, sich im Alter einer Schönheit-Operation zu unterziehen, wächst im Moment stetig. Auch Männer unterziehen sich immer häufiger einem plastischen Eingriff. Lag der Anteil männlicher Patienten 2008 noch bei zehn Prozent, liegt er im Jahr 2013 bei 17 Prozent. 

Check-Liste für Eltern und Schüler

Die DGÄPC hat sich den Schönheitsproblemen von Schülern hierzulande angenommen und für Eltern und Kinder jeweils ein Merkblatt zum Thema "Schönheitsoperationen" herausgegeben. Unter der Überschrift "Gehirn einschalten" wird den Schülern auf der Body-Check-Liste ans Herz gelegt, sich mit sich selbst mehr anzufreunden und Frieden zu schließen.

Aber auch bleibt hier kein guter Rat ohne Ausnahme: Wenn aus dem Unwohlsein mit dem eigenen Aussehen ein handfestes psychologisches Problem zu werden droht, dann sollten Eltern und Schüler Hilfe suchen. Dazu empfehlen die Ästhetisch-Plastischen Chirurgen den Dialog mit Hausarzt, dem Lehrer oder dem Schulpsychologen zur Vermittlung kompetenter Gesprächspartner.

Operateur gesucht, Kompetenz gefunden?

Wer sich nach reiflicher Überlegung und Abwägung aller Alternativen und Risiken zu einer Schönheitsoperation entschieden hat, der muss sich einen Operateur suchen. Namen und Adressen lassen zwar massenhaft finden, über die Qualität der Operateure findet man jedoch oft nur schwer Informationen.

Hinzu kommt, dass als Folge der Änderungen im Gesundheitswesen immer mehr Ärzte aller Fachrichtungen Falten auffüllen, Botulinum-Injektionen geben und Bauchstraffungen durchführen. Frauenärzte dürfen ebenso wie Allgemeinchirurgen und Hautärzte ohne weitere Zusatzqualifikation als plastische Chirurgen arbeiten.

"Schönheitschirurg" ist zwar ein griffiger Name, aber keine offizielle Berufsbezeichnung und sagt nichts über die Qualifikation des Betreffenden aus. Ein Zustand, den die verschiedenen Fachgesellschaften mit ihren Forderungen nach Zertifizierung und verbesserten Sicherheits- sowie Qualitätskontrollen ändern wollen.

Vier Fachgesellschaften für Plastische Chirurgie

In Deutschland gibt es vier Fachgesellschaften, die sich mit jeweils etwas unterschiedlichen Schwerpunkten der Plastischen Chirurgie widmen.

  • DGPW: Deutsche Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie mit einem Schwerpunkt in rekonstruktiven Maßnahmen. Mitglieder deutsche und internationale sind Chirurgen, Dermatologen, Unfallchirurgen, Thoraxchirurgen und Gesichtschirurgen sowie Augenärzte, Handchirurgen und Pathologen.
  • DGPRÄC: Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, in der ausschließlich Fachärzte für Plastische (und Ästhetische) Chirurgie Mitglieder sind, die sich auf die vier Aufgabengebiete Rekonstruktion, Verbrennung, Hand und Ästhetik konzentrieren.
  • DGÄPC: Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie. Nach der Satzung können nur Fachärzte für Plastische Chirurgie Mitglieder werden.
  • VDÄPC: Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen. Die derzeit knapp 100 Mitglieder sind alle plastische Chirurgen.

Die Bezeichnung "Plastischer Chirurg" oder "Facharzt für Plastische Chirurgie" ist gesetzlich geschützt und setzt eine mehrjährige Ausbildung in diesem Bereich voraus.

Der Vorher-Nachher-Vergleich

Woran erkenne ich einen "guten" plastischen Chirurgen? Unter den vielen Facetten der Schönheitsoperationen ist die Frage nach dem geeigneten Chirurgen sicher die spannendste.
Die folgenden Punkte sollte man bei der Auswahl beachten:

  • Welche Facharztausbildung hat der Chirurg?
  • Ist er Mitglied einer Deutschen Fachgesellschaft?
  • Wie oft hat er den Eingriff schon durchgeführt?
  • Gibt es "Vorher-Nachher"-Aufnahmen, die den Erfolg des Eingriffs belegen?
  • Sind Folgeoperationen bereits jetzt absehbar?
  • Welche Risiken gibt es?
  • Wie lange hält der Erfolg des Eingriffs im Allgemeinen an?
  • Erfolgt der Eingriff ambulant oder stationär?
  • Wie erfolgt die Nachbehandlung?
  • Wie lange sollte die Heilung dauern?
  • Worauf muss ich vorher und hinterher besonders achten?
  • Wie detailliert ist der Kostenvoranschlag?

Aktualisiert: 20.12.2013 – Autor: Susanne Köhler

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