Polio: Warum Spritzimpfung statt Schluckimpfung?

Polio-Impfung mit Spritze © istockphoto, surabky

Die Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) hat es sich zum Ziel gesetzt, die Kinderlähmung (Polio) auszurotten. Dieses Ziel ist erreichbar, da die Übertragung der Poliomyelitis-Viren ausschließlich von Mensch zu Mensch erfolgt und wirksame Impfstoffe zur Verfügung stehen. Ausgedehnte Impfkampagnen in den Entwicklungsländern, in denen die Erkrankung noch auftritt und die Aufrechterhaltung angemessener Durchimpfungsraten in den Industrieländern sollen helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Europa noch immer nicht vollständig poliofrei

Nachdem die letzte von der WHO in Europa registrierte Erkrankung 1998 bei einem 33 Monate alten Kind in der Türkei aufgetreten war, wurde Europa im Juni 2002 zur poliofreien Zone erklärt. Als im September 2015 jedoch zwei erneute Fälle im Südwesten der Ukraine gemeldet wurden, wurde dies als enormer Rückschlag gewertet. 

Die Impfung bleibt darum weiterhin sehr wichtig, da auch im außereuropäischen Ausland die Kinderlähmung immer noch beziehungsweise wieder auftritt. Die Erkrankung kann aber auch durch infizierte Touristen oder Emigranten eingeschleppt werden.

Übertragung von Polio

Die Kinderlähmung ist eine akute, übertragbare Infektionskrankheit. Etwa eine Woche nach Beginn der Infektion wird das Virus mit dem Nasen-Rachen-Sekret ausgeschieden, anschließend erfolgt – für weitere drei bis sechs Wochen – die Virusausscheidung im Stuhl. In diesem Zeitraum kann die Krankheit auf einen anderen Menschen übertragen werden.

Die Impfstoffe gegen Polio

Damit Kinderlähmung in Deutschland nicht wieder Einzug hält, sollte jeder Erwachsene über einen ausreichenden Impfschutz verfügen. Gegen den Erreger der Kinderlähmung existieren zwei Impfstoffe: Die Schluckimpfung und die Injektionsimpfung.

  • Poliovirus-Lebend-Vakzine nach SABIN (OPV), die sogenannte Schluckimpfung. Die Schluckimpfung wird durch den Mund aufgenommen und deshalb als orale Impfung bezeichnet. Bei der Schluckimpfung wird ein abgeschwächter, aber vermehrungsfähiger Lebendimpfstoff verabreicht. Diese lösen eine Darminfektion mit den abgeschwächten Viren aus. Auf diese Weise können Geimpfte auch andere Personen mit den Impfviren anstecken. Zudem können bei einem Lebendimpfstoff verstärkter Nebenwirkungen auftreten.
  • Die inaktive Poliovirus-Vakzine nach SALK (IPV), die unter die Haut oder in den Muskel gespritzt wird. Bei der Impfung per Injektion handelt es sich um einen Totimpfstoff. Der Impfstoff ist sehr sicher und es kommt zu so gut wie keinen Nebenwirkungen – die verabreichten Viren sind eben nicht vermehrungsfähig.

Seit Januar 1998 empfiehlt die "Ständige Impfkommission" die Polio-Impfung aus den oben genannten Gründen nur noch per Injektion mit dem Totimpfstoff (IPV) nach SALK®.

Aktualisiert: 25.01.2017

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