HCG-Diät: Abnehmen durch Hormon-Spritzen?

Frau erhält HCG-Spritze für HCG-Diät © Getty Images/RossHelen

Die HCG-Diät ist einer von vielen Abnehm-Trends, der aus Hollywood stammt. Die Diät wurde schon in den 1950er-Jahren durch den Arzt Albert Simeons entwickelt und erlebte bereits mehrfach ein Comeback. Sie erfreut sich besonders unter schauspielenden Müttern großer Beliebtheit – schließlich können diese dank einem HCG-Diätplan angeblich bereits wenige Wochen nach der Entbindung wieder mit Topmodelmaßen vor der Kamera stehen. Aber auch Männern verspricht die HCG-Diät ein schnelles, einfaches Abnehmen ohne Nebenwirkungen und Jo-Jo-Effekt. Dieser propagierte Erfolg hat auch seinen Preis: Die Kosten einer HCG-Diät variieren stark, jedoch sollte man von Billigangeboten im Internet absehen. Neben den monetären Auswirkungen sind aber auch mögliche gesundheitliche Nebenwirkungen zu beachten, denn die Diät ist stark umstritten.

HCG-Diät: Abnehmen durch Hormone

Das Prinzip der HCG-Diät ist einfach und ähnelt auf dem ersten Blick vielen herkömmlichen Diäten. Neben einer extremen Kalorienreduktion stehen fettarme Ernährung, viel Trinken und Sport im Vordergrund. Damit hört sich die HCG-Diät genauso mühsam an wie andere Fastenkuren auch.

Zum HCG-Diätplan gehört aber ein entscheidender Unterschied: Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wird dem Körper das Schwangerschaftshormon Humanes Chloriongonadotropin (HCG) unter die Haut gespritzt. Dieses Hormon wird während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet und soll die Schwangerschaft erhalten, indem es dafür sorgt, dass der Körper während der Schwangerschaft in Notzeiten, also bei Unterernährung, seine Fettreserven angreift. Dadurch soll die ausreichende Versorgung von Mutter und Kind gewährleistet werden.

Angeblich wirkt die HCG-Diät gezielt gegen Fettpolster an Hüften, Beinen und Armen. Arztpraxen und Kliniken, die in verschiedenen Ländern die HCG-Diät anbieten, preisen zudem noch andere positive Effekte an, für die das Hormon in der Schwangerschaft sorgt: Dazu gehören eine stimmungsaufhellende Wirkung sowie die Verbesserung des Hautbildes und der Elastizität, was somit zur Straffung der betroffenen Partien führen und gegen Cellulitis helfen soll.

HCG-Diätplan: Wie funktioniert's?

Der HCG-Diätplan basiert vornehmlich auf geringer Kalorienaufnahme. Nur 500 Kilokalorien täglich darf man zu sich nehmen – je nach Anbieter kann die Grenze auch bei 800 Kilokalorien liegen. Dies wird kombiniert mit mindestens zwei Litern Wasser – sonst erziele die HCG-Diät nicht ihren gewünschten Erfolg, heißt es. Die angepriesenen Ergebnisse können sich sehen lassen: Zwischen sieben und 15 Kilo weniger soll die Waage nach spätestens acht Wochen anzeigen.

Hinzu kommen die regelmäßigen Hormon-Injektionen (mitunter werden stattdessen auch Tropfen, Sprays oder Tabletten eingesetzt). Dadurch soll verhindert werden, dass der Blutzuckerspiegel sinkt, was sonst bei einer derart geringen Kalorienzufuhr der Fall wäre. Die Gewichtsreduktion erfolgt durch die verminderte Nahrungsaufnahme, während das Hormon lediglich den Hunger unterdrücken soll. So sollen Heißhungerattacken, Abgeschlagenheit und depressive Verstimmungen ausbleiben.

Angeblich sollen auch schwer körperlich arbeitende Menschen noch voll einsatzfähig sein. Sport wird begleitend zur HCG-Diät empfohlen.

Einen allgemeingültigen HCG-Diätplan gibt es nicht – manche Anbieter arbeiten für die Abnehmwilligen einen individuellen HCG-Diätplan aus, andere empfehlen HCG-Diät-Rezepte, wieder andere erlauben, alles zu essen, was schmeckt – solange die 500 Kalorien pro Tag nicht überschritten werden.

Die Phasen der HCG-Diät

Meist sieht der Diätplan der HCG-Diät folgendermaßen aus:

  1. Schlemmertage (Vorbereitungsphase): In diesen beiden Tagen darf alles gegessen werden, was schmeckt. Dabei darf man nochmal so richtig zulangen. So soll der Stoffwechsel angekurbelt werden.
  2. Diätphase: In diesen drei Wochen sind maximal 500 Kalorien täglich erlaubt. Dabei verzichtet man entsprechend dem jeweiligen Ernährungsplan meist auf Kohlenhydrate, Fett, Zucker und Alkohol.
  3. Stabilisierungsphase: Auch diese Phase dauert 21 Tage lang und dient dazu, das neue Körpergewicht zu halten. Dabei wird die Kalorienzufuhr wieder erhöht und es sind mehr Lebensmittel erlaubt.
  4. Erhaltungsphase: Nach der eigentlichen Diät steht der langfristige Erhalt des Gewichts im Fokus. Hierbei geht es darum, sich langfristig gesund und kalorienarm zu ernähren.

Rezepte: Was steht auf dem Ernährungsplan?

Im Allgemeinen wird die Empfehlung herausgegeben, während der HCG-Diät auf Zucker, Süßigkeiten und fettes Essen zu verzichten. Zumindest nach Beendigung der HCG-Diät müssen diese Nahrungsmittel sowieso vom Speiseplan gestrichen werden. Zu den empfohlenen Lebensmitteln gehören mageres Fleisch und Fisch (maximal 100 Gramm pro Mahlzeit) und Obst und Gemüse. Generell stehen vor allem eiweißreiche Lebensmittel auf dem Speiseplan.

Wichtig ist, dass die HCG-Diät-Rezepte möglichst viel Abwechslung sowie Nährstoffe und Mineralien bieten. Mitunter werden auch Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, um eine Mangelversorgung zu vermeiden. Die Rezepte dürfen zudem nicht mit Butter oder Ölen zubereitet werden. Nach der HCG-Diät wird die ersten drei Wochen weiterhin weitgehend von einer kohlenhydrat- und fetthaltigen Ernährung Abstand genommen.

Eine Rückkehr zur normalen Kalorienzufuhr erfolgt allmählich, wobei die Ernährung umgestellt wird, um einen dauerhaften Erfolg zu garantieren.

Kosten: Wie viel kostet die HCG-Diät?

Bei der HCG-Diät sollen täglich HCG-Injektionen erfolgen oder HCG-Tropfen eingenommen werden. Viele Ärzte führen zum Abschluss einer HCG-Diät zudem einen Hormontest und eine Ernährungsberatung durch. Das erklärt schließlich die Preise von mehreren hundert oder tausend Euro, die Kuren mit HCG kosten können.

HCG-Diät: Nebenwirkungen und Kritik

Der HCG-Diätplan und das Abnehmen mittels Hormonen sind sehr umstritten. Die HCG-Diät lockt mit Abnehmerfolgen an den genetisch bedingten Problemzonen, wo weder andere Diäten noch Sport greifen. Anbieter versichern, dass bei der HCG-Diät Nebenwirkungen ausgeschlossen sind und führen als "Beweis" an, dass seit Entwicklung dieser Diät in den 50-er Jahren keine Nebenwirkungen oder Langzeitfolgen aufgetreten seien. Zwar behaupten Befürworter, dass sich durch die Diät das Brustkrebsrisiko verringere, doch weisen andere Stimmen auf eine möglicherweise erhöhte Gefahr der Bildung von Tumoren und andere Nebenwirkungen hin.

Die extreme Unterernährung (500 Kalorien täglich entsprechen in etwa einem Drittel des Normalbedarfs von Frauen und einem Viertel jenes von Männern) ist nicht ungefährlich. Mögliche Nebenwirkungen können ein Mangel an Nährstoffen und Mineralien sein. Durch die geringe Nahrungszufuhr werden zu Beginn der HCG-Diät bisweilen Kopfschmerzen zu den Nebenwirkungen gezählt. Als Folge der Mangelernährung kann auch es zu Nierenproblemen sowie zu Herzrhythmus- oder Stoffwechselstörungen kommen. Zudem begünstigen solche radikalen Diäten den Jo-Jo-Effekt, also die schnelle Gewichtszunahme nach Ende der Diät.

Weitere mögliche Nebenwirkungen von HCG umfassen unter anderem:

  • ein erhöhtes Thrombose-Risiko
  • Störungen der Regelblutung
  • eine verminderte Wirkung der Anti-Baby-Pille
  • Unruhe und Reizbarkeit
  • Müdigkeit und Depressionen
  • Ödeme und Zysten
  • Schmerzen an der Einstichstelle der Spritze

Wissenschaftliche Beweise fehlen

Die Wirkung der HCG-Diät wurde in mehreren wissenschaftlichen Studien untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es wurde keine Wirksamkeit des HCG in Bezug auf die Gewichtsabnahme bestätigt. Positive Erfahrungen und Abnehmerfolge mit der Diät seien ausschließlich auf die radikal reduzierte Kalorienzufuhr zurückzuführen. Auch konnten die Studien keinen positiven Effekt auf das Hungergefühl oder sonstige Vorteile feststellen.

HCG ist zur Gewichtsreduktion nicht zugelassen und seine Verwendung als Schlankheitsmittel ist somit illegal. Experten raten dringend von der Durchführung einer HCG-Diät ab. Keinesfalls sollte man eine HCG-Diät selbst durchführen und entsprechende Präparate im Internet bestellen.

Stoffwechselkur als Weiterentwicklung der HCG-Diät

Eine Weiterentwicklung der HCG-Diät ist die sogenannte 21-Tage-Stoffwechselkur. Bei dieser wird HCG nicht gespritzt, sondern in Form von Globuli oder Tropfen eingenommen. Auch hier wird die Kalorienzufuhr radikal auf 500 Kilokalorien täglich beschränkt.

Befürworter der Diät argumentieren, dass durch die homöopathische Anwendung des HCG dessen Nebenwirkungen ausbleiben. Allerdings steht die Stoffwechselkur genauso in der Kritik wie die HCG-Diät, denn ihre Wirkung ist genauso wenig erwiesen, während die Nebenwirkungen infolge der radikalen Kalorienreduktion hier genauso auftreten können wie bei der HCG-Diät.

Aktualisiert: 03.02.2021 - Autoren: Daniela Heinisch, Medizinautorin | Silke Hamann, Medizinredakteurin

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