Algen: Bunte Gesundheit aus dem Wasser

Algen-Salat © istockphoto, Amarita

Braunalgen, Rotalgen, Grünalgen, Blaualgen, Blaugrünalgen viele Algen in schillernden Farben wachsen rund um den Globus in Neptuns Garten. Und obwohl dieses Gemüsebeet unter dem Meeresspiegel liegt, fährt der Mensch auch hier die bunte Ernte ein. Wer Sushi oder andere asiatische Gerichte mag, hat sicher schon einmal ein Algenblatt auf dem Löffel oder, etwas authentischer, zwischen den Stäbchen gehalten.

Algen als Nahrungsergänzungsmittel?

Die Inhaltsstoffe einiger Algen, so genannter Mikroalgen, werden auch in Tabletten oder Pulvern als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Jedoch sollte das bunte "Meereslaub" mit Bedacht verwendet werden: Aufgrund ihres außergewöhnlich hohen Jodgehaltes haben manche auf dem Teller landenden Algen einen negativen Einfluss auf die Schilddrüse.

Auch die Frage, worauf man achten sollte, wenn man seine Nahrung mit Tabletten oder Pulvern aus Algen ergänzen will, soll hier im weiteren Artikel beantwortet werden.

Algen – was für Pflanzen sind das?

Bei den genannten Algen werden zwei Gruppen unterschieden: Die sogenannten Makroalgen sind das, was man sich klassischerweise unter Meeresalgen vorstellt, also regelrechte Unterwasser-Pflanzen. Hierzu gehören die Braun-, Rot- und Grünalgen, die sich in vielen asiatischen Gerichten wiederfinden.

Hingegen handelt es sich bei den Blaualgen, die auch Blaugrünalgen genannt werden, eigentlich gar nicht um Algen, sondern um eine spezielle Bakterienart. Diese Cyanobakterien haben die Besonderheit, dass sie wie Pflanzen mit Hilfe von Chlorophyll Energie gewinnen können. Das Chlorophyll gibt ihnen ihre grünblaue Farbe.

Blaualgen hat praktisch jeder schon einmal gesehen, da sie sich gerne in ruhigen Gewässern bilden, die dem Licht ausgesetzt sind. Aquarienbesitzer wissen ein Lied zu singen von den Eindringlingen, die sich an den Glaswänden festzusetzen pflegen und so den Blick auf die heimische Unterwasserwelt grünlich trüben.

Blaualgen können gesundheitsschädlich sein

Die Cyanobakterien können Giftstoffe bilden, die in hoher Konzentration einen gefährdenden Einfluss auf die Gesundheit haben können. Bilden die Blaualgen massenhaft Algenblüten, kann zum Beispiel in Badeseen ein Gesundheitsrisiko auftreten. Beim Kontakt mit Blaualgen oder nach Verschlucken von mit den Giften versetztem Wasser können folgende Symptome auftreten:

  • Haut- und Schleimhautreizungen
  • Bindehautentzündungen
  • Ohrenschmerzen
  • Durchfall
  • Fieber
  • Atemwegserkrankungen
  • allergische Reaktionen

Besonders für Kleinkinder ist das Verschlucken größerer Mengen gefährlich.

Wenn sich Europäer wie Asiaten ernähren

Bei den Japanern landen traditionell große Mengen Algen im Küchentopf, da das Fehlen großer landwirtschaftlicher Anbauflächen und die direkte Verfügbarkeit der Algen an den langen Küstenlinien der japanischen Inseln schon seit Jahrhunderten zur Verwendung des Meeresgemüses einluden.

So gesund die ballaststoffreiche und fettarme asiatische Küche auch ist, der Jodgehalt mancher ihrer Algen übertrifft bei weitem alles, was die Zutaten der europäischen Küche zu bieten haben. Die Braunalgensorte Kombu etwa hat es in sich: Sie kann erstaunliche Mengen Jod speichern. Die Jodkonzentration in Kombublättern ist 40.000 mal so hoch wie im normalen Meereswasser, und bereits ein zwanzigstel Gramm der getrockneten Blätter reicht aus, um die tägliche Jodzufuhr eines Menschen zu decken.

Eine übermäßige Jodzufuhr als Gefahr für die Schilddrüse

Eine plötzliche, übermäßige Zufuhr des Minerals kann unerwünschte Folgen haben: Es können sogenannte "funktionelle Autonomien" in der Schilddrüse aktiviert werden.

Dabei handelt es sich um Knoten (autonome Adenome), die sich besonders bei längerer mangelhafter Jodzufuhr bilden. Werden diese nach Jod "dürstenden" Bereiche der Schilddrüse plötzlich mit einem Überangebot von Jod versorgt, fangen sie an, Schilddrüsenhormone außer Rand und Band herzustellen: Eine akute Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann die Folge sein.

Japaner sind (fast) resistent

Da die Japaner und andere Asiaten sich durch ihren hohen Algenkonsum zeitlebens viel Jod zuführen, finden sich bei Schilddrüsenuntersuchungen der Bevölkerung praktisch keine autonomen Knoten, und daher gibt es auch keine Probleme beim Algenverzehr.

Doch selbst für die joderprobten Asiaten kann es manchmal zu viel des Guten werden: In einigen Bereichen der japanischen Küste finden sich erstaunlich viele Menschen mit einem Kropf, wie sie auch in den jodarmen Alpenländern vermehrt anzutreffen sind.

Der Kropf, eine Vergrößerung der Schilddrüse, ist eigentlich eine Jodmangelerscheinung, sie kann aber auch durch eine ganz extrem hohe Jodzufuhr ausgelöst werden. In diesem Fall wird das System, das für die Aufnahme des Jods in die Schilddrüse zuständig ist, durch die Jodschwemme derart irritiert, dass es die Aufnahme kurzerhand einstellt.

Dies führt zu einem Jodmangel in der Schilddrüse trotz des Jodüberangebotes im Blut. Dieser, auch als Wolf f-Chaikoff-Block bekannte Effekt, kann ebenfalls das ungeborene Kind einer Schwangeren betreffen, weshalb diese (außer auf eine ausreichende) auch auf eine nicht zu hohe Zufuhr des Elementes achten sollte.

Algen essen: Darauf kann man achten

Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass nur ein Teil der asiatischen Algen so extrem jodhaltig ist. Vor allem sind dies die Braunalgen Kombu und Wakame. Kombu wird meist in Wasser ausgekocht, und die entstehende Brühe ist Grundlage der meisten japanischen Suppen. Die festen grünen Blätter der Wakame werden als Einlage in Suppen sowie für Salate verwendet. Nori hingegen dient als "Wickelumhüllung" von Maki-Sushi. Wer jedoch keine allzu wilden Mengen des Sushis verzehrt, muss sich hier keine Gedanken machen, da Nori keine extremen Jodgehalte aufzuweisen scheint.

Der Jodgehalt der Algen schwankt nicht nur von Sorte zu Sorte, sondern kann auch je nach Erntezeit und Wachstumsort sehr verschieden sein. Außerdem verlieren die Algen bei der Zubereitung bis zu 87 Prozent des Jodgehaltes. Da aber die empfohlene Jodmenge im Trockengewicht der Algen teilweise noch das 20- bis 195-fache des Grenzwertes beträgt, darf das Problem dennoch nicht verharmlost werden.

Vorsicht vor zu viel Jod

Nach dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schwankt der Jodgehalt in getrockneten Algen extrem und liegt zwischen fünf und 11.000 Mikrogramm pro Gramm. Das BfR empfiehlt jedoch als Höchstmenge nur 0,5 Milligramm am Tag.

In einer Stellungnahme von 2007 macht das BfR darauf aufmerksam, dass bei hohen Jodgehalten bereits der Verzehr von zehn Gramm Algen zu einer übermäßigen Aufnahme von Jod führt. Allerdings fehlen auf Produkten oft Angaben zur enthaltenen Algenmenge oder zum Jodgehalt.

Mikroalgen: Allheilmittel und Nahrungsgrundlage der Zukunft?

Wird von Mikroalgen gesprochen, sind vornehmlich die Arten Aphanizomenon flos-aquae (auch "AFA-Alge" genannt), Chlorella und Spirulina gemeint. Ihnen gemein ist, dass sich viele Mythen um die oft als "Uralgen" bezeichneten Einzeller ranken. Sie werden aufgrund ihres Proteinreichtums und der Tatsache, dass sie zur Kultivierung kein Ackerland benötigen und wie Pflanzen durch Photosynthese ihren Bedarf an biologischen Bausteinen selbst herstellen, von vielen als Lösung des Ernährungsproblems einer stetig wachsenden Weltbevölkerung betrachtet. Obwohl diese Idee nicht ganz neu ist, haben bisherige Bemühungen keinen Erfolg bei der Großkultivierung von Algen gebracht.

Die genannten Mikroalgen, allen voran die AFA-Alge, dienen auch als Grundlage zahlloser Tabletten und Pulver, die als Nahrungsergängzungsmittel verkauft werden. Den "Uralgen" wird oftmals, mehr oder weniger explizit, eine Wirksamkeit bei zahlreichen Erkrankungen, bis hin zu Krebs und Aids, unterstellt. Solche Behauptungen konnten bislang jedoch nicht bewiesen werden.

Sind Algenprodukte Arzneimittel?

Jedes Produkt, von welchem behauptet wird, es könne Krankheiten heilen, lindern oder vorbeugen, gilt gesetzlich als Arzneimittel. Diese brauchen jedoch eine staatliche Zulassung, die den Nachweis erfordert, dass das Mittel tatsächlich den gewünschten Effekt erbringt und keine schädlichen Wirkungen hat. Da zur Zeit kein Algenprodukt in der Bundesrepublik als Arzneimittel zugelassen ist, darf auch von keinem dieser Produkte behauptet werden, es hätte arzneiliche Wirkung. Es ist also in jedem Fall anzuraten, einen Arzt aufzusuchen, anstatt sich oder andere mit einem Algenprodukt kurieren zu wollen.

Toxische Stoffe in Algen

Das Thema erhält zusätzliche Brisanz dadurch, dass in vielen AFA-Produkten der giftige Stoff Microcystin enthalten ist. Microcystine kommen in vielen Cyanobakterien-Arten vor und sind oft in Fertigprodukten beinhaltet, die aus Blaualgen hergestellt werden und als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt erhältlich sind.

Microcystin wirkt leberschädigend und gilt als Tumorpromotor – der Stoff selbst ist also nicht krebserregend, steigert aber die Wahrscheinlichkeit krebserregender Stoffe. In einer amerikanischen Studie enthielten alle der untersuchten AFA-Produkte diese Microcystine, teils wurden dabei die laut der WHO tolerierbare Höchstkonzentrationen überschritten. Aus diesem Grund wird davon abgeraten, Kindern AFA-Algenprodukte zu verabreichen, und für Erwachsene eine Reduzierung der Dosis bei der Einnahme empfohlen.

Aktualisiert: 08.12.2017

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