70 plus - (Gesunde) Ernährung im hohen Alter

Mann über 70 bereitet Essen zu © rawpixel

Im höheren Alter treten bei vielen Menschen gravierende Veränderungen der Lebensumstände auf. Zahlreiche ältere Personen leiden unter den zunehmenden Leistungseinschränkungen. Was früher leicht von der Hand ging, kann plötzlich nur noch unter großer Anstrengung erledigt werden. Um dennoch bei Kräften und möglichst lange unabhängig und eigenständig zu bleiben, ist eine gesunde Ernährung von großer Bedeutung.

Vorsicht bei Gewichtsabnahme

Während im mittleren Lebensalter Übergewicht ein sehr häufiges Problem ist, sind im hohen Lebensalter eher Untergewicht und Mangelernährung zu beobachten. Mit zunehmendem Lebensalter und durch verschiedene Erkrankungen treten immer häufiger Probleme mit dem Essen oder beim Essen auf.

Ist die Ernährung zu einseitig oder liegt die Energiezufuhr unter 1500 kcal pro Tag, ist meist nicht sichergestellt, dass alle Nährstoffe in ausreichender Menge aufgenommen werden. Die Folge ist, dass zu wenig lebensnotwendige Nährstoffe wie Eiweiße, Vitamine und Mineralstoffe aufgenommen werden. Der Körper muss von den Reserven zehren und das Gewicht nimmt ab. Treten Krankheiten auf, hat der Organismus diesen wenig entgegen zu setzen.

Da es gerade im Alter sehr schwierig ist, einen Verlust an Gewicht wieder aufzuholen, sollte frühzeitig gegengesteuert werden. Sollten Sie innerhalb weniger Wochen an Gewicht verlieren, sich ständig schwach, müde und antriebslos fühlen, ist dies sehr ernst zu nehmen. Besprechen Sie dieses Problem unbedingt mit Ihrem Hausarzt.

Auf richtige Auswahl und Zubereitung kommt es an

Hochbetagte Menschen brauchen zwar insgesamt weniger Energie, der Bedarf an lebensnotwendigen Nährstoffen bleibt aber bestehen, manche Nährstoffe werden sogar in höherer Menge benötigt. Die richtige Auswahl der Lebensmittel ist deshalb in diesem Alter besonders wichtig. Es sollten bevorzugt Speisen auf den Tisch kommen, die eine große Nährstoffdichte haben. Dazu gehören:

  • Gemüse, Obst,
  • Vollkorngetreideprodukte,
  • Milchprodukte, fettarmes Fleisch,
  • Fisch, Geflügel, Eier,
  • Hülsenfrüchte und
  • Pflanzenöle.

Aber auch die Zubereitung und Darbietung der Speisen sollte nicht vernachlässigt werden. Denn im Alter können beim Essen zunehmend Schwierigkeiten auftreten wie beispielsweise durch Probleme beim Kauen und Schlucken oder Appetitlosigkeit.

Wenn das Essen nicht mehr schmeckt wie früher

Menschen im höheren Alter klagen häufiger über Appetitlosigkeit. Dafür gibt es vielfältige Ursachen. Die Wahrnehmung des Geschmacks nimmt im Alter deutlich ab, da sich die Anzahl der Geschmacksknospen reduziert. Insbesondere die Geschmacksqualitäten süß und salzig sind davon betroffen. Auch der Geruchssinn lässt nach. Die Geruchswahrnehmungsgrenze ist bei einem alten Menschen bis zu 12mal höher als bei jungen Erwachsenen.

Da der Geschmack und der Geruch von Speisen maßgeblich für den Genuss des Essens verantwortlich sind, wirken sich diese Einschränkungen deutlich auf den Appetit aus. Versuchen Sie bei der Speisenzubereitung Ihren Geschmacks- und Geruchssinn anzuregen.

  • Würzen Sie die Speisen kräftig.
  • Greifen Sie dabei nicht nur zum Salzstreuer, sondern verwenden Sie frische Kräuter, Curry, Knoblauch, Muskat, etc. Der intensive Duft der Gewürze regt zusätzlich den Appetit an.
  • Richten Sie die Speisen appetitlich an, denn auch das Auge isst mit.
  • Beachten Sie, dass manche Medikamente den Appetit beeinträchtigen können. Besprechen Sie dieses Thema mit Ihrem Arzt. Oft kann sich alleine der Einnahmezeitpunkt des Medikamentes günstig auswirken.

Wenn die Portionen kleiner werden

Durch eine erhöhte Aktivität von Sättigungsfaktoren im Magen-Darm-Trakt und Veränderungen des hormonell gesteuerten zentralen Sättigungssystems kommt es bei Senioren zu einer frühzeitigen Sättigung und vermindertem Essantrieb. Pro Mahlzeit können nur noch kleine Portionen verzehrt werden.

  • Essen Sie mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag, damit Sie alle Nährstoffe in ausreichender Menge zu sich nehmen. Fangen Sie mit einem Frühstück direkt nach dem Aufstehen an und beenden Sie den Tag mit einem Betthupferl. Nehmen Sie zumindest eine warme Mahlzeit pro Tag zu sich.
  • Stellen Sie sich für zwischendurch kleine Häppchen bereit, z. B. ein appetitlich belegtes Brot, einen geschnittenen Apfel, einen Becher Joghurt oder ein Stück Obstkuchen.

Denken Sie auch an die Getränke. Denn nicht nur der Appetit wird geringer, auch das Durstempfinden lässt nach. Damit Sie das Trinken nicht vergessen, kann ein Trinkplan hilfreich sein.

Wenn Kauen und Schlucken beschwerlicher werden

Im hohen Alter nimmt die Kauleistung als Folge von Zahnverlust und schlecht sitzenden Zahnprothesen zunehmend ab. Viele Senioren leiden außerdem unter Schluckbeschwerden und Mundtrockenheit. Viele Lebensmittel, die sehr kauintensiv sind wie beispielsweise rohes Gemüse, rohes Obst, Vollkornbrot und Fleisch, werden dann gemieden. Der Speiseplan wird sehr eintönig und enthält überwiegend leicht schluckbare Speisen wie Reisbrei, Milchsuppen, Pudding und Kartoffelpüree.

  • Trinken Sie ausreichend, um die Speichelproduktion anzuregen.
  • Zerkleinern Sie schlecht zu kauende Lebensmittel: raspeln, reiben oder pürieren Sie frisches Obst und Gemüse, schneiden Sie Fleisch in kleine Stücke.
  • Entfernen Sie harte Lebensmittelbestandteile: schälen Sie Obst, schneiden Sie die Brotrinde ab, entfernen sie schlecht zu kauende Wursthaut.
  • Wählen Sie leicht zu kauende Brotsorten, die trotzdem einen hohen Vollkornanteil haben, z. B. Grahambrot, Vollkorntoast.
  • Ersetzen Sie harte Lebensmittel durch gleichwertige weichere: Fisch statt Fleisch, Rührei statt Spiegelei, Frischkäse statt Hartkäse, Kartoffeln statt Reis, Salz-/Pellkartoffeln oder Kartoffelpüree statt Bratkartoffeln.
  • Wählen Sie geeignete Zubereitungsmethoden aus: Bereiten Sie bevorzugt Hackfleischgerichte zu, dünsten Sie Obst und Gemüse, verwenden Sie feingemahlenes Vollkorngetreide für Aufläufe und Breie, bereiten Sie herzhafte Eintöpfe zu.

Probleme mit der Verdauung

Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit der Darmträgheit zu. So klagen bereits 40 Prozent der über 60-Jährigen über Stuhlprobleme und Verstopfung. Nach dem 75. Lebensjahr nimmt die Zahl der Betroffenen noch mal deutlich zu. Bei Frauen tritt eine Verstopfung dreimal häufiger auf als bei Männern. Eine tägliche Zufuhr von Ballaststoffen in Kombination mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr tragen zu einem guten Funktionieren des Verdauungssystems bei.

Hervorzuheben ist allerdings, dass weder eine ballaststoffarme Ernährung noch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme als Hauptursache für eine Verstopfung angesehen werden können. Beachten Sie außerdem, dass bei dem Auftreten einer akuten Verstopfung dringend der Arzt zur Abklärung der zugrunde liegenden Ursache aufgesucht werden sollte.

Wenn das Kochen keinen Spaß mehr macht

Nicht wenige erleiden den schmerzlichen Verlust des Lebenspartners. Für viele bedeutet dies eine einschneidende Veränderung im Leben. Trauer und Einsamkeit herrschen vor. Häufig fehlt der Antrieb für die alltäglichen Dinge. Das Essen wird oftmals zur reinen Nahrungsaufnahme, da die Gesellschaft fehlt. Eine vollständige Mittagsmahlzeit zu kochen wird als zu aufwändig für eine Person angesehen. So zieht oftmals eine große Eintönigkeit in den Speiseplan ein. Dauerhaft wird dadurch eine Mangelernährung gefördert.

  • Betrachten Sie das Essen und die Essenszubereitung auch weiterhin als einen wichtigen und genussvollen Teil Ihres Lebens.
  • Versuchen Sie oft wie möglich in Gesellschaft zu essen. Vielleicht geht es anderen älteren Menschen aus Ihrem Umfeld genauso wie Ihnen. Kochen Sie gemeinsam Ihre Lieblingsrezepte. Auch Einkaufen macht gemeinsam mehr Spaß.
  • Schaffen Sie eine angenehme Essatmosphäre mit einem schön gedeckten Tisch und Kerzenlicht, auch wenn Sie alleine essen.
 

Essen auf Rädern als Alternative

Wird die selbständige Essenszubereitung zu mühsam, stellt das "Essen auf Rädern" eine gute Alternative dar. Bevor Sie sich für einen Anbieter entscheiden sollten Sie sich jedoch genau über Angebot und Leistung der verschiedenen Menüdienste informieren. Denn hier gibt es durchaus Unterschiede sowohl im Preis als auch in der Qualität.

So wurde in einer Untersuchung der Stiftung Warentest festgestellt, dass bei einigen Anbietern Defizite in der Nährstoffzusammensetzung zu bemängeln waren. Der Test zeigte, dass der Fettanteil vieler Gerichte zu hoch und der Anteil an Kohlenhydraten und Ballaststoffen zu niedrig war. Auch der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen (besonders Kalzium, Magnesium und Folsäure) war nicht immer zufrieden stellend.

  • Lassen Sie sich deshalb vor Ihrer endgültigen Entscheidung ein Probemenü nach Hause bringen und prüfen Sie Geschmack und Aussehen.
  • Kontrollieren Sie, ob auf der Verpackung Nährwertangaben und Zutatenliste deklariert sind. Achten Sie darauf, ob Sie diese einfach finden und gut lesen können.
  • Überprüfen Sie die Verpackung und die Handhabung des Produktes. Die Verpackung sollte leicht zu öffnen sein und der Umgang mit dem Produkt (z. B. Erwärmen, Umfüllen, etc.) sollte einfach und leicht verständlich sein.
  • Verschaffen Sie sich einen ersten Eindruck zum Lieferservice (Pünktlichkeit, Freundlichkeit des Personals).
  • Fragen Sie nach einem Wochen- bzw. Monatsspeiseplan und erfragen Sie in welchem Rhythmus sich die Speisepläne wiederholen. Vergleichen Sie die Menüpläne der verschiedenen mobilen Dienste.
  • Erkundigen Sie sich nach dem Angebot der verschiedenen Kostformen wie Diabetikerkost, Pürierte Kost, vegetarische Speisen usw.
  • Prüfen Sie, ob täglich frisches Obst und Salate angeboten werden.
  • Vergleichen Sie Preise und Lieferbedingungen.

Seien Sie in der Auswahl des mobilen Menüdienstes durchaus kritisch. Umso mehr werden Sie sich über die tägliche Lieferung der Gerichte freuen und diese mit Genuss und Appetit essen.

Aktualisiert: 27.09.2018 – Autor: Dr. rer. med. Angela Jordan (Diplom-Oecotrophologin)

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