Ramadan und Ernährung

Muslimische Familie im Ramadan © Getty Images/Jasmin Merdan

Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Kalender. In dieser Zeit wird es als eine religiöse Pflicht für alle Muslim*innen angesehen, zu fasten. Doch Ramadan bedeutet nicht nur, ab dem Zeitpunkt der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen und Trinken zu verzichten. Auch die Einnahme von Medikamenten oder Geschlechtsverkehr ist nicht vorgesehen. Um negative Folgen für die Gesundheit im Ramadan zu vermeiden, ist es wichtig, auf seinen Körper zu hören und einige Aspekte und Tipps zu beachten.

Was ist der Ramadan?

Der Ramadan wird als Zeit der Enthaltsamkeit von gläubigen Muslim*innen gelebt. Damit steht auch eine intensive Beschäftigung mit Gebeten beziehungsweise das Lesen des Korans in Verbindung. Viele nutzen die Zeit, um sich auf Wesentliches im Leben zu besinnen und dem stressigen Alltag ein wenig zu entkommen.

Die Verpflichtung, auf Essen, Trinken sowie andere Genüsse, wie etwa Geschlechtsverkehr oder Rauchen, im Ramadan zu verzichten ist eine der fünf Säulen der islamischen Lebensweise. Zum Ramadan gehört jedoch auch das gemeinsame Fastenbrechen mit Familie und Freunden. Am Ende des Fastenmonats steht das Fest des Fastenbrechens, im europäischen Sprachraum häufig als "Zuckerfest" bekannt.

Wer fastet – und wer nicht?

Der Koran hält fest, dass alle erwachsenen Frauen und Männer sowie Kinder ab der Pubertät den Ramadan einzuhalten haben. Bestimmte Personengruppen sind aber vom Fasten im Ramadan ausgenommen.

Dazu gehören:

  • schwangere Frauen
  • stillende Mütter
  • Frauen während ihrer Periode
  • Reisende
  • kranke und/oder alte Menschen

Diese Personen können die Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nachholen. Ist das aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, können beispielsweise Spenden zum Ausgleich genutzt werden.

Gesundheitliche Folgen vermeiden

Doch durch den Verzicht von Nahrung können aber möglicherweise auch bei gesunden Menschen gesundheitliche Probleme entstehen. Unerwünschte Begleiterscheinungen im Ramadan, aber auch bei anderen Fastenformen, können etwa Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden oder Konzentrationsschwäche sein. Diese Beschwerden werden insbesondere durch den Mangel an Flüssigkeit ausgelöst, welcher auch bewirkt, dass die Schweißproduktion des Körpers reduziert wird – der Körper kann bei Hitze nicht mehr so gut gekühlt werden.

Um ein gesundheitliches Risiko so gering wie möglich zu halten, ist es im Ramadan sinnvoll, den Alltag – wenn möglich auch beruflich – der enthaltsamen Lebensweise anzupassen sowie auf eine ausgewogene Ernährung zu den erlaubten Speisezeiten zu achten.

Menschen mit Nierenerkrankungen oder einem erhöhten Thrombose-Risiko sollten sich vor Beginn des Fastens ärztlichen Rat holen. Auch Personen, die regelmäßig Medikamente nehmen müssen, sollten vor Beginn des Ramadan mit ihre*r Ärztin*Arzt sprechen. Eine geänderte Dosierung der Medikamente oder ein veränderter Einnahmezeitpunkt können hier angeraten sein.

Tipps für das Essen im Ramadan

Nach dem Untergang der Sonne wird das Fasten im Ramadan bis zum Aufgang der Sonne unterbrochen. Während dieser Zeit ist es üblich, dass sich die komplette Familie sowie Freunde treffen, um gemeinsam zu speisen. Durch den Verzicht von Nahrungsmitteln am Tag neigen viele Fastende dazu, während des Fastenbruchs so viele Nahrungsmittel wie möglich zu konsumieren.

Doch ist hier Vorsicht geboten: Wer am Abend zum Iftar, der Mahlzeit nach Sonnenuntergang, fettige, frittierte Nahrungsmittel oder auch starkgewürztes Essen zu sich nimmt, erhöht die Gefahr von eventuellen Magenschmerzen, Verdauungsproblemen oder Sodbrennen. Auch Schlafprobleme können mit dem vollen Magen einhergehen.

Aus diesem Grund kann es hilfreich sein, auf bestimmte Nahrungsmittel im Ramadan zu verzichten. Um dem Körper trotz Fasten die notwendige Energie zu geben, die er benötigt, kann es hilfreich sein, gezielt Nahrungsmittel für das Fastenbrechen auszusuchen.

Suhoor und Iftar: Essen im Ramadan

Für Suhoor, die Mahlzeit vor der Morgendämmerung werden insbesondere langkettige Kohlenhydrate und Ballaststoffe empfohlen. Beides sorgt für ein langanhaltendes Sättigungsgefühl. Für Iftar, die Mahlzeit nach Sonnenuntergang, sind raffinierte Kohlenhydrate sowie (in moderaten Mengen) Zucker empfehlenswert, da diese Lebensmittel den Blutzuckerspiegel schnell anheben. Zu beiden Mahlzeiten gilt aber: Vor allem sollten auch Vitamine und Mineralstoffe in Form von Gemüse, Salat oder Obst aufgenommen werden.

Geeignete Lebensmittel zum Suhoor sind zum Beispiel:

  • Vollkornprodukte
  • Reis und Hafer
  • Hülsenfrüchte
  • Milchprodukte

Geeignete Lebensmittel zum Iftar sind unter anderem:

  • Früchte, wie beispielsweise Datteln
  • Geflügel und Fisch
  • Hummus und Harira
  • Gemüse, beispielsweise rote Linsen

Im Ramadan sollte sowohl bei Iftar als auch bei Suhoor darauf geachtet werden, dass ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wird, um einen Mangel auszugleichen. Wasser oder zuckerfreier Tee sollten hier im Vordergrund stehen. Koffeinhaltige Getränke, wie Cola oder schwarzer Tee, sollten während des Ramadan gemieden werden, da sie dem Körper zusätzlich Flüssigkeit (und damit auch Mineralstoffe) entziehen.

Abnehmen im Ramadan?

Neben der religiösen Tradition, die der Ramadan mit sich bringt, erhoffen sich viele auch einen positiven Nebeneffekt in puncto Gewicht durch das Fasten. Jedoch nehmen gerade im Ramadan viele Muslim*innen sogar zu statt ab. Dies liegt vor allem an der Art und der Menge der Nahrungsmittel, die während des Fastenbrechens zu sich genommen werden. Achtet man hier auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, kann auch ein Gewichtsverlust eintreten. Kehrt man nach dem Fasten wieder zu alten Ernährungsgewohnheiten zurück, ist die Gefahr eines Jo-Jo-Effekts jedoch groß.

Ramadan und Sport

Prinzipiell sollte man im Ramadan auf schwere körperliche Arbeit im Ramadan am besten verzichten, um den Körper bestmöglich zu schonen. Auch sportliche Aktivitäten sollten sich in Grenzen halten, um den Körper nicht zusätzlich zu belasten. Um dennoch in Bewegung zu bleiben, eignet sich moderate Belastung, wie lange Spaziergänge an der frischen Luft oder sanfte Gymnastik.

Aktualisiert: 12.04.2021 - Autor: Sabrina Haas, Medizinautorin

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