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Vorsicht Winterspeck!

Frau zeigt Winterspeck © istockphoto, Foremniakowski

Im Warmen auf dem Sofa kuscheln, Tee trinken, lesen, fernsehen – eine verlockende Vorstellung, wenn draußen eisige Temperaturen herrschen, es schneit und stürmt. Um trübe Stimmungen zu heben greifen viele zu Schokolade, Keksen, Kuchen & Co. Wieso eigentlich? Erfahren Sie, wie Süßigkeiten unseren Gemütszustand beeinflussen und warum sich gerade an den Feiertagen die Speckröllchen vermehren.

Wie Zucker unsere Laune hebt

Eine wichtige Rolle spielt der Botenstoff Serotonin. Im Gehirn steuert er unter anderem den Gemütszustand des Menschen, er wirkt stimmungsaufhellend und antidepressiv. Biochemisch lässt sich das so erklären: Die Aminosäure Tryptophan ist notwendig, damit der Körper überhaupt Serotonin bilden kann.

Der Verzehr von Zucker bewirkt einen raschen Insulinausstoß ins Blut, was wiederum den Einstrom von Tryptophan ins Gehirn erleichtert. Und je höher die Konzentration der Aminsosäure im Kopf ist, desto mehr Serotonin kann produziert werden. Die Stimmung steigt trotz trüben Schmuddelwetters.

Feierlaune klettert

Auch die vielen Feier- und Festtage sind ein Grund, warum sich die Speckröllchen vermehren. Es wird geschlemmt: Martinsgans, Weihnachtsstollen, Zimtsterne, Dominosteine, Marzipan. Dazu Rotwein, Bier und Likör, die dafür sorgen, dass das Ganze nicht trocken in den Magen rutscht.

Was vielen nicht klar ist: Alkohol ist eine richtige Kalorienbombe! Ein Gramm Alkohol hat nämlich fast genauso viele Kilokalorien wie ein Gramm Fett. Außerdem verarbeitet die Leber den Alkohol bevorzugt, andere Nahrungsbestandteile müssen warten. Fette werden so direkt in Rettungsringe umgeformt. Und mal ehrlich, wer kennt das nicht? Nach ein paar Gläschen Wein oder Bier steigt die Lust auf fettes, weniger gesundes Essen noch obendrein.

Die Gene mischen mit

Leider haben einige Menschen mehr mit den Pfunden zu kämpfen als andere. Da spielt die Veranlagung mit hinein – zum Beispiel, was die Funktionsweise des Sättigungsmechanismus betrifft. Ob ein Mensch sich hungrig oder satt fühlt, dafür sind Botenstoffe im Gehirn verantwortlich, die Signale von den Fettzellen bekommen. Ist der Körper ausreichend mit Energie versorgt und hat genügend Fett gespeichert, senden die Fettdepots das Hormon Leptin aus. Der Organismus fühlt sich satt! Bei vielen sehr dicken Menschen ist dieser Regelkreis jedoch gestört. Sie bilden nicht genug von der Hungerbremse Leptin und sammeln so erheblich leichter zusätzliche Kilos an.

Die Vererbung spielt noch an anderer Stelle eine Rolle. Denn in der Erbsubstanz ist festgelegt, ob ein Mensch ein guter oder schlechter Futterverwerter ist. Die "schlechten Futterverwerter" gehen mit ihrer Körperenergie verschwenderischer um, die Energie verpufft als Wärme und kann nicht als Fett gespeichert werden. Denn ihre Muskeln machen kaum merkliche Kontraktionen, die zusätzlich Energie verbrauchen. Gute Futterverwerter haben es im Winter besonders schwer, weil sie noch mehr als andere auf ihre Linie achten müssen.

Nervenzellen beeinflussen die Nahrungsaufnahme

Einen weiteren Ansatz lieferten gerade amerikanische Wissenschaftler: Sie identifizierten Nervenzellen, welche ebenfalls die Nahrungsaufnahme beeinflussen. Diese Zellen sitzen in einer bestimmten Gehirnregion und produzieren ein spezielles Eiweiß, das so genannte "Agouti-assoziierte Peptid" (AgRP), das scheinbar in den Hunger-Sättigungs-Mechanismus eingreift.

Wurde bei Mäusen die Produktion von AgRP unterbunden, hörten diese umgehend mit dem Fressen auf. Auch Menschen besitzen diese Zellen. In Zukunft könnte über diesen Mechanismus die Nahrungsaufnahme medikamentös gebremst werden.

Gar nicht erst zulegen!

Wer hat nicht schon einmal die unerfreuliche Bekanntschaft mit dem Jojo-Effekt gemacht? Er stellt sich ein, wenn nach Diäten plötzlich wieder normal gegessen wird. Der Grund hierfür liegt ebenfalls in den Genen und hatte ursprünglich einen guten Grund: In Hungerperioden stellte sich der Körper darauf ein, mit weniger Energie klarzukommen. Hatte der Mensch wieder mehr Nahrung zur Verfügung, wanderten die zusätzlichen Kalorien rasch in die Fettpolster. In der heutigen Wohlstandsgesellschaft ist darauf niemand mehr angewiesen. Die Nahrungszufuhr sollte nach einer Diät also immer nur langsam wieder erhöht werden!

Noch besser ist es natürlich, das Auf und Ab auf der Waage ganz zu vermeiden. Denn ein Teil des Specks hält sich oft hartnäckig und die Rettungsringe werden Jahr um Jahr etwas dicker. Wer seine Esslust schlecht im Zaum hat, dem bleibt eine gute Möglichkeit, um auch im Winter die Form zu halten: Bewegung! Dabei sollte sich niemand von trüben Wintertagen abschrecken lassen. Mit der richtigen Funktionskleidung macht das Joggen, Radfahren oder Nordic Walking auch in der kalten Jahreszeit Spaß. Und wen das nicht überzeugt: Badminton spielen oder Schwimmen kann man auch in der Halle.

Ausdauersportarten eignen sich am besten fürs Abnehmen

Nach 20 Minuten Belastung beginnt der Körper Fettpolster zu verbrennen. Für stark Übergewichtige ist Schwimmen oder Radfahren ein guter Anfang, denn hierbei werden ihre Gelenke nicht unnötig mit dem (noch) vorhandenen Gewicht belastet. Abnehmen funktioniert aber auch in den eigenen vier Wänden: Pilates, Hatha-Yoga oder Gymnastikübungen lassen die Kilos purzeln. Kurse gibt's in vielen Fitnesscentern, Volkshochschulen oder man kauft sich erst einmal ein entsprechendes Buch zum Reinschnuppern.

Weihnachtsschmaus mal anders

Ein weiteres Zauberwort im Kampf gegen die Kilos ist die Ernährungsumstellung. Aber gut schmecken soll es trotzdem! Kein Problem, denn auch die ausgelassensten Festmahle können gesund sein: Wie wäre es mit Lachs, Zander oder Forelle statt eines Gänsebratens und Reis statt Knödeln mit fetter Soße. Oder mit einem exotischen Fruchtsalat anstatt Tiramisu? Schon die Farben erfreuen das Auge und eine solche gesunde Delikatesse macht sich auf jeder festlichen Tafel gut.

Wer doch einmal über die Stränge geschlagen hat, sollte seinem Körper eine Entlastung gönnen. Über einen Ausgleich mit viel Obst und Rohkost oder leichten Gerichten wie Pellkartoffeln mit Magerquark wird sich der übersättigte Körper freuen. Bei einem Schalttag ist übrigens nicht gleich mit dem Jojo-Effekt zu rechnen.

Aktualisiert: 03.12.2015

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