Niacin: Welche Wirkung hat Vitamin B3?

Lebensmittel mit Niacin
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Das Vitamin Niacin ist auch unter den Namen Nicotinsäure sowie Vitamin B3 oder Vitamin PP bekannt. Niacin ist zentral für verschiedene Körperfunktionen, wie den Energiestoffwechsel. Wird allerdings zu viel Niacin eingenommen, kann das Vitamin auch Nebenwirkungen haben. Mehr zur Wirkung von Niacin, zu Symptomen bei einem Mangel und einer Überdosierung sowie zu Lebensmitteln mit hohem Vitamin-B3-Gehalt lesen Sie hier.

Was ist Niacin?

Niacin ist ein wasserlösliches Vitamin, das sowohl über Lebensmittel aufgenommen als auch im menschlichen Körper, genauer in der Leber, gebildet wird. Dazu benötigt der Organismus die Aminosäure Tryptophan. Niacin ist streng genommen ein Oberbegriff für unterschiedliche chemische Verbindungen. Dazu gehören Nicotinsäure und Nicotinamid.

Niacin wird zur Gruppe der B-Vitamine gezählt, weswegen im allgemeinen Sprachgebrauch auch noch der mittlerweile veraltete Name Vitamin B3 verwendet wird. Der Begriff Vitamin PP steht für "Pellagra Preventing", also einer Pellagra vorbeugend. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung, die aufgrund eines Niacin-Mangels entstehen kann.

Niacin: Wirkung des Vitamins

Niacin, genauer Nicotinamid, liegt im menschlichen Körper meistens als Bestandteil der beiden Coenzyme Nicotinamidadenindinukleotid (NAD) und Nicotinamidadenindinukleotidphosphat (NADP+) vor und ist in allen lebenden Zellen des Menschen enthalten. Besonders hohe Konzentrationen sind in den Nieren, in der Leber und im Fettgewebe vorhanden.

Niacin spielt besonders bei der Energieversorgung des Körpers eine bedeutende Rolle, da es als Bestandteil von NAD und NADP+ sowohl am Eiweißstoffwechsel als auch am Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel beteiligt ist.

Neben seiner zentralen Funktion im Energiestoffwechsel ist Niacin wichtig für die Erholung unseres Körpers. Besondere Bedeutung hat es dabei für die Regeneration der Muskeln, der Nerven, der DNA und der Haut. Außerdem fördert Niacin im Gehirn die Bildung von Botenstoffen, mit deren Hilfe Informationen von Nervenzelle zu Nervenzelle transportiert werden. Damit spielt es bei der reibungslosen Funktion des Nervensystems eine Rolle.

Niacin: Wie hoch ist der Tagesbedarf?

Da das Vitamin teilweise in der Leber selbst hergestellt werden kann, ist der tägliche Bedarf, der über die Nahrung aufgenommen werden muss, nur schwer zu schätzen. Hinzu kommt, dass einige Lebensmittel die Aminosäure Tryptophan enthalten, die der Körper wiederum dazu nutzt, Vitamin B3 zu produzieren. Aus diesem Grund wird zur Angabe des Niacin-Gehalts in Lebensmitteln auch der Begriff "Niacin-Äquivalente" verwendet.

Der Tagesbedarf an Niacin, der über die Nahrung aufgenommen werden sollte, unterscheidet sich leicht je nach Alter und Geschlecht.

Den höchsten Bedarf haben Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren. Männer in diesem Alter sollten täglich 16 Milligramm, Frauen 13 Milligramm Vitamin B3 zu sich nehmen.

Männer zwischen 25 und 65 Jahren haben einen Tagesbedarf von 15 Milligramm, danach sinkt er auf 14 Milligramm. Frauen zwischen 25 und 51 Jahren sollten täglich 12 Milligramm Niacin aufnehmen, danach sind elf Milligramm ausreichend.

Im Allgemeinen liegt die in Deutschland durchschnittlich aufgenommene Tagesdosis höher als erforderlich. Eine Überdosierung im Rahmen einer normalen Ernährung ist jedoch nicht möglich, sodass eine leicht erhöhte Zufuhr gesundheitlich unbedenklich ist.

Lebensmittel mit Vitamin B3

Besonders reich an Vitamin B3 sind Fleisch, fetter Fisch, wie Lachs oder Thunfisch, und Innereien. Aber auch pflanzliche Lebensmittel können teilweise einen hohen Niacin-Gehalt vorweisen. Dazu gehören unter anderem Erdnüsse, Pilze, Kartoffeln, Kaffee oder Vollkornprodukte. Auch in Milchprodukten ist Vitamin B3 enthalten.

So viel Niacin steckt zum Beispiel in folgenden Lebensmitteln (pro 100 Gramm):

  • Kalbsleber: 15 Milligramm
  • Rindermuskelfleisch: 7,5 Milligramm
  • Roggenvollkorn: 5,1 Milligramm
  • Erbsen: 0,3 Milligramm

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) kann der höchstmögliche Tagesbedarf von 15 Milligramm Niacin beispielsweise über den Verzehr von 45 Gramm Erdnüssen und 100 Gramm gebratenen Austernpilzen gedeckt werden.

Generell gilt, dass Niacin, das aus tierischen Produkten stammt, besser vom Organismus verwertet werden kann.

Tipp: Niacin gehört wie Biotin oder Pantothensäure zu den wasserlöslichen Vitaminen. Da es beim Kochen leicht in das Kochwasser übergeht, sollte das Kochwasser möglichst weiterverwendet werden.

Ursachen eines Vitamin-B3-Mangels

Ein Mangel am Vitamin Niacin ist in industrialisierten Ländern relativ selten, da es wie bereits erwähnt nicht nur über verschiedene Lebensmittel aufgenommen werden kann, sondern auch aus der Aminosäure Tryptophan im Körper gebildet wird. Dabei entsteht aus 60 Milligramm Tryptophan etwa ein Milligramm Niacin.

Eine mögliche Ursache für einen Niacin-Mangel ist, dass zu wenig Niacin über die Nahrung zugeführt wird. Besonders häufig kommt eine mangelhafte Zufuhr bei Personengruppen vor, bei denen Mais ein Grundnahrungsmittel darstellt. Denn die im Mais enthaltene Form der Nicotinsäure kann der Körper nicht verwerten.

In seltenen Fällen können auch Erkrankungen einen Vitamin-B3-Mangel verursachen. Dazu gehören:

Darüber hinaus kann ein Niacin-Mangel aber auch auftreten, wenn man zu wenig Eiweiß aufnimmt. Dann kann nämlich nicht mehr genügend Tryptophan in Niacin umgewandelt werden. Darüber hinaus kann auch ein Vitamin-B6-Mangel einen Niacin-Mangel nach sich ziehen, denn Vitamin B6 wird für die Umwandlung von Tryptophan in Niacin benötigt.

Symptome bei Niacin-Mangel

Besteht der Verdacht auf einen Mangel, kann der Niacin-Spiegel im Blutserum bestimmt werden. Einige typische Symptome können zudem dabei helfen, einen Mangel an Vitamin B3 festzustellen.

Erste Anzeichen für einen Niacin-Mangel sind:

  • Müdigkeit und Schwächegefühl
  • Entzündungen im Magen-Darm-Trakt
  • depressive Verstimmungen und Reizbarkeit
  • Hautentzündungen
  • Durchfall
  • Entzündungen an der Zunge
  • Nervenentzündungen

Außerdem kann als Folge des Niacin-Mangels die Krankheit Pellagra auftreten. Diese ist vor allem durch Hautveränderungen gekennzeichnet: Bei Pellagra bildet sich ein juckender, rötlicher Ausschlag, der zusätzlich von Schwellungen, Blasen und Verhärtungen an der Haut begleitet sein kann. Daneben sind Durchfall und Demenz weitere typische Symptome der Erkrankung.

Niacin: Nebenwirkungen bei Überdosierung

Das Vitamin Niacin hat meistens nur dann Nebenwirkungen, wenn es in zu großen Mengen eingenommen wird. Die empfohlene Tagesdosis liegt je nach Alter und Geschlecht bei maximal 15 Milligramm. Durch das Konsumieren von Lebensmitteln ist eine Überdosierung von Niacin wie bereits erwähnt kaum möglich. Es gibt jedoch spezielle Präparate, Nahrungsergänzungsmittel oder mit Vitamin B3 angereicherte Lebensmittel, mit denen dem Körper zusätzlich Niacin zugeführt werden kann und die so zu einer Überdosierung führen können.

Mögliche Folgen einer zu hohen Aufnahme von Niacin sind:

  • Flush (Hautrötungen und Hitzegefühl)
  • Nesselsucht
  • Durchfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schädigungen der Leber

Niacin kann in höheren Dosen zudem den Blutzucker beeinflussen. Aufgrund der möglichen Nebenwirkungen sollte man Niacin-Präparate sowie mit Niacin angereicherte Nahrungsmittel ausschließlich auf ärztlichen Rat einnehmen.

Medizinische Anwendung von Niacin

Nachgewiesenermaßen hat Niacin eine positive Wirkung auf den Cholesterinspiegel: Es erhöht nämlich das "gute" HDL-Cholesterin und senkt das "schlechte" LDL-Cholesterin. Aufgrund seiner Nebenwirkungen, insbesondere aufgrund des Flushes, wurde Niacin allerdings kaum zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt. Um einen Flush als Nebenwirkung zu verhindern, wurden Medikamente mit Niacin schließlich mit einem sogenannten Flush-Hemmer (Laropiprant) kombiniert.

Da Statine ein besseres Nutzen-Risiken-Verhältnis bei der Behandlung von erhöhten Cholesterinwerten aufweisen, werden sie mittlerweile als Alternative zu Niacin-Präparaten eingesetzt. Auch die Anwendung beider Wirkstoffe bewährte sich nicht. In einer umfassenden Studie, an der über 3.000 Personen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen teilnahmen, wurde kein gesundheitlicher Nutzen durch die Gabe von Niacin-Präparaten in Kombination mit Statinen verzeichnet. Stattdessen traten gehäuft Nebenwirkungen auf.

Aus diesem Grund wurde 2013 ein Medikament, welches Statine mit Vitamin B3 kombinierte, vom Markt genommen. Präparate mit Niacin werden mittlerweile zur Behandlung eines erhöhten Cholesterinspiegels nur noch in Ausnahmefällen eingesetzt.

Zum Einsatz kommen Medikamente mit Nicotinsäure weiterhin zur Behandlung der sogenannten Wernicke-Enzephalopathie, einer durch chronischen Alkoholmissbrauch ausgelösten Störung des Zentralen Nervensystems.

Aktualisiert: 27.05.2022
Autor*in: Kathrin Mehner, Medizinredakteurin | Jasmin Rauch, Medizinredakteurin

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