Von Frühstartern und Spätzündern - Wann ist ein Kind schulreif?

Schulreife Kinder © svklimkin

Einschulen oder lieber noch ein Jahr Kindergarten – vor der Qual dieser Wahl stehen jedes Jahr die Eltern der so genannten "Kann-Kinder". Denn schulpflichtig ist nur, wer bis zu einem bestimmten Zeitpunkt seinen sechsten Geburtstag gefeiert hat. In den meisten Bundesländern ist dies der 30. Juni. Zusätzlich wurden im letzten Jahr in Deutschland knapp 66.000 jüngere ABC-Schützen eingeschult. Das heißt, jeder 13. Schulanfänger hätte auch noch ein Jahr länger im Kindergarten bleiben können.

Frühstarter und Spätzünder

Während viele sechsjährige Wildfänge ohne Punkt und Komma quasseln, verstecken schüchterne Altersgenossen sich lieber noch hinter ihrer Mama, wenn Fremde dazu kommen. Einige Vorschulkinder lesen schon, andere toben lieber den ganzen Tag im Garten, anstatt ihre Nasen in Bücher zu stecken. So unterschiedlich die Kleinen sind, so schwer fällt es manchen Eltern zu entscheiden, ob sie ihren Sprössling schon zur Schule schicken oder ihm noch ein Jahr Ruhe gönnen. Die Techniker Krankenkasse (TK) rät zweifelnden Eltern, neben der körperlichen und intellektuellen Entwicklung ihres Kindes auch zu berücksichtigen, wie selbstständig und selbstbewusst es schon ist.

Einschulen oder nicht

"Einschulen oder nicht ist keine Frage, die Eltern auf die leichte Schulter nehmen sollten", betont Inga Margraf, Psychologin bei der TK. "Kinder, die überfordert sind, weil sie zu früh zur Schule kommen, leiden genauso wie Kinder, die sich ein Jahr später im Unterricht langweilen, weil sie den anderen voraus sind." Einerseits können Kinder mit einer frühen Einschulung zwar ein Jahr gewinnen.

Andererseits zeigen Studien, dass vorzeitig eingeschulte Kinder bis zur zehnten Klasse fast doppelt so oft sitzen bleiben wie regulär eingeschulte. Und für die Kinderseele ist gerade das Scheitern in den ersten Schuljahren sehr belastend."Kinder, die schon bei der Einschulung über Durchsetzungsvermögen und eine gewisse innere Stabilität verfügen, haben es während der gesamten Schulzeit leichter", so Margraf. Zur Schulreife gehört nämlich nicht nur, Buchstaben zu erkennen oder von eins bis 20 zu zählen – vielmehr ist soziale Kompetenz gefragt.

"Sich in einer Klasse mit bis zu 30 Kindern zu behaupten, ist nicht leicht. Ein Kind, das unsicher ist, und nicht weiß, wie es sich in einer Gruppe verhalten soll, hat es schwer in der Schule", so die TK-Expertin. Bei der Schulreife kommt es zum Beispiel darauf an, ob ein Kind ohne Angst in einer größeren Runde reden mag und zuhören kann, ohne andere zu unterbrechen. Und ob es auf Wunsch Dinge erledigt, die es eigentlich langweilig findet.

Außerdem sollten Schulanfänger schon im Stande sein, sich verantwortlich zu fühlen. Zum Beispiel für ein Haustier – wenn auch mit Hilfe von Mama und Papa. Außerdem ist wichtig, dass kleine ABC-Schützen mit Kritik umgehen und Konflikte lösen können, ohne ihre Fäuste einzusetzen.

Aktualisiert: 30.07.2012 – Autor: TK

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