Erektionsstörungen behandeln

Patienten, die unter Potenzstörungen leiden, können mittlerweile ein individuell angepasstes Behandlungsschema finden. Dabei hängt die Wahl der jeweiligen Behandlung natürlich von den oft sehr unterschiedlichen Ursachen der Störung ab. Das Behandlungsspektrum reicht dabei von Medikamenten über Erektionshilfen (Vakuumpumpe) und Gefäßoperationen bis zur Implantation von Penisprothesen. In allen Fällen aber lohnt sich eine psychologische Betreuung, auch wenn die Ursachen möglicherweise rein organischer Natur sind.

Selbsthilfe – aber professionell

Damit Potenzstörungen nach Möglichkeit gar nicht erst entstehen, sollten Risikofaktoren wie Alkohol, Rauchen, Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Diabetes rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Deshalb ist es sinnvoll, die entsprechenden Vorsorgetermine auch wahrzunehmen und selbst auf gesunde Ernährung und sportlichen Ausgleich zu achten. Gleiches gilt für Stressfallen in allen Lebensbereichen: Gerade jüngere Männer zählen zu den Betroffenen mit Potenzstörungen, bei denen Stress und psychische Störungen im Vordergrund stehen. Zwar gibt es keine gezielte Vorbeugungsmaßnahme gegen Potenzstörungen, aber eine gesunde Lebensführung verringert das Risiko.

Finger weg von Selbstversuchen!

Auch wenn die Versuchung groß ist: Hilfe aus dem Sex-Shop oder Medikamente aus dem Internet sind keine Lösung für ein medizinisches Problem, das oft nur die Spitze eines gesundheitlichen Eisberges ist. Die erfolgreiche Therapie der erektilen Dysfunktion kann nur dann gelingen, wenn die eigentliche Ursache der Störung bekannt ist. Zum einem muss die medikamentöse Therapie vom Arzt begleitet und kontrolliert werden – auch wenn die Krankenkassen das Medikament eventuell nicht bezahlen. Zum anderen sollte man illegale Medikamente, also eigentlich verschreibungspflichtige Wirkstoffe, die ohne Rezept geliefert werden, aus dem Internet meiden. Bei Nebenwirkungen hat man keinen Haftungsanspruch gegenüber dem Hersteller. Außerdem könnten die Tabletten gefälscht sein oder insgesamt unsachgemäß behandelt und gelagert worden sein. Die beste Adresse für Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion ist die Apotheke.

Reden ist Gold!

Häufig verstärken sich Erektionsprobleme noch zusätzlich dadurch, dass das Thema verschwiegen und nicht angesprochen wird. Damit wird die Partnerschaft belastet. Die Annahme, dass der jeweilige Partner oder die Partnerin die Erektionsstörung nicht bemerkt, kann man getrost vergessen. Wer versucht, das Problem unter den Teppich zu kehren, der verschlimmert auch den eigenen Druck noch. Ein offenes Gespräch und die Einbindung in die Behandlung sind der beste Weg zur erfolgreichen Behebung der Störung. Der behandelnde Arzt - in der Regel ein Urologe - wird den jeweiligen Partner oder die Partnerin in die Diagnosestellung und Therapie mit einbeziehen. Auch Adressen von Selbsthilfegruppen und auf Sexualstörungen spezialisierten Therapeuten kann man hier bekommen.

Medikamentöse Behandlung

Innovative Medikamente zur Behebung von Potenzstörungen können in der Regel eine halbe bis zwölf Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Wirkung kann dann bis zu 24 Stunden anhalten und kann Männer bereits nach 30 Minuten befähigen, eine Erektion zu bekommen. Dadurch können Betroffene innerhalb dieser Zeitspanne Geschlechtsverkehr wieder spontan erleben. Außerdem wird die Wirkung nicht durch Nahrungs- und Alkoholaufnahme beeinträchtigt. In Deutschland sind derzeit drei verschiedene Medikamente auf dem Markt, die alle nach dem gleichen biochemischen Prinzip funktionieren, bei dem die Blutgefäße erweitert und die Blutzirkulation in den Genitalien gesteigert wird.
Medikamente, die bei psychisch bedingten Erektionsstörungen eingesetzt werden, werden in der Regel nicht bei Bedarf, sondern regelmäßig und über einen längeren Zeitraum eingenommen. Eine Erektion erfolgt dann nur bei sexueller Stimulierung. Hängt die Potenzstörung mit einem Hormonmangel zusammen, kann das entsprechende Hormon - in der Regel Testosteron - eingenommen, gespritzt, als Pflaster auf die Haut geklebt oder als Gel auf die Haut aufgetragen werden.

SKAT - aber ohne Karten!

Anders bei oral eingenommen Medikamenten wirken die lokalen Arzneimittel direkt am Penis. Für viele Männer ist diese Art der Behandlung mit großen psychischen Widerständen verbunden. Bei der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) wird ein Wirkstoff direkt in die Schwellkörper gespritzt. Weil eine extem dünne Nadel benutzt wird, treten dabei kaum Schmerzen auf. Die Erektion tritt nach ungefähr 10 Minuten ein. Bei einem anderen System, der MUSE® (Medicated Urethral System for Erection) wird der Wirkstoff als Mini-Tablette über einen Applikator in die Harnröhre eingeführt. Die Erfolgsrate ist jedoch geringer als bei der SKAT-Anwendung und es dauert länger bis die Wirkung eintritt.

Mechanische Hilfsmittel

Auch mit Hilfe einer Vakuumpumpe kann eine Erektion erzielt werden. Dazu wird der Penis wird in einen durchsichtigen Plastikzylinder gesteckt. In dem Zylinder wird anschließend mit einer kleinen Hand- oder Elektro-Pumpe Unterdruck erzeugt. Dadurch fließt Blut in die Schwellkörper und lässt den Penis steif werden. Sobald eine ausreichende Erektion vorhanden ist, wird der Rückfluss des Bluts aus den Schwellkörpern mit einem Penisring verhindert. Penisringe können immer dann eingesetzt werden, wenn auf natürlichem Weg noch eine ausreichende anfängliche Erektion möglich ist. Der Penisring wird über den erigierten Penis bis zur Peniswurzel gestreift. Die Erektion kann dann erhalten werden, allerdings muss ein anatomisch individuell angepasstes Exemplar benutzt werden. Außerdem dürfen sie nicht länger als 30 Minuten getragen werden, weil sonst die gesamte Blutversorgung darunter leidet.

Chirurgische Eingriffe und Implantate

Wenn die Schwellkörper nicht ausreichend mit Blut versorgt werden können, oder das Blut zu schnell abfließt, kann eine Gefäßoperation durchgeführt werden. Allerdings sind die Erfolgsraten nicht sehr hoch, sodass dieser Eingriff nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt wird. Auch das Einsetzen eines Schwellkörper- Implantats ist problematisch. Bei dieser Operation werden große Teile des natürlichen Schwellkörpers zerstört und können nicht wieder hergestellt werden. Daher steht diese Behandlung nur bei Versagen aller anderen Therapieoptionen zur Diskussion.

Aktualisiert: 04.12.2013 – Autor: Susanne Köhler

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