Erektionsstörungen: Diagnose und Therapie

Erektile Dysfunktion bei Männern © iStock.com/monkeybusinessimages (Symbolfoto)

Zur Therapie einer Erektionsstörung beim Mann gibt es mehrere Möglichkeiten. Falls bestehende Krankheiten die Ursache sind, ist es enorm wichtig, diese zu behandeln. Eine psychologische Beratung kann auch bei rein körperlicher Ursache der erektilen Dysfunktion unterstützend zur Behandlung und entlastend wirken.

Hilfe bei Erektionsstörungen: Keine Scheu vor dem Arzt!

Im Erstgespräch mit dem Arzt muss der Betroffene oft einige Scheu überwinden – schließlich kommen dabei sehr viele private Themen, beispielsweise das Sexualleben zur Sprache. Oft hilft es, einen auf Erektionsstörungen spezialisierten Urologen aufzusuchen – dieser bietet häufig auch Fragebögen zum Ausfüllen an, was vielen Patienten leichter fällt, als darüber zu sprechen.

Daneben werden viele Fragen zu Gewohnheiten, anderen Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten gestellt, um Hinweise auf die Ursachen zu finden.

Diagnose einer erektilen Dysfunktion

Bei der folgenden körperlichen Untersuchung werden nicht nur die Geschlechtsorgane abgetastet (von außen, die Prostata von innen über den Enddarm), sondern zum Beispiel auch Blutdruck und Puls gemessen und das Herz abgehört. Anschließend werden Blut und Urin untersucht.

Je nach vermuteter Ursache können sich weitere Untersuchungen anschließen:

  • Duplex-Sonografie: Als bildgebendes Verfahren kommt der Ultraschall zur Untersuchung der Blutgefäße des Penis in Ruhe und eventuell nach Injektion eines erektionsfördernden Medikaments (Schwellkörperinjektionstest) zum Einsatz. Eventuell erfolgt auch eine genauere Gefäßdarstellungen mittels Röntgenkontrastmittel.
  • Nokturne penile Tumeszenz-Messung: Bei dieser Methode wird mithilfe eines Messgeräts überprüft, ob und wie stark der Penis im Verlauf mehrerer Nächte während des Schlafs erigiert. So lässt sich seine prinzipielle Funktionsfähigkeit feststellen.
  • Urethrozystometrie und Urethrozystrografie: Mithilfe einer Röntgenaufnahme und eines Kontrastmittels oder mit dem Endoskop wird untersucht, ob Harnröhre oder Harnblase krankhafte Veränderungen aufweisen, die die Erektionsstörung verursachen könnten.
  • Schwellkörper-Injektionsstest (SKIT): Hierbei wird eine Substanz direkt in die Schwellkörper gespritzt, die eine künstliche Erektion auslöst. Dadurch kann zum einen der Zustand der Arterien und Venen im Penis eingeschätzt sowie zum anderen eine mögliche spätere Behandlung mit diesem Mittel beurteilt werden.
  • Arterielle Angiografie: Auch hier kommt eine Röntgenaufnahme zum Einsatz. Nach Auslösen einer künstlichen Erektion spritzt der Arzt ein Kontrastmittel, sodass Schwellkörper und Venen untersucht werden können.
  • Kavernosometrie: Bei dieser Untersuchungsmethode wird mittels einer Pumpe eine Flüssigkeit in die Schwellkörper des Penis geleitet. Dabei wird gemessen, in welchem Rahmen der Zustrom liegen muss, um die Erektion zu erhalten.
  • Elektrische Reize: Besteht ein Diabetes, werden mitunter elektrische Reize eingesetzt, um festzustellen, ob Nervenschädigungen die Ursache der Störung sind.

Einbeziehung der Partnerin

Oft wird bei der Beratung und Behandlung der Lebenspartner beziehungsweise die Partnerin mit einbezogen – das lindert durch die offenen Gespräche den Leistungsdruck und bessert die Versagensängste bei möglichen Erektionsstörungen. Oft kann ein Gespräch mit der Frau helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Behandlung von Erektionsstörungen

Zur Therapie einer erektilen Dysfunktion stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung – von Tabletten, die die Erektionsfähigkeit verstärken, über mechanische Hilfsmittel bis hin zu operativen Eingriffen. Je nach Ursache und Bedarf werden auch sexualpsychologische Therapien eingesetzt.

Die erektile Dysfunktion sollte ernst genommen werden, da sie Anzeichen einer ernsten körperlichen Erkrankung sein kann. Deshalb gilt: Bei Erektionsstörungen ist keine falsche Scham, sondern der schnelle Gang zum Arzt angezeigt.

Medikamente gegen Erektionsstörungen

Die folgenden Medikamente können bei Erektionsstörungen helfen:

  • Am häufigsten werden Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) eingesetzt, welche die Standfestigkeit verlängern – vorausgesetzt es bestehen eine prinzipielle Erregung und Erektionsfähigkeit. Zudem darf bei dem Betroffenen keineHerz-Kreislauf-Erkrankung vorliegen. Präparate sind Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®).
  • Der Wirkstoff Apomorphin (zum Beispiel Uprima®, Ixense®) ist ein Dopamin-Rezeptoragonist, der im Gehirn die natürlichen Signale, die eine Erektion auslösen, verstärkt.
  • Phentolamin (Vasomax®) ist ein nicht selektiver Alpha-Rezeptorblocker, der eine Erektion durch Wirkung auf die Penismuskulatur unterstützen kann.
  • Liegt den Errektionsstörungen ein Mangel an Testosteron zugrunde, kann dieses oder seine Vorstufe Dehydroepiandrosteron (DHEA) eingenommen, gespritzt, als Pflaster auf die Haut geklebt oder als Gel auf die Haut aufgetragen werden.
  • Die Substanz Alprostadil wirkt direkt am Penis, indem sie entweder mit einer sehr dünnen Nadel in die Schwellkörper eingespritzt (Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie) oder als Mini-Tablette in die Harnröhre eingeführt wird. Das Mittel wirkt gefäßerweiternd.
  • Bei der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) wird ein Wirkstoff direkt in die Schwellkörper gespritzt. Weil eine extrem dünne Nadel benutzt wird, treten dabei kaum Schmerzen auf. Die Erektion tritt nach ungefähr 10 Minuten ein.

Alle diese Mittel zur Behandlung einer Erektionsstörung sind nicht rezeptfrei, sondern verschreibungspflichtig. Dies hat einen guten Grund: Die Therapie sollte grundsätzlich ärztlich begleitet werden. Zudem besteht bei anderweitig erworbenen Mitteln die Gefahr, dass diese gefälscht, gepanscht oder – im besten Fall – wirkungslos sind.

Haftungsansprüche bei Nebenwirkungen bestehen dann keine. Hilfreich ist es in jedem Fall, nicht nur mit dem Arzt, sondern auch mit dem Sexualpartner beziehungsweise der Partnerin die Probleme offen zu besprechen. Das allein schafft oft schon Entspannung und eine Besserung der Symptome bei Impotenz.

Mechanische Hilfsmittel bei Erektionsstörungen und Operation

Eine Erektion kann mithilfe einer Vakuumpumpe erzielt und mit einem anschließend auf die Peniswurzel übergestreiften (anatomisch individuell angepassten) Penisring gehalten werden. Auch eine Operation, bei der durch eine Art Bypass oder eine Gefäß-OP die Blutzufuhr beziehungsweise der Abfluss des Blutes aus dem Penis gesteuert wird, ist möglich. Allerdings sind die Erfolgsaussichten einer Operation bei Erektionsstörungen sehr begrenzt. Mehr zum Thema und weitere Tipps finden Sie in unserer Fotostrecke.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
F52.-

Aktualisiert: 19.08.2020 - Autor: Dagmar Reiche, überarbeitet: Jasmin Rauch

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