Erektionsstörung – was tun? Tipps und Hausmittel

Die Vorgänge im Körper, die zu einer Erektion führen, sind sehr komplex: So sind Blutgefäße, Hormone, Nerven und die Psyche beteiligt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass bei einer Erektionsstörung oft mehrere Auslöser verantwortlich sind. Außerdem gibt es bestimmte Risikofaktoren, die eine Erektionsstörung begünstigen: Neben dem Alter, Übergewicht, der falschen Ernährung und mangelnder Bewegung gehören auch der Konsum von Alkohol und Nikotin dazu.

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Ursachen für Erektionsstörungen

Mann mit Erektionsstörung im Bett © iStock.com/laflor (Symbolfoto)
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Mögliche Ursachen für Erektionsstörungen sind:

  • Stress, Leistungsdruck und Versagensängste
  • Partnerschaftskonflikte
  • Psychische Erkrankungen wie Angsterkrankungen oder Depressionen
  • Herz- und Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck oder ein Herzinfarkt
  • Stoffwechselerkrankungen: zum Beispiel Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Schilddrüsenerkrankungen
  • Erkrankungen der Nerven und des Gehirn wie multiple Sklerose oder ein Bandscheibenvorfall
  • Erkrankungen im Genitalbereich, zum Beispiel Vorhautverengung, Entzündungen der Prostata oder Tumorerkrankungen
  • Traumatische sexuelle Erfahrungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel Beta-Blocker, Psychopharmaka oder hormonelle Präparate

Probleme mit der Potenz sollten ernst genommen werden – wenn Sie unter einer Erektionsstörung leiden, sollten Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Darüber hinaus gibt es Hausmittel und Tipps, was Sie gezielt bei Erektionsstörungen tun können. Erfahren Sie mehr in unserer Fotostrecke!

Medikamente

Packung mit blauen Tabletten gegen Erektionsstörungen © iStock.com/Savushkin
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Ein Klassiker unter den Möglichkeiten, eine Erektionsstörung zu behandeln, sind Medikamente wie Viagra®. Die blaue Pille für den Mann hemmt das Enzym Phosphodiesterase 5. In der Folge erschlafft die glatte Muskulatur und die Blutgefäße erweitern sich. So wird mehr Blut in den Penis gepumpt und er bleibt dadurch steif.

Nachdem im Jahr 2013 der Patentschutz für Viagra® fiel, sind heute verschiedene Medikamente mit den Wirkstoffen Tadalafil, Vardenafil, Acanafil und Sildenafil auf dem Markt. Bei allen handelt es sich um Phosphodiesterase-(PDE)-5-Hemmer. Alle Medikamente sind in Deutschland nur auf Rezept erhältlich und müssen vom Arzt verschrieben werden.

Testosteronmangel behandeln

Blut auf Testosteronmangel untersuchen © iStock.com/jarun011
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Hinter einer Erektionsstörung kann auch ein Mangel am männlichen Sexualhormon Testosteron stecken. In einem solchen Fall kann das Potenzproblem nicht mit einem Medikament wie Viagra behandelt werden – es würde schlicht keine Wirkung zeigen. Vielmehr wird der zu niedrige Testosteronspiegel mit einem passend dosierten Hormonpräparat angehoben. Ob ein Testosteronmangel vorliegt, kann der Arzt mittels Blutuntersuchung feststellen.

Wie äußert sich ein Testosteronmangel?

Ab dem 40. Lebensjahr produziert der Körper weniger Testosteron. Der sinkende Hormonspiegel kann sich durch folgende Symptome bemerkbar machen:

  • sexuelles Verlangen lässt nach
  • weniger nächtliche Erektionen
  • Erektionsstörungen
  • verminderte Spermienproduktion
  • Muskelmasse nimmt ab, Ausdauer lässt nach
  • Behaarung im Gesicht und am Körper nimmt ab
  • Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Antriebslosigkeit
  • Bauchfett nimmt zu

Mechanische Potenzhilfen

Vakuumpumpe bei Erektionsstörungen © iStock.com/marshack
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Eine Alternative zur medikamentösen Behandlung der Erektionsstörung sind mechanische Hilfsmittel wie Vakuumpumpen und Penisringe (Cockringe). Die Vakuumpumpe besteht aus einem durchsichtigen Plastikzylinder mit Saugpumpe, die auf den Penis gesetzt wird. Es wird ein Unterdruck erzeugt, wodurch verstärkt Blut in den Schwellkörper des Penis fließt, was zur Erektion führt. An der Peniswurzel sitzt ein Gummiring, sodass das Blut nicht zurückfließen kann. Um Durchblutungsstörungen zu verhindern, muss die Vakuumpumpe nach 30 Minuten entfernt werden.

Männern mit leicht bis mittelschwer ausgeprägten Erektionsstörungen kann der Penisring helfen, da er verhindert, dass Blut aus dem Schwellkörper des erigierten Penis abfließt und das Glied steif bleibt.

Besonders für Männer, die aus gesundheitlichen Gründen keine Medikamente einnehmen können, sind diese Hilfsmittel eine gute Möglichkeit, um ihre Potenz zu steigern. Betroffene Männer sollten sich von ihrem behandelnden Arzt beraten lassen.

Operation bei Erektionsstörung

Ärzte im OP-Saal bei OP zur Behandlung von Erektionsstörungen © iStock.com/jacoblund
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Da die Erfolgsaussichten nicht sehr groß sind, werden Operationen zur Behandlung von Erektionsstörungen nur noch selten durchgeführt. Ein chirurgischer Eingriff kommt dann infrage, wenn ein Mann potenzsteigernde Medikamente aus gesundheitlichen Gründen nicht einnehmen kann oder mechanische Hilfsmittel wie die Vakuumpumpe ablehnt.

Bei der Operation wird entweder die Blutzufuhr zum Penis durch ein weiteres Gefäß verstärkt, ähnlich einem Bypass. Oder durch die Gefäßoperation wird der Abfluss von Blut aus dem Schwellkörper reduziert. Im Rahmen der Operation kann auch ein Schwellkörper-Implantat eingesetzt werden. Dabei werden jedoch Teile des natürlichen Schwellkörpers im Penis irreparabel zerstört. Daher kommt ein Implantat nur als letzte Option infrage.

Beckenboden trainieren

Übungen zum Beckenboden trainieren bei Erektionsstörungen © iStock.com/Sergei Kotelnikov
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Auch Männer können mit bestimmten Übungen ihren Beckenboden trainieren. Dabei werden gezielt Muskelgruppen in der Beckenregion aktiviert, wodurch die Durchblutung verbessert wird. Diese Muskeln unterstützen den Penis beim Steifwerden und können ein frühzeitiges Erschlaffen verhindern.

Geeignete Übungen zur Beckenbodengymnastik sind:

  1. Becken kippen: Stellen Sie sich aufrecht hin, den Po etwas nach hinten gestreckt, sodass Sie leicht ins Hohlkreuz kommen. Öffnen Sie die Beine schulterbreit, die Knie sind leicht gebeugt. Spannen Sie nun die Pomuskulatur an und richten Sie das Becken auf – die Knie bleiben dabei leicht gebeugt. Die Spannung kurz halten, dann mit dem Becken wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederholen Sie die Übung langsam 7-Mal.
  2. Becken heben: Legen Sie sich auf den Rücken und winkeln Sie die Beine an. Stellen Sie die Füße hüftbreit auseinander auf den Boden. Die Arme liegen seitlich neben dem Körper. Spannen Sie den Po an und schieben Sie ihn langsam nach oben, sodass Oberschenkel und Bauch eine gerade Linie bilden. Spannen Sie den Beckenboden an und halten Sie die Spannung für ein paar Minuten. Legen Sie dann langsam Rücken und Gesäß wieder ab. Wiederholen Sie die Übung 7-Mal.
  3. Schiefe Ebene: Setzen Sie sich aufrecht hin und strecken Sie die Beine leicht gespreizt aus. Der Oberkörper wird von den Armen gestützt, die Hände liegen flach auf dem Boden neben der Hüfte. Heben Sie das Gesäß vom Boden ab, sodass die Beine eine gerade Linie mit dem Oberkörper bilden – nur die Fersen und Handflächen berühren den Boden. Wiederholen Sie die Übung 5-Mal.

Akupunktur

Mann bekommt Akupunktur-Behandlung gegen Erektionsstörungen © iStock.com/LukaTDB
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Bei Erektionsstörungen kann man es auch mit Akupunktur versuchen, besonders wenn die Ursachen psychischer Natur sind. Hier können die Nadeln helfen, die Durchblutung, Ausschüttung von Hormonen und die Nervenweiterleitung zu stimulieren. Die Nadeln werden entlang der Meridiane am Körper gestochen. Dies sind in der traditionellen chinesischen Medizin die Leitbahnen, in denen die Lebensenergie fließt. Der Genitalbereich wird bei der Behandlung ausgespart. Wer mag, kann es auch mit Akupressur im Bereich des unteren Rückens und Unterleibs versuchen.

Heilpflanzen

Knoblauch auf Holzuntergrund © iStock.com/fcafotodigital
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Männer mit leichten Erektionsstörungen können auch natürliche Alternativen zu Medikamenten oder mechanischen Hilfsmitteln ausprobieren. Geeignet sind pflanzliche Lebensmittel, welche die Durchblutung fördern und den Stoffwechsel anregen: Dazu zählen Knoblauch, Ingwer und Ginseng. Meistens ist eine Wirkung erst beim Verzehr über einen längeren Zeitraum merkbar.

Aphrodisiaka

Frische Muscheln mit Zitrone gegen Erektionsstörungen © iStock.com/Olesia Shadrina
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Bestimmte Lebensmittel können als sogenannte Aphrodisiaka das Liebesleben anheizen. Diese Lebensmittel enthalten Stoffe, die Lust auf mehr machen oder die Hormonproduktion ankurbeln.

In Fisch, Muscheln, Krustentieren und Obst wie Erbeeren steckt viel Zink. Das Spurenelement spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion von Testosteron und unterstützt eine gute Durchblutung. Auch Vanillin hat eine aphrodisierende Wirkung. Es steckt natürlicherweise in Vanille und ist chemisch den menschlichen Pheromonen ähnlich. Das Gewürz Zimt wirkt durchblutungsfördernd und kann als Aphrodisiakum genutzt werden.

Psychotherapie

Mann beim Psychotherapeuten © iStock.com/g-stockstudio
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Für eine Erektionsstörung müssen keine körperlichen Gründe verantwortlich sein. Auch Stress im Job, Konflikte in der Partnerschaft oder andere seelische Probleme können die Potenz einschränken. Betroffene Männer oder Paare sollten sich nicht scheuen, in einem solchen Fall professionelle Hilfe in Form einer Psychotherapie oder Paartherapie in Anspruch zu nehmen. Hierbei können mithilfe eines erfahrenen Therapeuten die zugrunde liegenden Konflikte und Probleme aufgearbeitet und beseitigt werden.

Die Sexualtherapie ist eine spezielle Form der Paartherapie. Hier soll das Paar wieder lernen, Sex miteinander zu genießen und der Mann kann vorhandene Versagensängste abbauen.

Miteinander reden

Ob im Rahmen einer Paartherapie oder ohne: Partner sollten offen miteinander sprechen, wenn er Probleme mit der Erektion hat. Die meisten Menschen reagieren positiv oder sind sogar erleichtert, wenn ihr Partner über seine Erektionsstörung spricht. Ein solches Gespräch fördert das Vertrauen und die Intimität zwischen einem Paar – das kann ein erster Schritt sein, um eine Erektionsstörung zu behandeln.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
F52.-

Aktualisiert: 05.05.2021 - Autor: Dagmar Schüller, Medizinredakteurin und Dipl.-Trophologin