Potenzstörungen: Therapie

Auch wenn die Versuchung groß ist: Hilfe aus dem Sex-Shop oder Medikamente aus dem Internet sind keine Lösung für ein medizinisches Problem, das oft nur die Spitze eines gesundheitlichen Eisberges ist. Die erfolgreiche Therapie der erektilen Dysfunktion kann nur dann gelingen, wenn die eigentliche Ursache der Störung bekannt ist.

Unseriöse Medikamente gegen Potenzprobleme

Zum einem muss die medikamentöse Therapie vom Arzt begleitet und kontrolliert werden – auch wenn die Krankenkassen das Medikament eventuell nicht bezahlen. Zum anderen sollte man illegale Medikamente, also eigentlich verschreibungspflichtige Wirkstoffe, die ohne Rezept geliefert werden, aus dem Internet meiden. Bei Nebenwirkungen hat man keinen Haftungsanspruch gegenüber dem Hersteller. Außerdem könnten die Tabletten gefälscht oder insgesamt unsachgemäß behandelt und gelagert worden sein.

Die beste Adresse für Medikamente zur Behandlung der erektilen Dysfunktion ist die Apotheke. Das Behandlungsspektrum bei Erektionsstörungen reicht von Medikamenten über mechanische Hilfsmittel und Gefäßoperationen bis zur Implantation von Penisprothesen. In allen Fällen aber lohnt sich eine psychologische Betreuung (als Paar- oder Einzeltherapie), auch wenn die Ursachen möglicherweise rein organischer Natur sind. Und nicht zu vergessen: Grunderkrankungen müssen adäquat behandelt werden.

Erektile Dysfunktion: Medikamente zum Einnehmen

Es gibt verschiedene Arzneimittel, die dem Mann zu neuer Standfestigkeit verhelfen könne, alle sind verschreibungspflichtig. Der Arzt entscheidet zusammen mit dem Betroffenen, welches Präparat geeignet ist.

  • Am häufigsten werden Phosphodiesterase-5-Hemmer eingesetzt - Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®), Vardenafil (Levitra®) – , die den Abbau des Enzyms cGMP hemmen und damit die Standfestigkeit verlängern. Allerdings nur dann, wenn der Mann tatsächlich erregt ist und seine Blut- und Nervenversorgung noch eine Erektion ermöglichen. Männer, die wegen Herzkrankheiten Medikamente einnehmen, dürfen keine Phosphodiesterase-5-Hemmer nehmen – es kommen immer wieder Todesfälle vor! Die Tabletten werden – je nach Wirkstoff – eine halbe bis zwölf Stunden vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen, die Wirkung setzt nach 30 Minuten ein und kann bis zu 24 Stunden anhalten.
  • Präparate mit dem Wirkstoff Apomorphin (z.B. Uprima®, Ixense®) wirken als Dopamin-Rezeptoragonisten dort, wo die Erektion beginnt – im Kopf. Apomorphin verstärkt im Gehirn die natürlichen Signale, die eine Erektion auslösen, wie eine anregende Berührung oder der Anblick einer attraktiven Frau; eine sexuelle Stimulation ist also erforderlich. Es wirkt recht schnell und ist auch für Männer mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Lösung.
  • Phentolamin (Vasomax®) ist ein nicht selektiver Alpha-Rezeptorblocker, der ein Erektion durch Wirkung auf die Penismuskulatur unterstützen kann.
    Hängt die Potenzstörung mit einem Hormonmangel, in der Regel an Testosteron, zusammen, kann dieses oder seine Vorstufe Dehydroepiandrosteron (DHEA) eingenommen, gespritzt, als Pflaster auf die Haut geklebt oder als Gel auf die Haut aufgetragen werden.

Medikamente am Ort des Geschehens

Anders bei oral eingenommen Medikamenten wirken die lokalen Arzneimittel mit dem Wirkstoff Alprostadil direkt am Penis. Für viele Männer ist diese Art der Behandlung mit großen psychischen Widerständen verbunden.

Bei der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) wird ein Wirkstoff direkt in die Schwellkörper gespritzt. Weil eine extrem dünne Nadel benutzt wird, treten dabei kaum Schmerzen auf. Die Erektion tritt nach ungefähr 10 Minuten ein.

Bei einem anderen System, der MUSE® (Medicated Urethral System for Erection) wird der Wirkstoff als Mini-Tablette über einen Applikator in die Harnröhre eingeführt. Die Erfolgsrate ist jedoch geringer als bei der SKAT-Anwendung und es dauert länger bis die Wirkung eintritt. Beide Formen helfen vor allem Männern, bei denen die Störungen auf Schädigungen der Nerven zurückzuführen sind, wie nach Operationen im Becken.

Mechanische Hilfsmittel bei Potenzstörungen

Auch mit Hilfe einer Vakuumpumpe kann eine Erektion erzielt werden. Dazu wird der Penis in einen durchsichtigen Plastikzylinder gesteckt und dort anschließend mit einer kleinen Hand- oder Elektro-Pumpe Unterdruck erzeugt. Dadurch fließt Blut in die Schwellkörper und lässt den Penis steif werden.

Sobald eine ausreichende Erektion vorhanden ist, wird der Rückfluss des Bluts aus den Schwellkörpern mit einem Penisring verhindert. Penisringe können immer dann eingesetzt werden, wenn auf natürlichem Weg noch eine ausreichende anfängliche Erektion möglich ist. Der Penisring wird über den erigierten Penis bis zur Peniswurzel gestreift. Die Erektion kann dann erhalten werden, allerdings muss ein anatomisch individuell angepasstes Exemplar benutzt werden. Außerdem dürfen sie nicht länger als 30 Minuten getragen werden, weil sonst die gesamte Blutversorgung leidet.

Chirurgische Eingriffe und Implantate bei Impotenz

Wenn die Schwellkörper nicht ausreichend mit Blut versorgt werden können oder das Blut zu schnell abfließt, kann eine Gefäßoperation durchgeführt werden. Allerdings sind die Erfolgsraten nicht sehr hoch, sodass dieser Eingriff nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt wird.

Auch das Einsetzen eines Schwellkörper-Implantats ist problematisch. Bei dieser Operation werden große Teile des natürlichen Schwellkörpers zerstört und können nicht wieder hergestellt werden. Daher steht diese Behandlung nur bei Versagen aller anderen Therapieoptionen zur Diskussion.

Aktualisiert: 23.01.2017 – Autor: Dagmar Reiche

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