Doping - unerlaubt und ungesund

Keine Sportveranstaltung von Weltrang, so scheint es, kommt ohne Doping-Skandal aus. Ob Winter- oder Sommerolympiade, Tour de France, Welt- oder Europameisterschaften: Die Unfairness gehört offenbar ebenso dazu wie der viel zitierte Olympische Geist oder das "Elf-Freunde-müsst-Ihr-sein"-Gruppenglücksgefühl.

Schneller, höher, weiter – um jeden Preis?

Wer dopt, handelt unfair und schadet sich selbst. Erstens ist der Einsatz unerlaubter Mittel zur Leistungssteigerung unfair. Diese ethisch-moralische Seite der Medaille betrifft nicht nur die Sportlergemeinde, sondern ist ein gesamt-gesellschaftliches Problem. Zweitens kann Doping, wie in der Vergangenheit geschehen, massive gesundheitliche Schäden verursachen. Neben den oft langfristigen Folgen für die Sportler ziehen Doping-Spätschäden mittlerweile auch strafrechtliche Konsequenzen unter dem Aspekt der Körperverletzung nach sich. Doch offensichtlich hält weder das Eine noch das Andere Sportler, Trainer, Betreuer und Funktionäre davon ab, die natürlichen Leistungsgrenzen hochtrainierter Spitzensportler anzuerkennen.

Doping ist…

... nach den Rahmenrichtlinien des Hauptausschusses des Deutschen Sportbundes (DSB) der Versuch der Leistungssteigerung durch die Anwendung (Einnahme, Injektion oder Verabreichung) von Substanzen der verbotenen Wirkstoffgruppen oder durch die Anwendung verbotener Methoden (z. B. Blutdoping).
Entsprechend gibt es eine lange Liste verbotenen Substanzen, auf der unter anderem Stimulanzien, Narkotika, anabole Substanzen, Diuretika, Peptidhormone und Verbindungen, die chemisch, pharmakologisch oder von der angestrebten Wirkung her verwandt sind, stehen. Außerdem können weitere Substanzen und Wirkstoffgruppen, z. B. Alkohol, Sedativa, Psychopharmaka, Betablocker, unter den Dopingsubstanzen aufgeführt werden, wenn sie entsprechend bei Sportarten eingesetzt werden.

Ein altes Problem

Vor allem Kraftsportler wie Gewichtheber, Diskus- und Hammerwerfer, aber auch Radsportler, Läufer und Schwimmer gehören zu den wiederholten Dopingsündern. Dabei ist die Geschichte des Doping so alt wie die Olympiade selbst – Versuche zur Leistungssteigerung gab es schon in der Antike, wo Ringkämpfer zum Beispiel versuchten, durch das Essen von Stierhoden besonders viel Kraft zu gewinnen. Der Begriff „Doping" wurde zum ersten Mal 1899 verwendet. Ein englischer Lexikoneintrag verwies unter diesem Begriff auf die Verabreichung einer Mischung von Opium und Narkotika für Rennpferde.

Anabole Wirkstoffe

Aus dem Erfahrungsschatz der Tierzucht stammen denn auch einige der bei Sportlern unerlaubten Dopingmittel, wie zum Beispiel Wirkstoffe mit anaboler Wirkung, die zusammen mit einer gesteigerten Nahrungsaufnahme zu mehr Muskelmasse und Muskelkraft führen. Der Begriff „anabol" kommt aus dem Griechischen und bedeutet „muskelaufbauend". Vor allem durch die inzwischen bekannt gewordenen Spätfolgen bei Sportlern aus den ehemaligen Ostblockstaaten weiß man, das Anabolika zu Wachstumsstopp bei Jugendlichen, schweren Leberschäden oder auch Leberkrebs, Hemmung der Spermaproduktion bei Männern und Vermännlichung bei Frauen führen kann. Auch psychische Folgen sind bekannt geworden. Trotzdem werden auch heute noch Anabolika beim Doping eingesetzt, weil sie zwar während des Trainings und zwischen den Wettkämpfen benutzt werden, dann aber rechtzeitig vor dem Sportereignis abgesetzt werden. Der Nachweis ist so kaum möglich, weshalb inzwischen vielfach Doping-Kontrollen nach dem Zufallsprinzip auch während der Trainingsphasen gefordert werden. Seit 1989 gibt es einen Katalog der Medizinischen Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der die Dopingsubstanzklassen und Dopingmethoden enthält. Er muss regelmäßig aktualisiert werden. Zu diesen Stoffen gehören:

  • Stimulanzien
    Diese Substanzen, erhöhen die Aufmerksamkeit und Leistungsbereitschaft. Sie zögern die Ermüdung hinaus, führen aber auch zu einer Steigerung der Aggressivität und einer Verminderung der Selbstkontrolle. Amphetamine und Arzneimittel mit stark erregender Wirkung auf das Zentralnervensystem gehören dazu. Diese Substanzen sind der natürlichen Substanz Adrenalin sehr ähnlich, die beim Menschen seit Urzeiten in extremen Gefahrensituationen vermehrt vom Körper ausgeschüttet wird. Bei höchster körperlicher Belastung kann schon eine "normale" Dosierung tödlich sein. Weil aber Husten-, Schnupfen- oder Kreislaufmittel diese Mittel enthalten können, dürfen sie nur nach Absprache mit dem verantwortlichen Arzt des Fachverbandes eingenommen werden und müssen spätestens drei Tage vor dem Wettkampf abgesetzt werden. In diese Substanzklasse gehören auch Koffein und Ephedrin, das unter anderem als Allergiemittel bei Heuschnupfen und Asthma eingesetzt wird.
  • Narkotika
    Narkotika sind schmerzstillende Substanzen, die missbräuchlich eingesetzt werden. Dazu gehört auch Kodein, das in schmerzstillenden Medikamenten und Hustenmitteln verwendet wird. Dieser Stoff ist allerdings inzwischen nicht mehr verboten.
  • Diuretika sind Substanzen, die die Harnausscheidung (Diurese) steigern. Sie werden in der Medizin zur Behandlung des Bluthochdrucks, zur Behandlung der Bauchwassersucht und zur Ausschwemmung von Zellfüßigkeit bei Ödemen eingesetzt. Bei Doping will man mit Diuretika vor allem zweierlei erreichen: Zum einen soll die erhöhte Flüssigkeitsausscheidung für eine schnelle Gewichtsabnahme bei Kampfsportarten mit Gewichtsklassen sorgen. Außerdem will man auf diese Weise die Konzentration von Dopingmitteln im Urin verringern und so ihren Nachweis verhindern. Patienten mit Herzinsuffizienz zum Beispiel, die regelmäßig Diuretika einnehmen, wissen, dass ein solcher Eingriff in den Elektrolythaushalt streng überwacht werden muss. Denn das Gleichgewicht von Elektrolyten im Körper ist eng an den Wasserhaushalt gekoppelt und kann - wenn es aus den Fugen gerät - von schweren Funktionsstörungen bis zum Tod führen.
  • Peptid- und Glycoproteinhormone und Analoge
    Dazu gehören das Wachstumshormon HGH (Human Growth Hormone, Somatropin) und das Erythropoetin (EPO). Während es beim HGH keine eigentlichen leistungsfördernden Wirkungen gibt, kann es zu schweren Schäden auch nach Abschluss der Wachstumsphase führen. Vor allem ein vergrößertes Herz kann den Sportlern dann große Probleme bereiten. EPO wird als Glycoprotein, ein zusammengesetzter Eiweißstoff, natürlich in der Niere gebildet. Es regelt die Synthesegeschwindigkeit der roten Blutkörperchen. Damit kann die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes gesteigert werden und so eine höhere Leistungsfähigkeit im Ausdauerbereich (20-30 Minuten) erreicht werden. Besonders im Radsport kommt dieser Stoff daher oft unerlaubt zum Einsatz. Allerdings führt EPO auch zu einer Verdickung des Blutes, in deren Konsequenz es zur Verstopfung der Arterien (Thrombose) und so zum Tod führen kann. Gentechnisch hergestelltes Erythropoetin wird seit 1989 zur Behandlung der Anämie bei chronischer Niereninsuffizienz (renale Anämie), bei der auch die körpereigene EPO-Bildung betroffen ist, eingesetzt. Allerdings läßt sich dieser Stoff kaum vom körpereigenen unterscheiden, was zu Problemen beim Doping-Nachweis führte. Ein seit 2001 weiterentwickeltes Medikament sorgt nun zum einen dafür, dass der Wirkstoff bei Patienten mit renaler Anämie länger im Körper bleibt und dass die Substanz besser vom körpereigenen EPO zu unterscheiden ist.

Wirkstoffgruppen, deren Zulassung eingeschränkt ist

Alkohol, Marihuana, örtliche Betäubungsmittel, Kortikosteroide und Betablocker vervollständigen die Liste. Örtliche Betäubungsmittel (außer Kokain) können bei medizinischer Indikation unter Information der Medizinischen Kommission des IOC eingesetzt werden. Kortikosteroide dürfen nur als Salben oder als Injektion verabreicht werden, wenn es medizinisch unumgänglich ist. Das gilt auch für Betablocker, also blutdrucksenkende Mittel. Substanzen, die zu den verbotenen Wirkstoffgruppen gehören, dürfen nur dann an im Wettkampf befindliche Sportler verabreicht werden, wenn ihre Verwendung durch die Medizinische Kommission des IOC ausdrücklich erlaubt ist. Auf der Liste der verbotenen Stoffe stehen aber nicht nur Substanzen, sondern konsequenterweise auch die Methoden, mit denen sie angewandt werden. Dazu zählen das Blutdoping, bei dem die verbotenen Substanzen quasi als „Eigenblutrücktransfusion" verabreicht werden. Dabei kann es zu Nierenschädigungen und anderen Nebenwirkungen kommen. Natürlich ist eine Manipulation der Urinprobe, die zur Doping-Kontrolle eingesetzt wird, auch nicht erlaubt.

Gendoping

Immer interessanter wird in den nächsten Jahren das so genannte „Gendoping" werden. Wissenschaftler und Kritiker erwarten, dass therapeutische Entwicklungen in diesem Bereich missbräuchlich im Sport eingesetzt werden. Die Veränderung des Erbguts findet sich bislang nicht auf der Dopingliste. Jedoch wird auch in diesem Bereich erwartet, dass therapeutische Entwicklungen, die sich hier anbahnen, künftig wiederum missbräuchlich zur Leistungssteigerung eingesetzt werden. Was sich nach entfernter Zukunftsmusik anhört, ist bereits in Tierexperimenten erfolgreich praktiziert worden. Im Dezember 2001 wurde einem amerikanischen Biotechnologiekonzern ein Patent für ein Verfahren zur Behandlung von Blutarmut erteilt, bei dem die Körperzellen durch Einspritzung genetisch veränderter Viren zur Produktion von EPO veranlasst werden. Im Gegensatz zum künstlich erzeugten Stoff wäre diese Form von EPO nicht mehr nachweisbar, und die Überproduktion könnte ganz einfach als angeboren deklariert werden. Allerdings ließe sich diese Manipulation wohl durch eine DNA-Analyse beweisen.

Doping, das große Katz-und-Maus-Spiel zwischen Sportlern und den Antidoping-Agenturen, schadet allen. Echte Gewinner kann es beim Doping nicht geben.

Aktualisiert: 19.03.2014
Autor*in: Susanne Köhler

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