Enzymtherapie gegen Sportverletzungen

Enzymtherapie bei Sportverletzung am Knie
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Der Sommer kommt und mit ihm nimmt gleichzeitig auch die Anzahl der Sportverletzungen wieder zu. Sei es beim Jogging, Radfahren, Klettern oder Fußballspielen – eine Unaufmerksamkeit genügt und schon ist der Knöchel verstaucht oder der Arm geprellt. Seit einigen Jahren werden bei solchen Sportverletzungen auch Enzympräparate therapeutisch eingesetzt.

Was geschieht bei einer Sportverletzung in unserem Körper?

Beim Einwirken stumpfer Gewalt reißen am Ort der Verletzung Blut- und Lymphgefäße ein und Blut und Lymphflüssigkeit tritt ins Gewebe aus – eine Schwellung entsteht und meist gleichzeitig auch ein Bluterguss. Zusätzlich werden durch den Druck des geschwollenen Gewebes auf lokale Nervenendigungen Schmerzen ausgelöst.

Im Zuge der Reparatur des geschädigten Areals kommt es durch verstärkte Durchblutung und Anstieg der Gewebetemperatur zu einer leichten Entzündungsreaktion am Ort der Verletzung. Am gesamten Heilungsvorgang und Abbau der verletzungsbedingten Gewebestoffe sind verschiedene körpereigene Enzyme beteiligt.

So läuft beispielsweise bei einem Bluterguss der Abbau des ins Gewebe eingetretenen Blutfarbstoffs Hämoglobin zum gelb-braunen Gallenfarbstoff Bilirubin über Enzyme ab. Der zunächst blau-rote Bluterguss nimmt so schließlich eine gelb-braune Farbe an und blasst ab.

Enzympräparate sollen körpereigene Enzyme unterstützen

Die traditionelle physikalische Therapie bei einem stumpfen Trauma wie etwa einer Prellung oder Verstauchung besteht in Kühlung und Kompression des geschädigten Körperteils.

Zur Unterstützung und Steigerung dieser Therapiemaßnahmen werden in der Enzymtherapie proteolytische, also eiweißspaltende Enzyme zugeführt. Benutzt werden dazu insbesondere Trypsin als tierisches, eiweißspaltendes Enzym oder Bromelain, ein Gemisch aus Enzymen der Ananas, als Wirkstoff auf pflanzlicher Basis. Das Substrat der Ananaspflanze wurde von den Indianern Mittel- und Südamerikas schon seit Hunderten von Jahren bei Verletzungen benutzt.

Kontrollierten Studien zufolge, gelingt bei Sportverletzungen durch die Gabe von Bromelain eine schnellere Abschwellung und Schmerzlinderung der verletzten Körperregion, als wenn lediglich physikalische Therapiemaßnahmen angewandt werden. Durch die Spaltung der Eiweiße, die aus dem Blut in das geschädigte Gewebe eingedrungen sind, können die zerkleinerten Abfallstoffe schneller vom körpereigenen Entsorgungssystem abtransportiert werden. Das erklärt den schnelleren Rückgang der Schwellung und infolgedessen auch des Druckschmerzes.

Enzympräparate werden aus diesem Grund als Ergänzung oder Alternative zu den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) angesehen, die als Schmerzmittel bei Sportverletzungen häufig verschrieben werden.

Präventive Einnahme ist umstritten

In der Sportmedizin wird von manchen Seiten auch zu einer prophylaktischen Einnahme von Enzympräparaten geraten, vor allem bei Sportarten, bei denen es fast regelmäßig zu Verletzungen kommt, wie Fußball, Handball oder Boxsport. Es besteht die Annahme, dass unter dem Einfluss der Enzyme Schwellungen und Schmerzen erst gar nicht in so starkem Umfang auftreten. Ob diese Maßnahme sinnvoll ist, wird in Fachkreisen jedoch unterschiedlich diskutiert.

Selten werden Nebenwirkungen beobachtet

Enzympräparate sind als Wirkstoffkombinationen oder als Monopräparate auf dem Markt. Bei den Wirkstoffkombinationen ist zu bedenken, dass es hierbei eventuell zu Unverträglichkeitsreaktionen auf die enthaltenen tierischen Inhaltsstoffe kommen kann.

Als Hauptvertreter der pflanzlichen Enzymwirkstoffe ist Bromelain seit 1997 als Monopräparat zugelassen. Da Bromelain ungeschützt von der Magensäure zerstört würde, wird der Wirkstoff in Dragees und Tabletten durch eine magensaftresistente Umhüllung geschützt. So können die Enzyme die Darmschleimhaut passieren und mit dem Blutkreislauf bis an den geschädigten Bereich gelangen.

Nebenwirkungen sind selten. Gelegentlich werden allergische Reaktionen oder vorübergehende Magen-Darm- Symptome wie Durchfälle oder Magenbeschwerden beobachtet. Es wird empfohlen, Enzympräparate zwischen und nicht zu den Mahlzeiten einzunehmen.

Aktualisiert: 07.08.2018
Autor*in: Dr. med. Gerlind Souza-Offtermatt

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