Diabetes: Behandlung und Alltag

Diabetikerin beim Sport zur Therapie ihres Diabetes © iStock.com/adamkaz

Die Anpassung des Lebensstils ist die wichtigste Maßnahme bei der Behandlung von Diabetes. Dazu gehören das Abbauen von Übergewicht und die Stabilisierung der Blutzuckerwerte, vor allem durch gesundes Essen und ausreichend Bewegung. Zu Beginn eines Diabetes Typ 2 sind oft keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Doch mit der Zeit reichen eine Ernährungsumstellung und Sport alleine oftmals nicht aus, um den Diabetes in Schach zu halten. Dann ist mitunter eine Therapie mit Tabletten oder Insulin erforderlich. Wie sehen Behandlung und Alltag bei Diabetes aus?

Diabetes: Änderung des Lebensstils als Basistherapie

Zur Behandlung von Diabetes wird zunächst durch eine Änderung des Lebensstils versucht, den Stoffwechsel in den Griff zu bekommen. Bei Typ-2-Diabetes zählt oft Übergewicht zu den Ursachen, weshalb es gilt, das Gewicht zu reduzieren. Häufig müssen auch andere Faktoren ausgeschaltet werden, die den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen können, beispielsweise das Rauchen.

Entsprechende Schulungen helfen Typ-2-Diabetikern, sich Wissen über die Erkrankung und deren Handhabung anzueignen sowie mögliche Folgeerkrankungen und die notwendigen Lebensstiländerungen kennenzulernen. Dort bekommen Betroffene auch Tipps zur erforderlichen Selbstkontrolle bei Diabetes, zum Beispiel zur Blutzuckermessung.

Ernährungsumstellung bei Diabetes

Die richtige Ernährung ist bei Diabetes besonders wichtig, denn sie beeinflusst unmittelbar den Blutzucker und – sofern Insulin gespritzt wird – auch die benötigte Insulinmenge.

Eine spezielle Diabetes-Diät ist dabei in der Regel nicht erforderlich, stattdessen wird eine ausgewogene, vollwertige Mischkost mit vielen Ballaststoffen empfohlen. Dabei sind langkettige Kohlenhydrate aus Obst und Gemüse vorzuziehen, denn im Gegensatz zu den Kohlenhydraten aus Weißmehl und Zucker lassen sie den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen.

Alkohol sollte nur in Maßen und mit Vorsicht genossen werden, da eine Unterzuckerung drohen kann, diabetische Nervenschäden verstärkt werden können, hohe Blutfettwerte gefördert werden und Alkohol sehr kalorienreich ist.

Steigerung der körperlichen Aktivität

Körperliche Aktivität ist für Diabetes-Patienten besonders wichtig, da Bewegung den Blutzuckerspiegel senkt, die Insulinempfindlichkeit der Zellen verbessert, den Blutdruck sinken lässt und das Abnehmen unterstützt. Ein erster Schritt dabei ist, sitzende Tätigkeiten möglichst zu reduzieren oder regelmäßig zu unterbrechen. Es ist zudem ratsam, kleine Bewegungseinheiten in den Alltag zu integrieren, indem man öfter etwa mal die Treppe nimmt, kleine Strecken zu Fuß zurücklegt oder Gartenarbeit verrichtet.

Welche Sportarten sind bei Diabetes geeignet?

Zusätzlich zur Bewegung im Alltag sollte ein Sport gefunden werden, der natürlich in erster Linie Spaß macht, zugleich aber möglichst auch die Ausdauer steigert. Auch die Kombination mit einem Krafttraining bietet sich an.

Empfohlen werden mindestens 150 Minuten Bewegung von moderater Intensität pro Woche. Moderate Intensität bedeutet, dass die Atmung zwar beschleunigt ist, man sich aber noch unterhalten kann. Als Alternative gelten 75 Minuten Bewegung von höherer Intensität wöchentlich. Dabei geht die Atmung so schnell, dass nur kurze Wortwechsel möglich sind.

Geeignete Sportarten für Diabetiker sind:

Sportarten wir Yoga oder Tai-Chi können zudem die Beweglichkeit und Koordination trainieren, was besonders in höherem Alter als ratsam gilt, um Stürzen vorzubeugen. Insbesondere bei Vorerkrankungen, bei starkem Übergewicht oder wenn man längere Zeit keinen Sport getrieben hat, sollte die Auswahl einer geeigneten Sportart in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Unterzuckerung durch Sport möglich

Diabetiker sollten beachten, dass Bewegung den Insulinbedarf beeinflusst. Daher besteht vor allem bei der Therapie mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen die Gefahr der Unterzuckerung (Hypoglykämie) durch sportliche Aktivität. Wichtig sind daher engmaschige Kontrollen des Blutzuckers und entsprechende Anpassungen in Bezug auf die Insulindosis oder die Zufuhr von Kohlenhydraten. Zu Stoffwechselentgleisungen kann es noch Stunden nach dem Sport kommen.
Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte reduzieren

Viele Menschen mit Diabetes weisen noch weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Folgeerkrankungen auf. Dazu gehören zum Beispiel erhöhte Blutfettwerte und ein hoher Blutdruck. Hier kann eine zusätzliche Therapie erforderlich sein, die individuell auf den Betroffenen zugeschnitten sein sollte.

Medikamentöse Behandlung von Diabetes

Nach der Diagnosestellung berät der Arzt mit dem Betroffenen, welche Medikamente für ihn am besten geeignet sind. Bei Typ-2-Diabetikern gibt es oft die Möglichkeit, mit Medikamenten die körpereigene Insulinproduktion zu steigern oder die Insulinresistenz zu beeinflussen. Diese blutzuckersenkenden Tabletten werden als orale Antidiabetika bezeichnet.

Sobald allerdings die Insulinproduktion zu dürftig ist oder – wie es für Diabetes Typ 1 typisch ist – gar nicht mehr funktioniert, muss fremdes Insulin zugeführt werden. 

Therapie mit oralen Antidiabetika

Die Einnahme von Antidiabetika bei Typ-2-Diabetes hat zum Ziel, den HbA1c-Wert zu senken und in einen individuell vereinbarten Zielbereich zu bringen. Dazu stehen verschiedene Arten von Wirkstoffen zur Verfügung. So können die Medikamente beispielsweise:

  • die Produktion von Insulin anregen (Glinide wie Repaglinid sowie Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid, Glimepirid oder Gliclazid)
  • die Wirksamkeit des vorhandenen Insulins verstärken (Biguanide wie Metformin und Glitazone wie Pioglitazon)
  • die Bildung von Insulin nur bei erhöhtem Blutzucker anregen (Glutide und Gliptine)
  • die Ausscheidung von Zucker über die Nieren verbessern (Gliflozine wie Dapagliflozin und Empagliflozin)
  • die Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Verdauungstrakt verzögern (Alpha-Glucosidasehemmer)

Alle Tabletten sollten mit Bedacht eingesetzt und wie vom Arzt verordnet eingenommen werden, denn sie können auch Nebenwirkungen haben. So kann beispielsweise eine zu starke Anregung der Insulinproduktion eine Unterzuckerung verursachen. Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder Gegenanzeigen bei etwaigen anderen Vorerkrankungen sind möglich. 

Die Therapie wird daher vom Arzt genau auf den Betroffenen abgestimmt. Da Typ-2-Diabetes eine fortschreitende Krankheit ist, kann es erforderlich sein, die Behandlung gelegentlich anzupassen. Mit der Zeit erfolgt oft eine Steigerung auf zwei verschiedene Mittel. Auch eine Kombination aus oralen Antidiabetika und Insulin (BOT) ist möglich. Die einzelnen Schritte dieses Stufenschemas sollten in der Regel jeweils drei bis sechs Monate lang beibehalten werden.

Diabetes: Behandlung mit Insulin

Reichen blutzuckersenkende Tabletten nicht mehr aus oder wird überhaupt kein Insulin mehr vom Körper produziert, ist eine Therapie mit Insulin erforderlich – bei Diabetes Typ 1 ist dies immer der Fall, bei Diabetes Typ 2 oft erst nach mehreren Jahren.

Dabei wird der Arzt mit dem Betroffenen die verschiedenen Möglichkeiten der Insulintherapie – konventionelles Schema, intensivierte Therapie oder basalunterstützte orale Therapie, Insulinpumpe oder -Pen – durchgehen und das jeweils geeignete Verfahren auswählen.

Insulin zu spritzen, ist durch die heutigen Hilfsmittel wie den Insulinpen gar nicht mehr so kompliziert. Auch die Blutzucker-Selbstkontrolle ist mit etwas Übung in den Griff zu bekommen.

Alternativen zur lebenslangen Insulintherapie werden erforscht – so kann in Einzelfällen juveniler Diabetes mit einer Inselzelltransplantation (Verpflanzung der insulinproduzierenden Zellen einer fremden Bauchspeicheldrüse) behandelt werden und im Bereich der Stammzellforschung wird nach Therapieansätzen gesucht. Auch die Darreichungsform von Insulin wird diskutiert, jedoch sind Insulin-Tabletten derzeit noch nicht verfügbar.

Leben mit Diabetes: Tipps für den Alltag

Jeder neu erkrankte Diabetiker fragt sich natürlich, inwieweit der Diabetes auf Dauer sein Leben verändern wird. Welche Folgen hat die Diagnose Diabetes? Was beeinflusst den Blutzucker? Um diese Fragen zu beantworten und das Selbstvertrauen Betroffener im Umgang mit der Erkrankung zu stärken, gibt es unterschiedlichste Schulungen zum Leben mit Diabetes. 

Mit einem gut eingestellten Blutzucker können Menschen trotz Diabetes ein fast normales Leben führen. Folgende Tipps können Ihnen helfen, Ihren Alltag besser zu gestalten:

  • Regelmäßige Kontrollen: Integrieren Sie die regelmäßigen Selbstkontrollen, beispielsweise die Messung des Blutzuckers, im Rahmen von festen Routinen in Ihren Alltag. In einem Diabetes-Tagebuch werden die Messergebnisse festgehalten.
  • Arztbesuche: Planen Sie auch die empfohlenen Kontrollen beim Hausarzt, Augenarzt und Zahnarzt ein. Die Kontrolluntersuchungen werden im Rahmen sogenannter Disease-Management-Programme der Krankenkassen geregelt.
  • Feiern: Beim Ausgehen ist zu beachten, dass Tanzen und Alkohol den Blutzucker senken können. Die Diabetestherapie muss daher gegebenenfalls angepasst werden.
  • Reisen: Als insulinpflichtiger Diabetiker, aber auch wenn Sie auf Tabletten oder Diät angewiesen sind, sollten Sie gut vorbereitet in den Urlaub aufbrechen. Informieren Sie sich vorab über den Umgang mit Zeitverschiebungen, Klimaveränderungen oder ungewohnten Speisen und sorgen Sie dafür, dass Sie Ihre Medikamente in ausreichender Menge und richtiger Lagerung mitführen. Eine Absprache mit dem Arzt ist zur Vorbereitung eines Urlaubs empfehlenswert. 
  • Unterwegs: Auch wenn Sie im Alltag unterwegs sind, sollten Sie etwaige Messgeräte und Medikamente dabeihaben und auch für den Notfall einer Unterzuckerung gewappnet sein.
  • Beruf: Ob man Arbeitgeber und Kollegen von seiner Erkrankung informieren muss, hängt vom ausgeübten Beruf ab – so gibt es Berufe, die im Falle einer Unterzuckerung mit einer möglichen Fremdgefährdung einhergehen könnten. Unabhängig vom Beruf ist es zumindest bei Therapieformen, bei denen es zu einer Unterzuckerung kommen kann, sinnvoll, die Kollegen zu informieren, damit sie im Notfall helfen können.
ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
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Aktualisiert: 15.07.2020 - Autor: Nathalie Blanck; überarbeitet: Silke Hamann

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