Unfallrisiko Diabetes – Tipps zum Umgang mit der Zuckerkrankheit

Sieben Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes – mindestens. Denn Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. Nach ihren Schätzungen sind weitere drei Millionen Bundesbürger zuckerkrank, ohne davon zu wissen. Zwar ist die Unfallgefahr bei Diabetikern laut Studien nicht größer als bei anderen Verkehrsteilnehmern. Aber dies gilt nur, wenn ihre Krankheit richtig erkannt und behandelt wird und die Patienten zudem perfekt im Umgang mit Diabetes geschult sind.

Gefahr im Straßenverkehr

Notfallmediziner berichten allerdings immer wieder, dass sie zu Unfällen gerufen werden, bei denen es aus ungeklärter Ursache und ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer zu Personenschäden gekommen ist. Teilweise ist die Unfallursache eine Unterzuckerung des Fahrers, die so genannte Hypoglykämie. Als auslösende Faktoren für eine Hypoglykämie kommen zum Beispiel Infektionen oder übermäßige körperliche Belastung sowie einfach auch Diätfehler in Frage.

Zu wenig Zucker ist problematisch

Gefährlich wird es bereits, wenn der Zuckerspiegel im Blut unter 70 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) sinkt – normal sind bei Jugendlichen und Erwachsenen circa 90 bis 110 mg/dl. Denn dann funktionieren die Zellen im Körper nicht mehr korrekt und es treten Symptome wie

  • Unruhe, Zittern,
  • Gähnen, Müdigkeit,
  • Schwindel oder Konzentrationsprobleme auf.

In Extremfällen sind auch Krampfanfälle möglich. Unsicheres Fahren, zu spätes Bremsen, unnötige Lenkbewegungen oder sogar Bewusstlosigkeit mit Verlust der Kontrolle über das Fahrzeug können dann die Folge sein. Doch wieso tritt bei Diabetikern, die vom Arzt gut eingestellt sind, überhaupt eine Unterzuckerung auf?

Normalerweise regulieren Diabetes-Kranke mithilfe von mobilen Messgeräten und Medikamenten wie Insulin ihren Blutzuckerspiegel nahezu perfekt. Werden Wirkstoffe jedoch versehentlich überdosiert oder essen Diabetiker zu wenig, kann es schnell zu größeren Abweichungen vom Idealwert kommen.

Während der Fahrt auf den Körper achten

Um von vornherein jedes Risiko auszuschließen, gilt deshalb für Diabetiker: Erst Blutzuckerspiegel messen, dann hinters Steuer setzen. Mit dem Fitness-Check vorab ist es aber nicht getan. Hat die Fahrt in den Urlaub oder vielleicht auch nur zum Bäcker begonnen, sollten Zuckerkranke nach Empfehlung des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte (agbn) beim geringsten Verdacht auf Unterzuckerung sofort anhalten und erneut den Blutzuckerspiegel überprüfen.

Zur Standardausrüstung im Fahrzeug gehören deshalb ein mobiles Blutzuckermessgerät beziehungsweise Teststreifen, Insulin, Spritzen, Medikamente und der Diabetikerausweis. Wird eine Hypoglykämie festgestellt, müssen Diabetiker schnell wirksame Kohlenhydrate wie Traubenzucker oder zuckerhaltige Softdrinks wie Cola zu sich nehmen. Diese sollten deshalb jederzeit griffbereit sein. Anschließend helfen langsamer wirkende Mahlzeiten (Brot oder Apfel), den Blutzuckerspiegel wieder in normale Bereiche zu bringen.

Die Fahrt darf aber erst dann fortgesetzt werden, wenn alle Werte stimmen und der Fahrzeuglenker sich ganz erholt hat (mindestens 15 Minuten Pause). Wer als Diabetiker diese Regeln beachtet und beispielsweise nach starker körperlicher Arbeit nicht sofort losfährt, sondern vorher noch etwas isst, hält das Unfallrisiko gering. Ansonsten gilt für Diabetiker wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer: Kein Alkohol am Steuer, defensiv fahren, Übermüdung vermeiden, Pausen machen.

Keine Angst vor Führerscheinverlust

Eingeschränkt hinsichtlich ihrer Fahrtüchtigkeit sind Diabetiker, deren Insulintherapie gerade ein- oder umgestellt wird. Sie können beispielsweise unter Sehstörungen oder Kreislaufproblemen leiden und stellen dann eine Gefahr für die Verkehrssicherheit dar. Hinters Steuer setzen sollten sich diese Patienten deshalb nur, wenn der behandelnde Arzt sein Einverständnis gibt – denn sonst drohen bei einem Unfall unter Umständen versicherungsrechtliche Konsequenzen.

Der DVR rät Diabetikern zudem, die Stoffwechseleinstellung regelmäßig überprüfen zu lassen. Sinnvoll ist ein Gang zum Arzt auch für vermeintlich gesunde Verkehrsteilnehmer, die aber häufig unter leichten Sehstörungen, kleinen Schwächeanfällen oder großem Durst leiden. Denn dies sind typische Diabetes-Symptome, die unbedingt abgeklärt werden müssen.

Nur, wer über seine Zuckerkrankheit Bescheid weiß, kann sein Verhalten darauf einstellen – und bei auftretenden Problemen auch die richtigen Maßnahmen ergreifen. Wird bei der Untersuchung tatsächlich Diabetes festgestellt, hat der Kranke seitens des Gesetzgebers wenig zu befürchten. Denn er muss weder die Diabetes-Diagnose der Fahrerlaubnisbehörde mitteilen, noch droht ein Führerscheinentzug.

Aktualisiert: 08.08.2017 – Autor: DVR

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