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Diabetes-Test: Diagnose und weitere Untersuchungen

Arzt nimmt Blutprobe für Diabetes-Test © iStock.com/vitapix

Um einen Diabetes mellitus zu diagnostizieren, stehen verschiedene Untersuchungen zur Verfügung. Eine überaus wichtige Bedeutung hat darüber hinaus die Untersuchung der Nerven und Gefäße sowie der Organe, für die ein hoher Blutzucker besonders gefährlich ist. Hier muss geprüft werden, ob bereits Schäden entstanden sind. Welche Tests zur Diagnose von Diabetes sinnvoll sind und welche weiteren Untersuchungen erfolgen sollten, erfahren Sie hier.

Untersuchungen bei Diabetes

Wenn aufgrund der typischen Symptome der Verdacht auf Diabetes mellitus besteht, sollten Betroffene zunächst ihren Hausarzt aufsuchen. Dieser kann entsprechende Tests und Untersuchungen vornehmen, um die Diagnose Diabetes zu stellen. Folgende Untersuchungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:

  • Anamnese (Krankheitsgeschichte erfragen): Beschwerden wie vermehrter Harndrang und großes Durstgefühl können Aufschluss darüber geben, wie lange der Diabetes schon unerkannt besteht.
  • Urinuntersuchung: Mithilfe eines Teststreifens kann der Harnzucker ermittelt werden. Wird Zucker mit dem Urin ausgeschieden, ist das ein Hinweis auf einen erhöhten Blutzuckerspiegel und damit auf das Vorliegen eines Diabetes. Jedoch kann dieser schnelle Test lediglich dazu dienen, einen ersten Verdacht zu erhärten, während ein negatives Ergebnis keinen Ausschluss der Erkrankung erlaubt: Oftmals scheiden die Nieren trotz eines erhöhten Blutzuckerspiegels nicht gleich Zucker mit dem Harn aus. Die sogenannte Nierenschwelle liegt bei etwa 8,9 bis 10 mmol/l (160 bis 180 mg/dl).
  • Blutuntersuchungen: Größte Bedeutung für die Diabetesdiagnostik hat die wiederholte Blutzuckerbestimmung. Dabei muss der Blutzuckerwert (nüchtern, nach dem Essen und nach der Einnahme von Glukose) betrachtet werden und auch der Blutzucker-Langzeitwert (HbA1c) wird im Verlauf der Erkrankung immer wieder kontrolliert.
  • Antikörpertest: Ein Test auf sogenannte Autoantikörper (ein charakteristisches Merkmal von Autoimmunerkrankungen) kann durchgeführt werden, wenn unklar ist, um welche Form von Diabetes es sich handelt. Während solche Autoantikörper sich bei Diabetes Typ 1 noch vor dem Auftreten erster Symptome nachweisen lassen, liegen sie bei Typ 2 überhaupt nicht vor.

Blutzuckermessungen: vier wichtige Tests

Die wichtigsten Tests zur Diagnose eines Diabetes sind die Messungen der unterschiedlichen Blutzuckerwerte. Auch im Krankheitsverlauf kommt den Blutzuckerwerten eine besondere Rolle zu, denn richtig eingestellter Blutzucker hilft, Folgeerkrankungen zu vermeiden. Dabei werden vier Arten von Blutzuckertests unterschieden. Was sagen diese Tests aus und welche Grenzwerte gelten?

HbA1c-Wert (Blutzucker-Langzeitwert)

Mit dem HbA1c-Wert wird die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration der letzten acht bis zwölf Wochen beschrieben. Zur Bestimmung ist eine Blutprobe erforderlich, die nüchtern, also vor dem Essen, genommen wird. Folgende Grenzwerte gelten dabei:

  • unter 39 mmol/mol (unter 5,7 Prozent): kein Diabetes
  • 39 bis 48 mmol/mol (5,7 bis 6,5 Prozent): Prädiabetes (eine mögliche Vorstufe von Diabetes)
  • mehr als 48 mmol/mol (mehr als 6,5 Prozent): Diabetes

Liegen die Werte im mittleren Bereich, erlaubt das Testergebnis weder einen Ausschluss noch die sichere Bestätigung eines Diabetes mellitus. In diesem Fall werden weitere Tests durchgeführt.

Nüchternblutzuckerwert

Zur Bestimmung des Nüchternblutzuckerwertes wird morgens, nach einem mindestens achtstündigen Verzicht auf Nahrung, eine Blutprobe entnommen. Es wird der Zuckerwert im venösen Plasma ermittelt. Dabei gelten folgende Werte:

  • unter 100 mg/dl (unter 5,6 mmol/l): kein Diabetes
  • 100 bis 126 mg/dl (5,6 bis 7 mmol/l): Prädiabetes (je nach Quelle gilt hier ein Mindestwert von 110 mg/dl (6,1 mmol/l)
  • mehr als 126 mg/dl (mehr als 7 mmol/l): Diabetes

Auch hier ist bei Testergebnissen im mittleren Bereich lediglich der Hinweis auf eine gestörte Glukosetoleranz gegeben. In diesem Fall sollte ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt werden.

Oraler Glukosetoleranztest (oGTT)

Dieser Test gibt Auskunft darüber, wie gut Zucker aus der Nahrung in die Zellen aufgenommen wird. Normalerweise sorgt das Insulin im Körper dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, wodurch der Blutzuckerwert schnell wieder absinkt. Bei Diabetes ist dieser Prozess gestört und der Blutzuckerspiegel bleibt länger erhöht.

Beim oGTT wird auf nüchternen Magen (üblich sind acht bis zwölf Stunden Verzicht auf Nahrung und Zigaretten) eine Zuckerlösung mit 75 Gramm Zucker getrunken. Zu Beginn und nach zwei Stunden wird jeweils eine Blutprobe genommen. Für die Werte zu Beginn gelten die bereits genannten Nüchternblutzuckerwerte. Folgendes sagen die oGTT-2-Stunden-Werte aus:

  • weniger als 140 mg/dl (7,8 mmol/l): kein Diabetes
  • 140 bis unter 200 mg/dl (7,8 bis unter 11,1 mmol/l): Prädiabetes
  • größer oder gleich 200 mg/dl (11,1 mmol/l): Diabetes

Dieser Test spielt bei der Diagnose von Typ-1-Diabetes nur eine geringe Rolle.

Gelegenheits-Blutzucker

Auch der sogenannte Gelegenheits-Blutzucker, der im nicht-nüchternen Zustand im venösen Plasma gemessen wird, kann zur Stellung der Diagnose Diabetes beitragen, wenn bereits Symptome vorliegen. Als Grenzwert gilt ein Wert von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) oder höher. Die Ergebnisse sollten jedoch zusätzlich durch eine Bestimmung des oGTT-Wertes oder des Nüchternblutzuckers abgesichert werden. 

Weiterführende Untersuchungen bei Organschäden

Wenn die Diagnose Diabetes ausgesprochen wird, sollten alle Organe, für die ein hoher Blutzucker besonders schädlich ist, auf schon bestehende Schäden untersucht werden. 

Der erhöhte Blutzuckerspiegel schädigt die Organe unseres Körpers in unterschiedlicher Weise. Die großen Blutgefäße, in denen das zu "zuckrige" Blut fließt, neigen zu Arterienverkalkung und begünstigen dann Bluthochdruck und schlimmstenfalls einen Herzinfarkt, weitere Herzprobleme oder einen Schlaganfall. Auch andere Organe können einen Infarkt erleiden. Aber auch die Nieren (diabetische Nephropathie) und Augen (diabetische Retinopathie) können durch die Gefäßschädigungen Schaden nehmen. 

Die schlechte Durchblutung betrifft auch die kleinsten Nervenendigungen (diabetische Polyneuropathie). Bei Diabetikern sind die Nerven in der Folge weniger empfindlich für Reize, was besonders an den Füßen zusammen mit der schlechten Durchblutung schnell zum Krankheitsbild des diabetischen Fußes führen kann. Diese Infektanfälligkeit zeigt sich aber auch in anderen Körperregionen, etwa in Form von Zahnentzündungen oder Pilzinfektionen.

Eine sorgfältige Augenuntersuchung, eine Nierenfunktionsprüfung, ein EKG für die Herzfunktion und eine Prüfung der Beindurchblutung und Nervenfunktion sind unabdingbar, um sich einen Überblick über Ausfälle oder Funktionsstörungen zu verschaffen.

Regelmäßige Kontrollen sind wichtig

Um Folgeerkrankungen zu vermeiden oder rechtzeitig zu erkennen, sollten sich Diabetiker regelmäßig ärztlichen Kontrollen unterziehen. Dazu gehören unter anderem:

  • der HbA1c-Wert und der Blutzucker (nüchtern und nach dem Essen)
  • der sogenannte Mikroalbuminurietest zur Feststellung von Eiweißen im Urin, die auf eine Nierenschädigung hindeuten können
  • die Kontrolle der Füße auf Geschwüre oder Verletzungen sowie der Beingefäße
  • neurologische Untersuchungen
  • die Cholesterinwerte
  • der Kreatininwert im Serum
  • eine Herzkontrolle mittels EKG
  • eine Untersuchung der Augen beim Augenarzt

Schwangerschaftsdiabetes bedeutet Gefahr für Mutter und Kind. Eine solche Schwangerschaft wird immer als Risikoschwangerschaft klassifiziert und muss besonders überwacht werden.

Selbstkontrollen bei Diabetes

Darüber hinaus sollten Diabetiker selbst regelmäßige Selbstkontrollen vornehmen. Wichtig sind dabei:

  • Blutdruck
  • Körpergewicht
  • Harnzuckerwert
  • Blutzuckerwert
  • Acetonwert im Urin

Mit einer Kontrolle des Urins auf den Stoff Aceton können Stoffwechselentgleisungen festgestellt werden, die zu einem diabetischen Koma führen können. Die Acetonbestimmung kann mit einem speziellen Teststreifen erfolgen. Darüber hinaus sollten die Füße täglich kontrolliert werden, um einem diabetischen Fuß vorzubeugen.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 18.05.2020 – Autor: Nathalie Blanck; überarbeitet: Silke Hamann

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