Nebenhoden - Warteschleife für Spermien

Nebenhoden: Mann hält Hände über Genitalbereich
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Die wenigsten Männer (geschweige denn Frauen) wissen, dass der Hodensack neben den Hoden auch noch die Nebenhoden beherbergt. Dabei sind diese besonders wichtig für die Fruchtbarkeit des Mannes: Hier reifen die Spermien heran und warten auf ihren "Einsatz“.

Wie sehen die Nebenhoden aus und was machen sie genau?

Die Nebenhoden (Epididymis, Parorchis) gehören zusammen mit Penis und Hoden zu den männlichen Geschlechtsorganen. Gemeinsam mit den Hoden sitzen sie im Hodensack (Skrotum). Wie ein "C“ ziehen sie sich auf der Rückseite der Hoden von deren oberen Ende längs nach unten.

Jeder Nebenhoden ist etwa 5 cm lang und enthält in seinem Inneren einen bis zu 6m langen, stark geschlungenen Schlauch, den Nebenhodengang (Ductus epididymidis). Das obere Ende, der Kopf des Nebenhodens (Caput epididymidis), ist über viele kleine Kanäle, die Hodenkanälchen (Ductuli efferentes), mit dem Hoden verbunden.

Der mittlere Abschnitt des Nebenhodens wird Körper (Corpus epididymidis) genannt. Am unteren Ende folgt der Schwanz des Nebenhodens (Cauda epididymidis), der direkt in den Samenleiter übergeht. Der Samenleiter mündet schließlich auf Höhe der Prostata in die Harnröhre. Der gesamte Nebenhoden ist über Bindegewebe (Mesepididymis) eng mit den Hoden verbunden.

Das Innere des Nebenhodengangs ist mit einem Gewebe (Zylinderepithel) ausgekleidet, das dicht mit kleinen "Wimpern“ (Stereozilien) besetzt ist. Außen sitzen an Nebenhodenkopf und -körper kontraktile Myofibroblasten (Bindegewebszellen, die sich zusammenziehen), der Schwanz wird von glatten Muskelzellen umgeben. Dadurch kann sich der Nebenhodengang zusammenziehen und die Spermien weitertransportieren.

Welche Funktion haben die Nebenhoden?

Über die Hodenkanälchen gelangen die unreifen Samenzellen aus den Hoden in die Nebenhoden. Der Kontakt mit der Wand des Nebenhodenganges, dem Nebenhodenepithel, ist wichtig für die spätere Beweglichkeit der Spermien. Das Epithel sondert Glykoproteine ab, also Moleküle aus Zucker und Eiweiß. Diese werden von der Oberfläche der Samenzellen aufgenommen.

Durch Kontraktion der Myofibroblasten werden die Spermien im Verlauf von etwa 12 Tagen vom Kopf über den Körper bis zum Nebenhodenschwanz befördert, wo sie schließlich gespeichert werden. Wenn sich die glatte Muskulatur des Nebenhodenschwanzes kontrahiert, werden die Spermien über den Samenleiter zur Harnröhre transportiert und schließlich bei der Ejakulation nach außen abgegeben. Ihre endgültige Befruchtungsfähigkeit erreichen die Samenzellen übrigens erst im weiblichen Genitaltrakt.

Die so genannte Kapazitation, die vom Östrogen im weiblichen Körper ausgelöst wird, befähigt die Spermien, die Hülle des weiblichen Eis zu durchdringen.

Aktualisiert: 22.04.2015
Autor*in: Nathalie Blanck

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