Homocystein (Homozystein)

Seit einigen Jahren wird diese Substanz in den Medien immer mal wieder im Zusammenhang mit Gefäßverkalkung, Herzinfarkt und Schlaganfall erwähnt. Doch die wenigsten wissen, was es mit ihr nun genau auf sich hat. Homocystein ist ein Zwischenprodukt im menschlichen Eiweißstoffwechsel, genauer beim Abbau von Methionin. Diese Aminosäure muss täglich über die Nahrung zugeführt werden und dient dem Körper u.a. als wichtige Schwefelquelle. Homocystein ist dagegen ein giftiges Abfallprodukt und wird deshalb schnell gebunden, mit Hilfe von Vitamin B12 und Folsäure zurück in Methionin verwandelt oder mit Hilfe von Vitamin B6 weiter abgebaut und zum Großteil über die Nieren ausgeschieden.

Ursachen eines erhöhten Homocysteinspiegels

Die beschriebenen Stoffwechselwege sind wichtig zum Verständnis, auf welchem Weg es zu einem potenziell gefährlichen Überschuss an Homocystein im Blut kommen kann. Hier einige der Ursachen:

  • Im Alter lässt die Nierenfunktion nach und der Homocysteinspiegel steigt natürlicherweise an (um etwa 10% alle 10 Jahre).
  • Werden über die Nahrung nicht ausreichend Folsäure und Vitamine der B-Gruppe zugeführt, kann Homocystein nicht umgebaut und damit beseitigt werden. Übermäßiger Kaffeekonsum behindert die Aufnahme von Folsäure und B-Vitaminen im Magen-Darm-Trakt.
  • Bei methioninreicher Kost (z. B. Eier, Fisch, Innereien, Paranüsse, Mais) fällt vermehrt Homocystein an.
  • Zahlreiche Medikamente beeinflussen den Methioninstoffwechsel und „verbrauchen“ die B-Vitamine oder Folsäure, sodass diese nicht mehr ausreichend ihre Aufgaben erfüllen können. Dazu gehören Antibiotika, Tuberkulosemittel, Antiepileptika, die Pille, Rheumamittel und Schleimlöser.
  • Auch bestimmte Krankheiten erhöhen den Gesamtbedarf an Vitamin B und Folsäure, so z. B. Diabetes, Krebs, Leberkrankheiten oder Nervenerkrankungen (Neuropathien).
  • Bei Nierenschwäche wird das Homocystein nicht mehr ausreichend abgebaut und ausgeschieden.
  • Selten liegt eine angeborene Erkrankung des Aminosäurestoffwechsels zugrunde, bei der Stoffwechselweg selbst gestört ist (Homocysteinurie).

Übrigens: Auch mangelnde Bewegung scheint die Menge an Homocystein in die Höhe zu treiben.

Zu viel Homocystein ist gefährlich

Homocystein schädigt den Körper auf verschiedenen Wegen. So aktiviert es Blutplättchen – und fördert dadurch die Blutgerinnselbildung. Es schädigt die Zellen z. B. an den Innenwänden der Gefäße direkt und – über die Aktivierung diverser Mechanismen – auch indirekt. Es animiert Fresszellen dazu, in die Gefäßwände einwandern und Muskelzellen dazu, sich zu verändern. Die Folgen? Dauerhaft erhöhte Homocysteinspiegel im Blut (Hyperhomocysteinämie) fördern vermutlich die Gefäßverkalkung und damit die Entstehung entsprechender Krankheiten: Herzinfarkt, Schlaganfall, arterielle Verschlusskrankheit – Krankheiten, an denen immerhin fast jeder 2. Bundesbürger stirbt. Es scheint auch das Risiko für eine Venenthrombose zu erhöhnen. Daneben wird diskutiert, dass Homocystein auch Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit und die durch Gefäßveränderungen bedingte Demenz, ist, sowie für die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), eine häufige im Alter zunehmende Sehstörung.

Homocystein bestimmen

Die Bestimmung der Homocysteinkonzentration im Blut erfolgt, um das individuelle Risiko für Arteriosklerose und entsprechende Folgeerkrankungen zu bestimmen, insbesondere bei Patienten, die auch andere Risikofaktoren wie erhöhte Blutfettwerte aufweisen; außerdem bei Verdacht auf eine Homocysteinurie. Die Blutentnahme erfolgt morgens nüchtern, 2–3 Tage vorher sollten keine methioninreiche Kost aufgenommen und möglichst wenig Kaffee getrunken werden.
Der Normalwert liegt unter 10 μmol/L (Mikromol pro Liter). Ist der Homocysteinspiegel erhöht, wird – je nach Ausmaß und weiteren Risikofaktoren – die Therapie mit Folsäure-, Vitamin-B6 und Vitamin-B12-Präparaten empfohlen und zwar auf Dauer.

Aktualisiert: 06.12.2013 – Autor: Dagmar Reiche

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