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Kawasaki-Syndrom (Kawasaki-Krankheit)

Kind mit Kawasaki-Syndrom beim Arzt © iStock.com/AlexRaths

Ihr Kind fühlt sich furchtbar krank und hat tagelang Fieber, dem kaum beizukommen ist, eine rote Zunge, Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten und Gelenkschmerzen? Nicht immer ist eine typische Kinderkrankheit wie Masern oder Scharlach für solche Symptome verantwortlich. Auch das seltene Kawasaki-Syndrom macht sich so bemerkbar. Was steckt dahinter?

Was ist das Kawasaki-Syndrom?

Das Kawasaki-Syndrom (KS) ist eine lebensgefährliche, aber seltene Krankheit, die meist im Kleinkind- oder Kindesalter auftritt. Sie gehört zu den Vaskulitis-Syndromen, also fieberhaften Krankheiten verschiedener Ursache, bei denen Entzündungen der Gefäße im Vordergrund stehen. Da die Gefäße im ganzen Organismus vorkommen, sind die Symptome entsprechend vielseitig.

Die Krankheit wird fachsprachlich auch als mukokutanes Lymphknotensyndrom (MCLS) bezeichnet.

Kawasaki-Syndrom: Wer ist betroffen?

Das Kawasaki-Syndrom betrifft nur Kinder (in 85 Prozent der Fälle unter fünf Jahren), Jungen häufiger als Mädchen. Meistens sind Kinder zwischen einem und acht Jahren betroffen, doch auch Jugendliche oder Säuglinge können erkranken.

In Japan ist die Erkrankungsrate um ein Vielfaches höher als in anderen Ländern. In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 5 bis 17 von 100.000 Kindern, also etwa 200 bis 600 Kinder pro Jahr. Es wird immer wieder über kleine Epidemien berichtet, die besonders häufig im Spätwinter und Frühling auftreten.

Entdeckung der Kawasaki-Krankheit

Das Kawasaki-Syndrom verdankt seinen Namen dem japanischen Arzt Tomisaku Kawasaki, der es um 1967 das erste Mal beschrieb. Ob die Krankheit tatsächlich in den 60er-Jahren neu aufgetaucht ist oder vor der Erstbeschreibung bereits existierte, ist umstritten.

Eine These ist zum Beispiel, dass erst die Einführung der Antibiotika ermöglicht hat, die Krankheit zu erkennen, die sich sonst hinter anderen Symptomen einer Infektion wie Scharlach versteckt hatte. Eine andere Vermutung ist, dass die Erkrankung nur eine andere Verlaufsform einer – auch vorher schon bekannten – Form einer Gefäßentzündung (Polyarthritis nodosa) ist.

Interessanterweise wurde Anfang der 70er-Jahre auf Hawaii unabhängig von der – bis dahin nur auf japanisch existierenden – Veröffentlichung Kawasakis die gleichen Krankheitssymptome beschrieben. Auch hier sind sich die Forscher noch nicht einig, ob das Zufall ist oder sich die MCLS Ende der 60er-Jahre von Japan aus über Hawaii auf die westliche Welt ausgebreitet hat.

Wie entsteht das Kawasaki-Syndrom?

Die genaue Ursache des Kawasaki-Syndroms ist noch immer unbekannt. Allerdings gehen die meisten Fachleute davon aus, dass ein Erreger beziehungsweise dessen Giftstoffe (ein Virus oder Gift produzierende Bakterien) das Kawasaki-Syndrom auslösen. Dabei muss vermutlich eine erbliche Disposition, also Anfälligkeit des Körpers, entsprechende Beschwerden zu entwickeln, vorhanden sein.

Für diese These, die von einer Kombination aus Infektion und genetischer Vorbelastung ausgeht, sprechen folgende Faktoren:

  • saisonales und geografisch gehäuftes Auftreten
  • akuter Verlauf; die Symptome gleichen anderen infektiösen Krankheitsbildern, die durch bakterielle Giftstoffe ausgelöst werden
  • bestimmte genetisch festgelegte Strukturen an der Zelloberfläche (Histokompatibilitätsantigen HLA-Bw22) kommen bei Betroffenen häufiger vor

Als sicher gilt, dass die Krankheit nicht ansteckend ist und somit keine Ansteckung in der Familie oder von anderen Kindern erfolgen kann. Aufgrund der unklaren Ursachen gibt es derzeit jedoch auch keine Möglichkeit, dem Kawasaki-Syndrom vorzubeugen.

Quellen und weitere Informationen

Aktualisiert: 14.05.2020 – Autor: Dagmar Reiche; überarbeitet: Silke Hamann

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