Narkolepsie (Schlafkrankheit)

Frau mit Narkolepsie schläft an Schreibtisch © istockphoto, fizkes

Fast jeder hat das schon einmal selbst erlebt: Man sitzt in einer langen Besprechung oder wohnt einem Vortrag bei, und langsam fallen einem die Augen zu, man nickt ein. Auch eine gewisse Schläfrigkeit nach einem üppigen Mittagessen, das sogenannte Suppenkoma, ist nichts Außergewöhnliches. Wird man vom Schlaf aber des Öfteren völlig unvorbereitet und unkontrollierbar während Tätigkeiten übermannt, die eigentlich die volle Aufmerksamkeit erfordern, kann dies ein Hinweis auf eine Krankheit namens Narkolepsie (Schlafkrankheit) sein.

Narkolepsie: Namensherkunft

Die Narkolepsie wurde zum ersten Mal im Jahr 1880 von Jean Baptiste Edouard Gélineau (1859-1906) beschrieben, der den Namen "Narkolepsie" von den griechischen Worten narkosis (Betäubung) und lepsis (überraschen) ableitete. In Deutschland leiden zwischen 20.000 und 40.000 Menschen an Narkolepsie, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher ist. Narkolepsie ist nicht mit der bekannteren Epilepsie zu verwechseln.

Narkolepsie oder auch Schlafkrankheit

Narkolepsie ist eine chronische, neurologische Erkrankung, die vermutlich auf einen Mangel des Botenstoffes Hypocretin im Gehirn zurückzuführen ist. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Schlaf-Wach-Verhaltens. Typisch für fast alle Narkolepsie-Patienten ist, dass sie von einer mehr oder weniger schweren Tagesschläfrigkeit geplagt werden. Im Extremfall kommt es zu sogenannten imperativen Einschlafattacken, gegen die sich der Betroffene nicht zur Wehr setzen kann. Passieren kann dies auch in ungewöhnlichen Situationen, etwa beim Essen oder Autofahren.

Ein solcher Schlafanfall kann eine Minute aber auch bis zu einer Stunde andauern. Wird ein Narkoleptiker frühzeitig aus einem Schlafanfall geweckt, kann es passieren, dass er kurz darauf wieder einschläft. Wird dem narkoleptischen Schlafbedürfnis nicht nachgegeben, summiert sich dieses auf – der Betroffene fühlt sich noch müder. Gibt er dem Schlafbedürfnis jedoch nach, fühlt sich der Patient erfrischt und munter, doch nach einiger Zeit kann es zu einer erneuten Schlafattacke kommen.

Narkolepsie: Anzeichen und Symptome

Meistens kommt es zu ersten Narkolepsie-Anzeichen zwischen dem 15. und dem 30. Lebensjahr; es können aber auch schon früher oder erst später erste Anzeichen von Narkolepsie auftreten. Man unterscheidet in der Regel vier Haupt-Symptome der Narkolepsie (auch als narkoleptische Tetrade oder Symptom Komplex bezeichnet). Diese Narkolepsie Symptome werden auf der nächsten Seite näher behandelt und lauten wie folgt:

  • Erhöhte Tageschläfrigkeit bis hin zum absoluten Schlafzwang
  • Kataplexien (affektiver Tonusverlust: Verlust der Muskelkontrolle)
  • Abnormer Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Schlafparalyse (Schlaflähmung) mit hypnagogen (schlafbezogene) Halluzinationen

Hinzu werden häufig noch die typischen, automatisierten Handlungen gezählt. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Narkolepsie-Patienten beim Laufen einschlafen und dadurch vor ein Auto laufen. Narkolepsie-Patienten sollten deswegen immer besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen – Autofahrer, die unter Narkolepsie leiden, müssen bei einer drohenden Schlafattacke sofort rechts ranfahren, um Unfälle zu vermeiden.

Auch sollten Narkolepsie-Betroffene möglichst körperliche Arbeit meiden. Wer im Schlafen gefährliche Maschinen weiter bedient, kann auch hier schwere Unfälle verursachen. Selbst im Haushalt ist besondere Vorsicht geboten. Nicht selten schlafen Betroffene beim Kochen ein – verwenden Sie nur die falschen Gewürze, geht die Sache noch glimpflich aus.

Narkolepsie: Diagnose und Verlauf

Selbst viele Ärzte können die Symptome der Narkolepsie nicht immer richtig zuordnen. Fälschlicherweise werden sie oft mit denen einer Epilepsie oder Depression verwechselt oder - schlimmer noch - als absichtliche Faulheit missdeutet. Daher dauert es manchmal viele Jahre bis zu einer korrekten Diagnose. Die Auswirkungen auf das soziale Umfeld können tatsächlich häufig zu Depressionen führen, da Narkolepsie nicht nur lange unerkannt, sondern oft mit einer geistigen Beeinträchtigung gleichgesetzt wird. Dies ist jedoch nicht der Fall, Narkolepsie ist eine rein organische Krankheit.

Die Diagnose von Narkolepsie erschwert sich dadurch, dass der Verlauf der Krankheit oft schleichend voranschreitet. Häufig treten jahrelang zunächst nur eine erhöhte Tageschläfrigkeit, gefolgt von Schlafattacken, auf. Bisweilen wird berichtet, dass die Kataplexie zum Beispiel durch Stress, Überforderung oder Krankheiten ausgelöst werden kann. Generell kann die Ausformung der Symptome von Narkolepsie individuell sehr unterschiedlich sein.

Narkolepsie: Therapie und Behandlung

Man kann der Narkolepsie zwar weder vorbeugen, noch kann man sie nach bisherigem Wissensstand heilen; eine Behandlung der Symptome ist aber empfehlenswert, weil sie dem Betroffenen helfen kann, im Alltag und im Berufsleben besser mit seiner Krankheit zurechtzukommen. Mittel der ersten Wahl für die Therapie der exzessiven Tagesschläfrigkeit bei Narkolepsie ist der Wirkstoff Modafinil. Modafinil erhöht die Wachheit am Tag, indem es auf die Schlaf-Wach-Zentren im Gehirn einwirkt.

Parallel dazu wird auch der Nachtschlaf der Narkoleptiker medikamentös reguliert. Die Patienten können dadurch je nach Ausprägung der Narkolepsie wieder ein fast normales Leben führen. Wenn man vermutet, dass man an einer Narkolepsie leidet, macht es also Sinn, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen.

Steht die Diagnose Narkolepsie dann fest, sollte man auch seine Angehörigen, die Arbeitskollegen und den Arbeitgeber darüber informieren, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, beziehungsweise soziale Hilfeleistungen anzufordern. Narkolepsie hat den Status einer Schwerbehinderung, der auch zu einer völligen Arbeitsunfähigkeit führen kann. Wichtig ist zudem die frühzeitige Behandlung von Narkolepsie, um den sozialen Rückzug der Betroffenen zu vermeiden.

Aktualisiert: 04.08.2017 – Autor: Daniela Heinisch

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