Schlaganfall: Definition und Ursachen

Mann hat Schlaganfall © istockphoto, LightFieldStudios

Ein Schlaganfall ist ein unmittelbar auftretender neurologischer Ausfall von unterschiedlicher Ausprägung, welcher meist von einer akuten Durchblutungsstörung im Gehirn hervorgerufen wird. Das menschliche Gehirn verfügt über Milliarden von Nervenzellen, welche untereinander vernetzt sind. Es beherbergt das "Bewusstsein" und steuert gleichzeitig alle Körperfunktionen sowie Sinneswahrnehmungen.

Steuerungszentrale Gehirn

Wie der Prozessor eines PC tauscht das Gehirn ständig Informationen mit den "ausführenden Organen" aus. Dabei haben verschiedene Regionen auf der Oberfläche des Gehirns auch verschiedene Kontrollfunktionen. Jeder Region des Körpers sowie jeder Organfunktion kann ein bestimmtes Hirnareal zugeordnet werden. Kurzzeitige oder langanhaltende Funktionsstörungen in den einzelnen Zentren des Hirns verursachen daher auch unmittelbare Störungen in den zugehörigen Körperregionen.

Symptome eines Schlaganfalls

Was im Volksmund als Schlaganfall bezeichnet wird, meint eine plötzlich – wie ein Schlag – auftretende neurologische Funktionsstörung. In gängiger Vorstellung von einem Schlaganfall tritt eine jäh einsetzende Lähmung auf einer Körperseite auf. Zusätzlich zu diesem Phänomen, das Hemiparese genannt wird, können aber auch zahlreiche weitere neurologische Funktionsstörungen durch einen Schlaganfall hervorgerufen werden. Dazu gehören:

  • Sehstörungen
  • Sehverlust
  • Schwindel
  • Unsicherheit beim Gehen
  • Sprechstörungen
  • Gefühlsstörungen
  • Bewusstseinstrübungen

Ursachen für einen Schlaganfall

Ein Schlaganfall entspricht also einer unmittelbaren Funktionsstörung im Hirn, welche sich als eines vieler Symptome in der "Peripherie" äußert. Diese Störungen können verschiedene Ursachen haben:

  • Akute Durchblutungsstörungen (bedingt durch Gefäßenge oder – seltener – Einblutung)
  • Verletzung (Trauma)
  • Entzündung
  • Tumore

Häufigste Ursache für einen Schlaganfall ist eine akute Durchblutungsstörung des Gehirns. Die Durchblutung des Hirns erfolgt über die zwei Halsschlagadern, welche ein verzweigtes Netz an Gefäßen innerhalb sowie außerhalb des Schädelknochens speisen, um so Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Das Gehirn arbeitet stoffwechselintensiv und reagiert daher sehr sensibel auf Durchblutungsstörungen. Bereits ein Durchblutungsstopp von ein paar Sekunden kann Störungen des Bewusstseins oder neurologische Ausfälle hervorrufen.

Dauert eine Durchblutungsstörung mehrere Minuten an, wird das betroffene Hirnareal irreparabel geschädigt. Folge: bleibende Infarktnarben im Hirn und dauerhafte Einschränkungen in jeweils untergeordneter Körperfunktion. Viele Schlaganfall-Patienten sind daher beispielsweise auch Jahre nach dem Anfall noch halbseitig gelähmt.

Formen eines Schlaganfalls

Man unterscheidet in mikro- und makrovaskuläre Hirninfarkte, je nachdem, ob große Gefäße oder kleine Gefäßaufzweigungen der Grund für eine Durchblutungsstörung sind. Ob ein Schlaganfall durch eine plötzliche Blutleere in einem Hirnareal oder eine Einblutung nach dem Riss eines Gefäßes (welche letztlich ebenfalls zu einer Minderversorgung eines Hirnareals führt), hervorgerufen wurde, ist wichtig für eine richtige Diagnose.

Grundsätzlich wird ein Hirnschlag zu etwa 85 Prozent von einer plötzlichen Durchblutungsstörung in einem Gefäßbezirk des Hirns als Folge eines Gefäßverschlusses verursacht. Ein Gefäßverschluss kann wiederum folgende Ursachen haben:

  • Thrombose: Bildung eines Blutgerinnsels als überschießende Reaktion des Gerinnungssystems. Meist in Gefäßen, welche bereits durch Aderverkalkung vorgeschädigt sind. Thrombose bringt dabei häufig das Fass zum Überlaufen, da sie ein bereits stark verengtes Gefäß endgültig komplett verschließt.
  • Embolie: Embolie bedeutet Verschleppung eines Blutgerinnsels, das sich beispielsweise im Herzen oder an einer Wand eines größeren Gefäßes gebildet hat, durch den Blutstrom. Erreicht dieses Blutgerinnsel ein Gefäß mit geringerem Durchmesser, kann daraus ein akuter Verschluss resultieren.
  • Hämodymische Störung: Hämodynamischer Infarktmechanismus beruht auf demselben Prinzip wie die Wasserversorgung einer Wohnung in einer höheren Etage. Sinkt der Druck des Wassers in den Leitungen auf ein bestimmtes Maß ab, versiegt die Wasserversorgung als erstes in den Wohnungen, welche am höchsten liegen. Da unser Kopf auch die höchstgelegene Position aller Organe hat, kann ein kritisches Abfallen des Blutdrucks zu Durchblutungsstörungen im Hirn führen. Hierfür muss allerdings zusätzlich eine hochgradige Engstelle, beispielsweise an den großen arteriellen Halsgefäßen bestehen. In manchen Fällen können aber auch Fettpartikel nach ausgedehnten Verletzungen oder Luft, welche ins Gefäßsystem eingedrungen ist, zu embolischen Gefäßverschlüssen führen.
  • Entzündungen: Gelegentlich führen auch Entzündungen an den Hirngefäßen zu plötzlichen Gefäßverschlüssen, was zum Schlaganfall führt.

Sehr viele Schlaganfälle werden durch eine jahrelang fortschreitende Aderverkalkung verursacht, welche lange Zeit keine Beschwerden hervorruft, aber letztlich über einen der oben dargestellten Mechanismen Schlaganfälle begünstigt. Wesentlicher Risikofaktor für diese Arteriosklerose der großen sowie kleinen Hirngefäße ist Bluthochdruck.

Weitere Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind erhöhte Blutfettwerte, Rauchen, Diabetes, Fettleibigkeit, oder Antibabypille.

Aktualisiert: 20.07.2017 – Autor: Dagmar Reiche, Kristina Klement

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