Schlaganfall – Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Schlaganfall-Patient im Krankenhaus © istockphoto, Wavebreakmedia

In der Todesursachenstatistik stehen Schlaganfälle in den westlichen Industrienationen nach Herzerkrankungen und bösartigen Tumorerkrankungen an dritter Stelle. Ungefähr jeder zehnte Einwohner eines westlichen Landes stirbt demnach an einem plötzlichen Schlaganfall, wobei das Erkrankungsrisiko mit steigendem Alter deutlich zunimmt. Im siebten Lebensjahrzehnt ist der Schlaganfall die zweithäufigste Todesursache. Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen.

Transitorische ischämische Attacke und PRIND

Je nach Ausmaß und Dauer der akuten Durchblutungsstörungen im Gehirn können die unterschiedlichsten Beschwerdebilder auftreten, wobei fließende Übergänge zwischen einer vorübergehenden, flüchtigen Symptomatik und lebenslang persistierenden neurologischen Ausfällen bestehen: 

  • Bei nur kurz andauernden Beschwerden als Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn, spricht man von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA), die unter Umständen Vorbote eines "großen" Schlaganfalls sein kann.
  • Die nächsthöhere Stufe bezüglich Intensität und Dauer der Beschwerden wäre durch den sogenannten PRIND (prolonged reversible ischemic neurologic deficit) gegeben, bei dem die Ausfälle stunden- oder manchmal auch tagelang anhalten können, sich dann aber vollständig zurückbilden.
  • Bei irreparablen Schädigungen der Hirnsubstanz bleiben die neurologischen Schäden meist für den Rest des Lebens bestehen.

Anzeichen eines Schlaganfalls

Entsprechend der komplexen Struktur und Funktion des Gehirns können bei akuten Durchblutungsstörungen je nach betroffenem Areal die unterschiedlichsten Kombinationen der Symptome auftreten.

Für das Verständnis der jeweiligen Ausfallserscheinungen ist von Bedeutung, dass sich die zuführenden und ableitenden Nervenfasern, die die Verbindung zwischen Gehirn und "Peripherie" herstellen, im unteren Teil des Gehirns, dem Hirnstamm kreuzen. Dementsprechend ist die linke Hirnhemisphäre für die rechte Körperhälfte zuständig und umgekehrt. Eine plötzliche Lähmung der rechten Körperhälfte als eines der möglichen Symptome zum Beispiel deutet demzufolge auf eine akute Durchblutungsstörung in der linken Gehirnhälfte hin.

Noch komplexere Beschwerdebilder ergeben sich bei akuten Durchblutungsstörungen auf Hirnstammniveau, da hier zahlreiche Leitungsfasern auch für beide Körperhälften und Kontrollzentren eng benachbart liegen und auch gleichzeitig in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Typische Symptome bei Einbeziehung des Hirnstamms in das Schlaganfallsgeschehen sind:

  • Hinterkopfschmerzen
  • Doppelbilder
  • Zuckungen der Augäpfel
  • Gefühlsstörungen der Hände oder Finger
  • Gangunsicherheiten und Sprechstörungen

Symptome je nach Verschlussgebiet

Aus der Kenntnis der Gehirnanatomie und Organisationsstruktur kann der erfahrene Arzt aus dem Symptombild eines Patienten mit akutem Schlaganfall Rückschlüsse auf das jeweils betroffene Hirnareal, jedoch nicht auf die eigentlich auslösende Ursache ziehen. Grundsätzlich können in diesem kurzen Übersichtsartikel bei weitem nicht alle denkbaren Beschwerdemuster und Symptomkombinationen bei Schlaganfällen dargestellt werden.

Hier nur einige typische Symptome bei Verschluss eines wichtigen Gefässes in einzelnen Regionen des Gehirns:

  • Gefäßverschluss der mittleren Hirnarterie, Arteria cerebri media (ungefähr 80 Prozent der gefäßbedingten Schlaganfälle): Lähmungen und Gefühlsstörungen auf der gegenseitigen Körperhälfte, die an den Fingern der Hand und im Gesicht am deutlichsten ausgeprägt sind; zum Teil auch Sehverlust in der gegenüberliegenden Gesichtshälfte
  • Gefäßverschluss der hinteren Hirnarterie, Arteria cerebri posterior (ungefähr 10 Prozent der gefäßbedingten Schlaganfälle): Sehverlust im gegenüberliegenden Gesichtsfeld, Bewusstseinstörungen, Gefühlsstörungen auf der gegenüberliegenden Körperseite
  • Gefäßverschluss der vorderen Hirnarterie, Arteria cerebri anterior (ungefähr 5 Prozent der gefäßbedingten Schlaganfälle): Halbseitenlähmung auf der gegenüberliegenden Seite, die das Bein stärker betrifft als den Arm
  • Gefäßverschluss einer der zahlreichen Hirnstammgefäße (20 Prozent aller gefäßbedingten Schlaganfälle, bei mikrovaskulären Schädigungen bis zu 50 Prozent): Sehstörungen, motorische Störungen, Gefühlstörungen, die beide Körperhälften in unterschiedlicher Weise betreffen können; dazu Hinterkopfschmerzen, Doppelbilder, Zuckungen der Augäpfel, Gangunsicherheiten, Sprechstörungen und bei schwerer Ausprägung auch Bewusstseinstrübungen

Diagnostik bei einem Schlaganfall

Die Diagnose Schlaganfall ergibt sich aus dem typischen Bild plötzlich neuaufgetretener neurologischer Ausfälle. Sind die Symptome nur gering ausgeprägt, wie zum Beispiel bei neuaufgetretenen Gefühlsstörungen einer Hand oder plötzlichem Doppeltsehen müssen auch andere Krankheitsbilder als mögliche Ursachen miteinbezogen werden.

Der letztendliche Beweis eine Durchblutungsstörung im Gehirn kann durch eine Computertomographie oder Kernspintomographie des Schädels erbracht werden. Durch dieses Untersuchungsverfahren können zudem Schädigungsursache und -ort im Gehirn näher abgeklärt werden.

Zusätzliche diagnostische Informationen nach einem Schlaganfall liefern die Ultraschalluntersuchung der Hirngefäße, gegebenenfalls eine Darstellung des gesamten Hirnkreislaufes durch Kontrastmittelinjektion, eine genaue Untersuchung des Herzens auf mögliche Emboliequellen sowie die Blutuntersuchung auf mögliche Gerinnungsstörungen.

Schlaganfall: Prognose

Nach abgelaufenem Schlaganfall mit neuaufgetretenen neurologische Ausfällen ist natürlich das Maß der spontanen Rückbildung der Schädigungen von allergrößtem Interesse. Zwar sind vollständige Heilungen in Einzelfällen denkbar, in der Mehrzahl der Fälle großer Schlaganfälle muss mit mehr oder weniger stark ausgeprägten, bestehenbleibenden Defekten gerechnet werden.

Da zahlreiche individuelle Faktoren eine grosse Rolle im weiteren Verlauf der Erkrankung spielen, sind Prognosen im Einzelfall sehr schwer zu stellen. Prinzipiell gilt jedoch, dass die akut auftretenden Funktionsausfälle auch bei großen Schlaganfällen sich im weiteren Verlauf von mehreren Wochen oder Monaten teilweise zurückbilden können. Von entscheidender Bedeutung ist bei solch einem Schlaganfall, inwiefern andere, noch intakte Hirnareale einspringen und die Funktion des untergegangenen Hirngewebes übernehmen können.

Aktualisiert: 04.08.2017

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