Lifeline Logo

Schlaganfall - Risiko unbekannt?

Das Ergebnis der Studie, die für das "Kompetenznetz Schlaganfall" an der Berliner Charité durchgeführt wurde, könnte kaum weniger besorgniserregend sein: Jeder Dritte in der Bundesrepublik kennt keinen einzigen Risikofaktor für Schlaganfall. Und das, obwohl der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache und häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter in Deutschland ist.

Nicht nur bei alten Menschen

Mehr als 150.000 Menschen pro Jahr erleiden einen ersten Schlaganfall, rund 40% sterben innerhalb eines Jahres daran. Fast zwei Drittel aller Schlaganfall-Patienten sind anschließend behindert und auf fremde Hilfe angewiesen. Schlaganfälle sind die Folge akuter Durchblutungsstörungen des Gehirns. Dadurch erhalten die Nervenzellen im Gehirn zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und sterben ab. Ein Schlaganfall wird auch als Apoplexie, Hirninsult oder Hirninfarkt bezeichnet. Welche Folgen ein Schlaganfall für den jeweiligen Patienten hat, hängt davon ab, welche Stelle des Gehirns betroffen ist und wie schwer die Durchblutungsstörung ist. Sprachstörungen, Lähmungen oder Erblindung treten häufig auf. Grundsätzlich kann jeder Mensch einen Schlaganfall erleiden, selbst Kinder. Allerdings steigt das Risiko im Alter an. Nach Angaben des „Kompetenznetz Schlaganfall" ist jeder zweite Betroffene im erwerbsfähigen Alter, schätzungsweise 5 % von ihnen sind sogar jünger als 40 Jahre.

Notfall Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall und Grund für sofortige ärztliche Intervention! Die Symptome eines Schlaganfalls sind zwar unterschiedlich und werden häufig nicht ernst genommen - dennoch muss bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort der Notarzt gerufen werden und der Patient ein Krankenhaus aufsuchen. Weil das Gehirn keine Schmerzrezeptoren besitzt, werden die Schlaganfall-Symptome - anders als zum Beispiel Schmerzen beim Herzinfarkt - häufig nicht mit der akut lebensgefährlichen Erkrankung in Verbindung gebracht. Dringender Verdacht auf einen Schlaganfall besteht bei diesen Symptomen:

  • Plötzliche Asymmetrie des Gesichtes (eine Seite "hängt")
  • Lähmung eines Armes oder Beines einer Körperseite
  • pelziges oder taubes Gefühl eines Armes, eines Beines oder sogar einer ganzen Körperseite
  • Sprachstörungen und Sprachverlust
  • akut einsetzende Sehschwäche, Einschränkung des Gesichtsfeldes
  • akute Erblindung
  • unerklärliches Schwindelgefühl (vor allem zusammen mit anderen neurologischen Symptomen)
  • plötzliche Stürze
  • plötzlich schleppender Gang
  • akut einsetzende Desorientiertheit.

Wenn Symptome eines Schlaganfalles auftreten, ist ärztliche Betreuung unbedingt erforderlich. Nur der Arzt kann feststellen, ob eine andere Krankheit wie zum Beispiel ein

die Ursache der Symptome ist. Und nur die sofortige medizinische Behandlung dieser Symptome kann eine schwere Behinderung oder den tödlichen Ausgang eines Schlaganfalls verhindern.

Unterschiedliche Schlaganfälle

Die Ursachen für einen Schlaganfall können unterschiedlich sein. Grundsätzlich wird zwischen einem ischämischen und einem hämorrhagischen Schlaganfall unterschieden. In allen Fällen aber ist die Blutzufuhr zum Gehirn unterbrochen und das betroffene Gewebe geht zugrunde.

  • Bei einer ungenügenden Durchblutung des Gehirns (Ischämie) wird die Blutzufuhr eingeschränkt, weil ein zum Gehirn führendes Blutgefäß plötzlich verstopft wird. Dies ist die häufigste Ursache eines Schlaganfalls. Ein solcher Gefäßverschluss kann durch eine Thrombose, also einen Blutpfropf, entstehen. Dabei bildet sich der Blutpfropf in der Regel in Gefäßen, die durch Verkalkung und Fettablagerungen bereits geschädigt sind.
  • Auch eine Embolie kann eine Minderdurchblutung auslösen. Dabei lösen sich Blutgerinnsel, die sich an anderer Stelle in den Gefäßen gebildet haben, ab und gelangen mit dem Blutstrom Ausgangspunkt sind Blutgerinnsel, die sich im Herzen oder in den großen, zum Gehirn führenden Gefäßen, z.B. der Halsschlagader, gebildet haben. Von einem solchen Blutgerinnsel können sich Teile lösen, die durch den Blutstrom in das Gehirn gelangen und dort ein wichtiges Blutgefäß verschließen.
  • Ein hämorraghischer Schlaganfall tritt dann auf, wenn das Gehirn durch eine Blutung zum Beispiel nach dem plötzlichen Riss eines Blutgefäßes mit Blut überschwemmt wird. Eine solche Hämorrhagie (Blutung) ist in etwa 15% der Fälle die Ursache des Schlaganfalls.

Schlaganfall mit Vorwarnung

In etwa 10% aller Schlaganfälle erhalten die Betroffenen eine „Vorwarnung": es kommt zur einer flüchtigen Durchblutungsstörung des Gehirns, einer so genannten transienten ischämischen Attacke (TIA). Die Symptome sind die gleichen wie bei einem Schlaganfall, aber sie gehen schnell wieder vorbei, weil das Gefäß schnell wieder geöffnet wird. Diese vorübergehende Durchblutungsstörung kann Stunden, Tage oder Wochen vor dem eigentlichen Schlaganfall auftreten. Eine derartige transiente ischämische Attacke ist ein Warnsignal, das auf keinen Fall ignoriert werden darf. Menschen, die eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns erlitten haben, erleiden zehnmal häufiger einen kompletten Schlaganfall als Menschen gleichen Alters und Geschlechts ohne TIA.

Risikofaktoren kennen

Einige Risikofaktoren, wie zum Beispiel steigendes Alter oder eine genetische Veranlagung kann man nicht beeinflussen. Die Mehrheit der anderen Risikofaktoren allerdings schon. Dazu gehören:

Die regelmäßige Blutdruckkontrolle ist ganz leicht vorzunehmen, ebenso wie die Kontrolle von Blutfettwerten und Zuckerwerten. Menschen mit Herzerkrankungen haben ein höheres Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden und werden daher in der Regel von ihrem Arzt entsprechend untersucht. Nach wie vor ist Vorbeugung der sicherste und beste Schutz vor einem Schlaganfall. Die Verminderung der Risikofaktoren lassen sich mit den einfachen Mitteln erreichen, die mittlerweile für fast alle großen Volkskrankheiten gelten:

  • Viel Obst, Gemüse, fett- und zuckerarme Kost
  • regelmäßige Bewegung und Sport
  • mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag
  • Raucherentwöhnung
  • Vermeidung von Stress
  • Gewichtsabnahme

Eine Konsequenz aus der Berliner Studie soll nun sein, dass künftige Aufklärungskampagnen den erhöhten Informationsbedarf gerade der Risikogruppen stärker berücksichtigen sollen. Außerdem müssen nach Erkenntnis der Berliner Forscher unterschiedlichste Medien in den Kampagnen genutzt werden. Gerade die Aufklärung durch die Hausärzte und das Informationsmaterial in den Praxen soll bei Nicht-Risikogruppen noch weiter verstärkt werden.

Aktualisiert: 20.03.2014 – Autor: Susanne Köhler

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?