Tinnitus-Behandlung: Welche Therapie hilft?

Tinnitus kann je nach Schweregrad für die Betroffenen eine deutliche Belastung darstellen. Das gilt insbesondere, wenn es sich um chronischen Tinnitus handelt, der schon länger als drei Monate besteht oder immer wiederkommt. Viele Betroffene suchen deshalb eine effektive Therapie zur Behandlung der Ohrgeräusche. Auch wenn man chronischen Tinnitus häufig nicht heilen kann, gibt es einige Mittel und Strategien, um die Belastung durch die Ohrgeräusche zu reduzieren.

In dieser Bildergalerie geben wir einen Überblick über die verschiedenen Behandlungsmethoden und erklären unter anderem, welche Medikamente bei Tinnitus eingesetzt werden und welche therapeutischen Mittel es gibt, um den Tinnitus zu lindern. Außerdem erfahren Sie, wie technische Mittel, so wie Noiser und Tinnitus Apps, helfen können, die Belastung zu reduzieren.

Wichtig ist jedoch, insbesondere bei beginnendem Tinnitus immer zunächst ärztlichen Rat zu suchen. Je nach Ursache kann der Tinnitus dann im Idealfall durch die passende Therapie schnell behoben werden.

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Kortison gegen Tinnitus

Frau nimmt Kortison gegen Tinnitus © Getty Images/Piyapong Thongcharoen
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Kortison kann intravenös verabreicht werden. Zusätzlich werden in den ersten sechs bis acht Wochen nach Auftreten des Tinnitus häufig Tabletten mit Kortison angewendet. In seltenen Fällen wird das Kortison auch direkt ins Innenohr injiziert. Der Einsatz von Kortison soll sich positiv auf Entzündungen im Ohr auswirken und die Entstehung von Wasseransammlungen (Ödemen) verhindern.

Intravenöse Medikamente bei Tinnitus

Frau erhält intravenöse Medikamente gegen Tinnitus © Getty Images/FatCamera
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Intravenöse Medikamente werden als Behandlung vor allem bei akutem Tinnitus eingesetzt, wenn sich dieser nach 24 bis 48 Stunden nicht von selbst bessert. Meist handelt es sich dabei um lokale Betäubungsmittel, sogenannte Glutamatrezeptorenblocker sowie Plasmaexpander und Vasodilatatoren.

Diese Mittel dienen dazu, die im Blut vorhandene Flüssigkeitsmenge zu steigern und die Blutgefäße zu erweitern. Damit sollen der Blutfluss, aber auch die Funktion der Nerven im Innenohr, wieder normalisiert werden, da Beeinträchtigungen in diesen Bereichen häufig mit Ohrgeräuschen in Zusammenhang stehen.

Tinnitus-Noiser (TN) und Tinnitus-Masker

Mann mit Tinnitus-Noiser © Getty Images/mixetto
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Bei Tinnitus-Noisern steht das englische Wort "Noise" für "Rauschen". Bei Noisern handelt es sich also um Geräte, die künstlich ein Rauschen erzeugen. Tinnitus-Masker arbeiten ebenfalls mit einem Rauschen. Der Unterschied: Beim Tinnitus-Noiser ist das Rauschen leiser als der Tinnitus und soll das Ohrgeräusch sozusagen in das Rauschen "einbetten“. Bei einem Tinnitus-Masker soll das Rauschen den Tinnitus übertönen. Beide Geräte sollen zudem beruhigend wirken und so zur Reduzierung des Stresslevels beitragen.

Die Geräte sind einzeln erhältlich. Bei gleichzeitig bestehender Schwerhörigkeit können auch Hörgeräte mit integriertem Noiser eingesetzt werden. Noiser sind in unterschiedlichen Bauformen erhältlich. Grundsätzlich werden die Kosten dafür durch die Krankenkassen übernommen. Sind weitergehende Funktionen verfügbar (beispielsweise Anpassung des Rauschens an die persönliche Hörkurve), können gegebenenfalls Zusatzkosten für die Betroffenen anfallen.

Behandlung in einer Tinnitus-Klinik

Frauen in Tinnitus-Klinik © Getty Images/PeopleImages
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Eine Therapie in einer speziellen Tinnitus-Klinik kann bei Tinnitus mit hohem Schweregrad angemessen sein. Dieser sogenannte dekompensierte Tinnitus geht mit negativen Folgen für alle Lebensbereiche einher und löst Folgebeschwerden, wie beispielsweise Schlafstörungen oder Depressionen aus. Tinnitus-Kliniken sind meist auf die Behandlung dieser Folgebeschwerden spezialisiert, oft handelt es sich um Rehakliniken.

Mithilfe von unterschiedlichen Therapieformen, wie der kognitiven Verhaltenstherapie oder der Tinnitus-Bewältigungs-Therapie (TBT), wird ein veränderter Umgang mit dem Tinnitus angestrebt, was zu einer Linderung der Folgebeschwerden führen kann. Begleitend werden häufig Entspannungsübungen und Klangtherapie eingesetzt.

Kognitive Verhaltenstherapie bei Tinnitus

Kognitive Verhaltenstherapie bei Tinnitus © Getty Images/izusek
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Die kognitive Verhaltenstherapie kann laut den Ergebnissen unterschiedlicher wissenschaftlicher Studien dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit Tinnitus zu verbessern und depressiven Verstimmungen entgegenzuwirken. Im Rahmen der Therapie werden Denk- und Verhaltensmuster eingeübt, die dabei helfen können, die Ohrgeräusche neu zu bewerten und die Belastung durch diese zu reduzieren. Neben der klassischen Behandlung bei einem*einer Therapeut*in gibt es mittlerweile auch Möglichkeiten, die Therapie zu Hause, beispielsweise über eine App, anzuwenden.

Tinnitus-App als Therapie

Frau nutzt Tinnitus-App © Getty Images/Prostock-Studio
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Mittlerweile bieten einige Krankenkassen und Unternehmen Apps zur Behandlung von Tinnitus an. Diese verfügen über unterschiedliche Inhalte und Funktionen, wie beispielsweise eine kognitive Verhaltenstherapie, entspannende Geräusche oder Entspannungs- und Einschlafübungen.

Zum Teil sind die Apps kostenpflichtig, wobei häufig auch eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse möglich ist (beispielsweise über eine ärztliche Verschreibung). Ihre jeweilige Krankenkasse oder Ihr*e behandelnde*r Ärztin*Arzt können Sie hier entsprechend beraten.

Wirkung von Musik bei Tinnitus

Frau hört Musik gegen Tinnitus © Getty Images/Delmaine Donson
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Generell kann das Hören von Musik bei Tinnitus zur Entspannung beitragen und damit auch die psychische Belastung durch den Tinnitus mindern. Unterschiedliche Anbieter haben zudem Tinnitus-Apps entwickelt, die mit frequenzgefilterter Musik arbeiten. Das heißt, die Frequenz des Tinnitus wird bestimmt und die Frequenz der Musik an diese angepasst. Die Musik wird circa 90 Minuten pro Tag über Kopfhörer gehört. Dadurch soll der Tinnitus sozusagen "ausgeschaltet" werden, wodurch die Lautstärke der Ohrgeräusche abnehmen soll.

Tinnitus mit Musiktherapie behandeln

Frau singt gegen Tinnitus © Getty Images/Fotodesign Holzhauser
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Die Musiktherapie bei Tinnitus kann zum einen darauf beruhen, dass die Betroffenen Musik in einem bestimmten Frequenzbereich hören und das Ohrgeräusch dadurch besser ausblenden können. Alternativ gibt es auch Therapieformen, bei denen die Betroffenen selbst singen oder summen. Dies soll dazu beitragen, dass sich bestimmte Strukturen im Gehirn verändern und soll vor allem bei Ohrgeräuschen wirkungsvoll sein, die auf Störungen der Nerven zurückzuführen sind.

Eine wissenschaftliche Studie der Universität des Saarlandes und des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung Heidelberg aus dem Jahr 2015 weist auf positive Effekte einer solchen Musiktherapie in Kombination mit Entspannungstechniken hin.

Hausmittel bei Tinnitus

Frau macht Yoga gegen Tinnitus © Getty Images/Westend61
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"Hausmittel" im klassischen Sinne gibt es bei Tinnitus nicht. Dennoch können Betroffene selbst einiges tun, um die Beschwerden, die mit dem Tinnitus einhergehen, zu lindern. Könnte der Tinnitus mit Stress zusammenhängen, sollte dieser nach Möglichkeit reduziert werden. Auch ein Gespräch mit dem*der Arbeitgeber*in, dem*der Partner*in kann hier hilfreich sein. Scheuen Sie sich auch nicht, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zudem gibt es viele Selbsthilfegruppen, die einen Austausch zum Thema möglich machen.

Zusätzlich kann ein gesunder Lebensstil zur Reduzierung der Beschwerden beitragen. Dazu gehören ausreichend Bewegung sowie eine Einschränkung des Alkohol- und Nikotinkonsums, da beides den Tinnitus verstärken kann. Entspannungsübungen in den Alltag zu integrieren, ist ebenfalls ein gutes Mittel, um besser mit den Ohrgeräuschen umzugehen. Insgesamt sollten Betroffene darauf achten, sich und ihrem Körper etwas Gutes zu tun.

Hilft Ginkgo bei Tinnitus?

Ginkgo-Tabletten gegen Tinnitus © Getty Images/liveostockimages
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Präparate mit Ginkgo biloba sind seit vielen Jahren ein beliebtes pflanzliches Mittel zur Behandlung von Tinnitus. Es soll die Beschwerden lindern, indem es sich positiv auf den Blutfluss in den Ohren auswirkt.

Wissenschaftliche Studien konnten jedoch bisher keine Wirksamkeit von Ginkgo bei der Behandlung von Tinnitus feststellen. Besonders bei Mitteln mit einem hohen Anteil an Ginkgolsäuren kann es aber zu allergischen Reaktionen und Nebenwirkungen, wie Übelkeit, kommen. Zudem können bei der gleichzeitigen Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (wie beispielsweise Acetylsalicylsäure, ASS) Wechselwirkungen auftreten. Ginkgo-Präparate sollten deshalb nur auf ärztlichen Rat eingenommen werden.

Tinnitus: Übungen für die Halswirbelsäule

Frau macht Übungen für die Halswirbelsäule © Getty Images/Capuski
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Blockaden an der Halswirbelsäule oder auch starke Verspannungen der Nackenmuskulatur stehen im Verdacht, angrenzende Nerven und Nerven im Gehirn zu beeinflussen und so Ohrgeräusche auszulösen. Gezielte Übungen zur Lockerung und Dehnung der Muskulatur können in diesem Fall dabei helfen, die Ohrgeräusche zu lindern. Beispielsweise können Sie mit Ihrer Hand über Ihren Kopf zur gegenüberliegenden Schläfe fassen und Ihren Kopf mit der Hand dann sanft zur Seite ziehen, bis eine leichte Dehnung spürbar ist.

Ihr*e behandelnde*r Ärztin*Arzt kann Sie dabei unterstützen, die passenden Übungen auszuwählen. Liegen Blockaden an der Halswirbelsäule dem Tinnitus zugrunde, kann auch physiotherapeutisches Fachpersonal weiterhelfen. Bei muskulären Verspannungen kann zudem Osteopathie eine Therapieoption darstellen.

Übungen für den Kiefer bei Tinnitus

Frau massiert sich den Kiefer wegen Tinnitus © Getty Images/MachineHeadz
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Auch Verspannungen im Kieferbereich, beispielsweise durch nächtliches Zähneknirschen, stehen im Verdacht, Tinnitus auszulösen. Grundsätzlich kann es helfen, das Kiefergelenk durch gezielte Übungen, wie ein Vor- und Zurückschieben des leicht geöffneten Kiefers oder eine Kiefermassage, zu entspannen.

Neben Fachpersonal aus der Hals-Nasen-Ohren-Medizin können auch Expert*innen aus dem Bereich der Kieferorthopädie, der Manualtherapie oder der Zahnmedizin als Ansprechpartner*innen bei Tinnitus durch Kieferprobleme dienen.

Magnesium als Mittel bei Tinnitus

Mann nimmt Magnesium bei Tinnitus © Getty Images/Farion_O
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Magnesium kann die Fließfähigkeit des Blutes verbessern und die Blutgefäße erweitern. Stehen die Ohrgeräusche mit einem verschlechterten Blutfluss oder zu niedrigem beziehungsweise zu hohem Blutdruck in Zusammenhang, kann auf ärztlichen Rat Magnesium eingenommen werden.

Akupunktur bei Tinnitus

Mann erhält Akupunktur gegen Tinnitus © Getty Images/fStop Images
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Akupunktur gehört zu den alternativen Heilmethoden, die bei einer Tinnitus-Therapie eingesetzt werden. Als Ergänzung zu einer schulmedizinischen Behandlung soll Akupunktur zur Linderung der Beschwerden beitragen und auch Begleitsymptome, wie depressive Verstimmungen und Schlafstörungen, mildern. Wissenschaftliche Studien, die die Wirksamkeit von Akupunktur bei Tinnitus belegen, liegen bisher nicht vor.

Hypnose gegen Tinnitus

Frau nutzt Hypnose gegen Tinnitus © Getty Images/B. BOISSONNET / BSIP
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Hypnose soll bei Tinnitus den Betroffenen vor allem dabei helfen, innere Konflikte zu lösen und Stress abzubauen. Die dem Tinnitus zugrunde liegenden Probleme sollen dadurch aufgedeckt werden. Auch die Art und Weise, wie die Ohrgeräusche bewertet werden, sollen im Rahmen der Therapie verändert werden.

Hyperbare Sauerstofftherapie bei Tinnitus?

Mann erhält hyperbare Sauerstofftherapie gegen Tinnitus © Getty Images/Drazen Zigic
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Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie wird der Anteil an reinem Sauerstoff im Blut erhöht, indem reiner Sauerstoff über eine Sauerstoffmaske eingeatmet wird. Dies findet in einer Druckkammer statt, da durch den erhöhten Außendruck mehr Sauerstoff im Blut gelöst werden kann. Dadurch soll die Versorgung von Gewebe mit Sauerstoff verbessert werden. Die Wirksamkeit der Therapie bei chronischem Tinnitus ist nicht erwiesen. Zudem kann es in seltenen Fällen zu Nebenwirkungen wie Schädigungen des Trommelfells kommen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
H93.1

Aktualisiert: 05.05.2021 - Autor: Jasmin Rauch, Medizinredakteurin