Nagelbettentzündung: Was tun?

Nagelbettentzündung am Finger © iStock.com/kckate16

Die Nagelbettentzündung ist eine häufige Erkrankung der Zehen- oder Fingernägel. Eine solche Entzündung am Nagelbett kann unterschiedlichste Ursachen haben. Bei einem milden Verlauf kann man die Symptome der Nagelkrankheit üblicherweise selbst behandeln, doch manchmal ist auch ein Besuch beim Arzt erforderlich. Wie Sie eine Nagelbettentzündung erkennen, was Sie dagegen tun können und wie man vorbeugen kann, lesen Sie hier.

Was ist eine Nagelbettentzündung?

Eine Entzündung des Nagelbetts kann am Zehen- oder Fingernagel auftreten. Als Nagelbett bezeichnet man die Haut unter dem Nagel. Die Nagelbettentzündung wird aber umgangssprachlich häufig als Überbegriff für alle Arten von Entzündungen am Nagel verwendet.

Folgende Bereiche des Nagels werden neben dem Nagelbett unterschieden:

  • Der eigentliche Nagel wird als Nagelplatte bezeichnet.
  • Die untere Erhellung, welche mit dem Nagelhäutchen als Nagelwurzel unter der Haut verschwindet, nennt man "Luna".
  • Die seitlichen Ränder des Nagels nennt man Nagelfalz.
  • Die daran angrenzende Haut wird Nagelwall genannt. 

Arten von Entzündungen am Nagel

"Panaritium" ist der Überbegriff für eine Infektion der Finger- oder der Zehenkuppe und wird auch Nagelgeschwür genannt. Diese Entzündung kann anhand der genauen Lokalisation in verschiedene Untergruppen eingeteilt werden: 

  • "Panaritium subungual" bezeichnet die eigentliche Entzündung des Nagelbetts, also der Haut unter dem Nagel.
  • "Panaritium paraunguale", eine Nagelwallentzündung, ist die häufigste Form der Entzündung am Nagel. Sie wird auch "Paronychie" oder "Umlauf" genannt, da die Entzündung sich um den Nagel herum am Nagelwall ausbreiten kann.

So eine Entzündung des Fingers kann in jedem Alter auftreten und ist etwas häufiger bei Frauen zu beobachten. Auch bei Kindern und Babys kann es zu so einer Entzündung kommen.

Ursachen: Wie bekommt man eine Nagelbettentzündung?

Es gibt viele verschiedene Faktoren, die eine Nagelbettentzündung begünstigen können. Meistens sind Bakterien der Auslöser. Durch kleine Verletzungen in der Nähe des Nagels können die Bakterien in die Haut gelangen und sich dort vermehren. Die häufigsten bakteriellen Erreger sind Streptokokken oder Staphylokokken. Eine Infektion kann aber auch durch Viren, wie durch das Herpes-simplex-Virus, oder durch Pilze ausgelöst werden. 

Es gibt darüber hinaus andere nicht-infektiöse Faktoren, die zu einer Nagelbettentzündung führen können. Zum Beispiel begünstigen manche Medikamente, wie Retinoide oder Chemotherapeutika, dass sich das Nagelbett entzündet. Aber auch ein Zinkmangel oder Allergien, besonders Kontaktallergien, können eine Nagelbettentzündung auslösen. Sehr häufig ist der Fingernagel von Berufsgruppen wie Friseuren betroffen, da diese häufig mit aggressiven Chemikalien arbeiten und eine andauernde Feuchtigkeit und Belastung besteht.

Zudem ist bei Menschen, die an Diabetes mellitus oder an Durchblutungsstörungen erkrankt sind, eine Entzündung der Nägel wahrscheinlicher, da durch die verminderte Versorgung mit Blut die Selbstheilung der Haut und die Infektabwehr vermindert ist. Auch Menschen mit sehr trockener Haut oder Neurodermitis sind häufiger betroffen. Meistens ist es ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren, die dazu führen, dass eine Entzündung in der Nähe des Nagels entsteht. 

Symptome einer Entzündung am Nagel

Eine akute Nagelbettentzündung ist für Betroffen leicht selbst zu erkennen. Folgenden Symptome sind typisch für eine Nagelbettentzündung:

  • pulsierende Schmerzen
  • Rötung
  • Überwärmung
  • Schwellung
  • Eiteransammlung
  • Ablösung des Nagels
  • Schonhaltung

Ein Arzt kann die Diagnose in der Regel bereits durch in Augenscheinnahme des betroffenen Nagels stellen. Wenn sich die Entzündung nur durch leichte Verfärbung des Nagelfalzes äußert und keine Schmerzen verursacht, wird sie vom Betroffenem manchmal gar nicht bemerkt.

Was kann man selbst bei einer Nagelbettentzündung tun?

Nicht jede Nagelbettentzündung muss vom Arzt behandelt werden. Häufig reicht es schon, wenn man den betroffenen Zeh oder Finger ruhigstellt, ihn hoch lagert und kühlt. Darüber hinaus sollte man die Risikofaktoren, die zu der Entzündung geführt haben, ausschalten. Das Tragen von Handschuhen oder passendem Schuhwerk kann dabei helfen.

Auch Hausmittel können bei einer Nagelbettentzündung nützlich sein. Was hilft, sind regelmäßige fünf- bis zehnminütige Bäder in lauwarmem Wasser, dem Kernseife, Kamille oder Arnika zugemischt wurde. 

Auch Cremes aus der Apotheke können helfen. Hier werden antibakterielle und entzündungshemmende Salben wie Zugsalbe, Zinksalbe oder Betaisodona® empfohlen. Es können auch Verbände mit solchen Wirkstoffen angelegt werden.

Bei einer Entzündung der Zehe sollte auf festes Schuhwerk so weit wie möglich verzichtet und auf eine ausreichende Hygiene geachtet werden.

Wann muss eine Nagelbettentzündung vom Arzt behandelt werden? 

Wenn die Entzündung nicht durch die eigene Behandlung verbessert wird und dadurch die Beschwerden zu stark werden oder sogenannte systemische (also nicht mehr auf die Region des Nagels beschränkte) Symptome wie Fieber oder Schüttelfrost dazu kommen, muss der Umlauf vom Arzt behandelt werden. Die erste Anlaufstelle sollte hier der Hausarzt sein. Im Verlauf kann es nötig werden, dass ein Chirurg oder ein Hautarzt mit in die Behandlung einbezogen wird.

Keinesfalls sollte man bei einer eitrigen Nagelbettentzündung die Eiterblase selbst aufstechen oder ein entzündetes Nagelbett selbst aufschneiden und den Eiter ausdrücken.

Nagelbettentzündung behandeln: Was macht der Arzt?

Auch der Arzt wird als Erstes versuchen, die Entzündung mit Antiseptika zu beheben, also mit Stoffen wie Alkohol oder Iod, welche die Bakterien abtöten. Falls das nicht hilft oder falls sich die Infektion ausbreitet, kann es nötig sein, dass Antibiotika oder – beim Nachweis einer Pilzinfektion – ein Antipilzmittel (Antimykotikum) eingenommen werden müssen. Im Falle einer Virusinfektion werden Cremes mit sogenannten Virostatika eingesetzt. Manchmal wird auch ein Abstrich gemacht, um den genauen auslösenden Keim zu bestimmt. 

Wenn eine Eiteransammlung unter der Haut besteht oder tote Haut abgetragen werden muss, ist manchmal ein kleiner chirurgischer Eingriff erforderlich. Durch Aufstechen oder Schneiden wird die Haut geöffnet, entlastet und der Eiter kann ausgedrückt oder ausgespült werden.

Wenn sich Eiter unter dem Nagel befindet, kann es auch nötig sein, die komplette Nagelplatte zu entfernen. Nach der Entfernung heilt die Entzündung meistens schnell ab.

Nagelbettentzündung am großen Zeh

Enges Schuhwerk sowie schlechte oder falsche Nagelpflege führen besonders häufig am großen Zeh zu einem eingewachsenen Nagel (Unguis incarnatus), der dann durch das Einwachsen in die Haut eine anhaltende Entzündung auslöst. Diese Entzündung ist häufig sehr hartnäckig und führt dazu, dass eine chirurgische Therapie namens "Emmert-Plastik" notwendig ist. Bei so einer OP wird der Zeh mit einem Lokalanästhetikum betäubt. Dann wird der eingewachsene Nagelrand mit den anliegenden Teilen von Nagelfalz und Nagelwall entfernt.

Kann eine Nagelbettentzündung gefährlich werden?

Besonders wenn systemische Symptome wie Fieber, Schüttelfrost oder vergrößerte Lymphknoten auftreten, muss ein Arzt aufgesucht werde, da sich die Infektion dann ausgebreitet haben könnte. Die Entzündung kann tiefer in die Haut eindringen und Sehnen und Knochen befallen. Im schlimmsten Fall kann sie in die Lymphbahnen und das Blut gelangen und dort beispielsweise eine Blutvergiftung auslösen. Dies geschieht aber äußerst selten. 

Bei einer solchen Verschlechterung der Erkrankung müssen die Entzündungswerte im Blut bestimmt werden. Manchmal ist es auch nötig, eine Röntgenuntersuchung des Fingers oder des Zehs anzufertigen, um zu überprüfen, ob die Entzündung bis zum Knochen gelangt ist. In solche Situation kann auch eine größere Operation nötig werden.

Wie lange dauert eine Nagelbettentzündung?

Die Dauer einer Nagelbettentzündung ist unterschiedlich und abhängig von dem Auslöser der Entzündung. Man unterscheidet zwischen einer akuten und einer chronischen Entzündung: 

  • Akute Entzündung: Eine leichte Entzündung kann innerhalb weniger Tage abheilen. 
  • Chronische Entzündung: Vor allem, wenn der auslösende Faktor, wie ein eingewachsener Nagel, nicht behoben wird, kann eine Nagelbettentzündung jedoch auch über Monate bis Jahre andauern. 

Bei Menschen, bei denen schon einmal eine Nagelbettentzündung auftrat, ist eine erneute Nagelbettentzündung wahrscheinlicher. Hier ist es wichtig, Risikofaktoren auszuschalten und einer Entzündung vorzubeugen.

Hinzu kommt, dass die Behandlungen verschieden schnell wirken. Den schnellsten und sichersten Erfolg, mit der geringsten Wahrscheinlichkeit einer erneuten Entzündung, erreicht man in den meisten Fällen mit einer chirurgischen Therapie. Im Gegensatz dazu dauern antibiotische Behandlungen oder Behandlungen mit Salben häufig länger und führen nicht immer zur erwünschten Linderung der Symptome. Trotzdem reichen sie bei leichten Entzündungen meistens aus.

Wie kann man einer Nagelbettentzündung vorbeugen? 10 Tipps!

Insbesondere wenn man in einem Beruf arbeitet, der ein Risiko für eine Nagelbettentzündung darstellt oder wenn man schon mal so eine Entzündung hatte, sollte man auf folgende Dinge achten:

  1. regelmäßige vorbeugende Händedesinfektion, besonders bei kleinen Verletzungen
  2. kein Schneiden des Nagelhäutchens: die Nagelhaut am besten in Ruhe lassen oder – wenn nötig – nur vorsichtig mit einem abgerundeten Stäbchen zurückschieben
  3. Nägel kurz, aber nicht zu kurz, schneiden oder feilen
  4. Nägel am besten ausschließlich feilen
  5. Nägelkauen vermeiden
  6. keine übertriebene Pedi- oder Maniküre
  7. Vorsicht bei der Nagelpflege walten lassen, um Verletzungen zu vermeiden
  8. Fußnägel nicht rund schneiden oder feilen
  9. enges Schuhwerk vermeiden
  10. bei der Arbeit mit Chemikalien oder Putzmitteln Handschuhe tragen

Darüber hinaus ist es ratsam, die Nägel der Hände und Füße regelmäßig zu kontrollieren, um Verletzungen oder die Anzeichen einer Nagelbettentzündung rechtzeitig zu entdecken und zu behandeln.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
L03.0-, B37.2

Aktualisiert: 30.09.2020 - Autor: Julian Pott

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