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Hoffnung bei Neurodermitis: Entzündung gezielt bekämpfen

Frau ohne Neurodermitis im Winter © stock.adobe.com/galinka_zhi

Viele Betroffene von Neurodermitis kommen einigermaßen beschwerdefrei durch die warmen Sommermonate. Doch selbst mit der sorgfältigsten Pflege reagiert die empfindliche, trockene Haut meist spätestens im Herbst oder Winter mit neuen Schüben. Für Menschen, die unter Neurodermitis leiden, geht mit der kalten Jahreszeit deshalb oft ein erhöhter Leidensdruck einher.

Einer der Hauptgründe ist die ungünstige Kombination aus kalter, nasser Luft draußen und trockener Heizungsluft drinnen. Sie verschlimmert die Hauttrockenheit, mit der Menschen mit Neurodermitis ohnehin zu kämpfen haben und welche entzündliche Hautreaktionen grundlegend begünstigt. Solange keine Therapie erfolgt, die an der Ursache ansetzt, wiederholt sich das Leiden vieler Betroffener alljährlich aufs Neue.

Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen

Neurodermitis gehört zu den häufigsten Hauterkrankungen, von der alleine in Deutschland etwa 3,5 Prozent der Erwachsenen betroffen sind.1 Je nach Schweregrad schränkt die auch als "atopische Dermatitis" bezeichnete Hautkrankheit die Lebensqualität der zahlreichen Betroffenen mitunter massiv ein. Neben den sichtbaren Ekzemen leiden Menschen mit Neurodermitis vor allem auch am starken Juckreiz (Pruritus), mit dem die Neurodermitis einhergeht.2

Unterschiedliche Symptome bei Neurodermitis3

Charakteristisch für Neurodermitis sind insbesondere bei Erwachsenen Ekzeme im Schulter-/Halsbereich, im Bereich der Armbeugen und Kniekehlen sowie an den Händen.3 Je nachdem, wie stark die Erkrankung auftritt, sind ihre Symptome unterschiedlich. Dazu zählen typischerweise:

  • trockene, leicht reizbare, schuppige und rissige Haut
  • vorübergehende bis hin zu dauerhaften Rötungen
  • leichter bis stark ausgeprägter Juckreiz
  • knotige, rötliche Verdickungen der Haut (Papeln)
  • nässende Ekzeme mit Krustenbildung
  • lederartige Verdickungen der Haut

Geben Betroffene dem Juckreiz nach, was für einige Patienten kaum umgänglich ist, beginnt ein Teufelskreis: Durch das Kratzen wird die Hautoberfläche verletzt, nicht selten zeigen sich die Entzündungsherde bei atopischer Dermatitis deshalb durch blutige Wunden. Eine Verletzung der Hautbarriere bleibt nicht ohne Folgen: Sie macht es für Viren, Bakterien und Allergene zu einem leichten Spiel, in den Körper einzudringen. Diese wiederum befeuern die entzündlichen Reaktionen und damit auch den Juckreiz.4

Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen bei Neurodermitis
Abbildung 1: Teufelskreis aus Juckreiz und Kratzen. Modifiziert nach 4

Neurodermitis schränkt Lebensqualität massiv ein

Menschen mit Neurodermitis stehen unter einem erheblichen Leidensdruck, der kaum einen Lebensbereich unberührt lässt. Ob Familie, der Freundeskreis, Hobbys, der Job oder das Intimleben – die Lebensqualität wird stark eingeschränkt.

Oft schämen sich die Betroffenen für Ihre Wunden, empfinden sie als stigmatisierend und ziehen sich zunehmend aus ihrem sozialen Umfeld – sowohl privat als auch beruflich – zurück.2 Der Juckreiz kann außerdem zu schlaflosen Nächten und damit zu Fehlzeiten und Problemen am Arbeitsplatz führen.2 Wie die Erkrankung so letztlich auch die seelische Gesundheit massiv einschränken kann, bleibt hinter den offensichtlichen, äußerlichen Wunden, oft lange Zeit verschleiert. Und gerät die Psyche erst einmal in eine Schieflage, verstärkt das bekanntlich auch Hautleiden, allen voran die Neurodermitis.

Neue Erkenntnisse zu den Ursachen von Neurodermitis

Menschen mit Neurodermitis haben eine viel trockenere Haut als Hautgesunde. Der Grund dafür liegt in einer genetisch bedingten Störung der Barrierefunktion der Haut. Diese Veranlagung allein macht zwar noch nicht krank, kann jedoch die Entstehung von neuen Ausschlägen begünstigen. Trockene Haut juckt, ist leichter durchgängig für Allergene und ist insbesondere nach dem Aufkratzen wesentlich anfälliger für unterschiedlichste, eigentlich harmlose Stoffe aus der Umwelt wie Blütenpollen, Tierhaare oder Haushaltsprodukte. Es kommt zur Sensibilisierung, bei der das eigene Immunsystem überschießend reagiert und verstärkt Abwehrzellen aktiviert. Dies führt wiederum zu einer anhaltenden Entzündung der Haut und schwächt ihre natürliche Abwehrfunktion als Barriere zusätzlich.6

Typische Auslöser können folgende Umweltfaktoren sein:

  • häufiges oder zu langes Duschen oder Baden
  • Verwendung von Seifen und Hautpflegeprodukten, die Duft- und Konservierungsstoffe enthalten
  • Umweltschadstoffe wie Zigarettenrauch oder Autoabgase
  • kratzende Kleidung, etwa aus Wolle oder Synthetik
  • Klima, z. B. trockene Heizungsluft und Kälte im Winter, hohe Temperaturen und Schwitzen im Sommer
  • Stress, etwa in der Schule, Beruf oder in der Freizeit
  • Allergene, z. B. bestimmte Nahrungsmittel, Pollen (Heuschnupfen), Tierhaare oder Hausstaubmilben
  • Infektionen, etwa mit Viren, Bakterien oder Pilzen

Im Fachjargon spricht man von Provokationsfaktoren, weil sie das Auftreten der Symptome "provozieren" können. Diese sind bei jedem Patienten individuell. Diese Auslösefaktoren, etwa Stress, Allergene oder Temperaturschwankungen, gilt es zu identifizieren und zu meiden, um neue Schübe möglichst zu umgehen.

Die Abbildung zeigt, dass drei Faktoren bei der Entstehung von Neurodermitis und einzelnen Schüben eine Rolle spielen:

Einflussfaktoren und Ursachen Neurodermitis

Abbildung 2: Die Ursachen der Neurodermitis werden heute in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren gesehen. Am wichtigsten sind die gestörte Barrierefunktion der Haut und die genetisch bedingte Neigung des Immunsystems, überschießend auf harmlose Reize aus der Umwelt zu reagieren. Modifiziert nach 8, 9, 10

Was jedoch viele nicht wissen: Der Neurodermitis liegt eine Typ-2-Entzündung zugrunde. Darunter verstehen Mediziner eine bestimmte Fehlregulation des Immunsystems. Doch wie kommt es dazu?

Fehlsteuerung des Immunsystems löst Neurodermitis aus

Das Immunsystem besteht aus einem komplexen Gefüge verschiedener Immunzellen. Ein ständiger Austausch zwischen diesen sorgt im Optimalfall dafür, dass wir gesund bleiben oder werden. Immunzellen können aber leicht aus dem Gleichgewicht geraten, was chronische Krankheiten begünstigt.

Bei Neurodermitis kippt zum Beispiel das Gleichgewicht der Immunzellen in ein Ungleichgewicht zu Gunsten des Typs Th2. Dieser Immunzell-Typ bildet entzündungsfördernde körpereigene Botenstoffe, genauer "Interleukine".11 Dabei handelt es sich um Botenstoffe, die dem Immunsystem normalerweise als Abwehrfunktion gegen Krankheiten dienen. Im Fall von Neurodermitis handelt es sich allerdings um eine überschießende Reaktion des Immunsystems: der oben erwähnten Typ-2-Entzündung.11

Eine mögliche Folge dieser Typ-2-Inflammation ist die Entstehung von Neurodermitis. Auch Asthma, eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen und allergische Rhinosinusitis (Entzündung der Nasenschleimhaut) kommen bei einer Dominanz von Th2-Zellen gehäuft vor. In einigen Fällen kommen diese Erkrankungen auch gemeinsam vor, was den Leidensdruck der Betroffenen zusätzlich erhöht. Um aus dieser Abwärtsspirale auszubrechen, ist für Menschen mit Neurodermitis eine konsequente Therapie notwendig, die an der Ursache greift.

Wenn die Basispflege nicht mehr ausreicht, wird intensiver behandelt

Es gibt verschiedene Behandlungsoptionen, die sich am Schweregrad und der Symptomatik der Erkrankung orientieren.6 Treten Ekzeme auf, werden diese zunächst typischerweise mit kortisonhaltigen Präparaten behandelt. Sie beruhigen die angegriffene Haut der entzündeten Stellen. Gerade bei Ekzemen in empfindlichen Bereichen wie dem Gesicht können auch sogenannte Calcineurin-Inhibitoren Anwendung finden. Auch Antiseptika wie Silber oder Zinksalben können unterstützen. Viele Betroffene mit einer leichten Neurodermitis können mit der Basispflege und kortisonhaltigen Präparaten ihre Erkrankung unter Kontrolle halten.6 Bei schwerer Neurodermitis nimmt auch die Intensität der Therapie zu. Eine äußerliche Behandlung mit Cremes ist oft nicht ausreichend. Bei schweren akuten Schüben können in Ausnahmefällen kurzfristig Kortisontabletten eingesetzt werden.

Darüber hinaus können geeignete Neurodermitis-Patienten mit sogenannten Biologika eine bessere und nachhaltige Kontrolle ihrer Erkrankung erreichen.6 Sie wirken zielgerichtet auf die bei einer Neurodermitis vorliegende Entzündung. Eine Therapie der Neurodermitis zu Grunde liegenden entzündlichen Prozesse kann ermöglichen, die ganzheitliche Kontrolle über die Erkrankung wiederzuerlangen und Schübe umfassend zu reduzieren. Betroffene sollten gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin besprechen, ob diese Therapiemethode im jeweiligen Fall in Frage kommt.

Mehr Informationen zu Neurodermitis sowie seit Neuestem eine Lernplattform und einen Blog mit echten Patientengeschichten finden Sie unter www.leben-mit-neurodermitis.info

MAT-DE-2004876 v1.0 (11/2020)

Aktualisiert: 04.12.2020