Ammen-Dornfinger: Wie gefährlich ist der Biss der Dornfingerspinne?

Ammen-Dornfinger: Spinne sitzt auf ihrem Nest © Getty Images/fabioski

Der Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium), auch bekannt als Dornfingerspinne, ist eine Webspinne, deren Biss zu Vergiftungen beim Menschen führen kann. Durch ihre kräftigen Kieferklauen ist die Spinne in der Lage, die menschliche Haut zu durchdringen. Wie man den Ammen-Dornfinger erkennt, wann er aktiv ist und wo man ihm begegnen kann, lesen Sie im folgenden Steckbrief der Dornfingerspinne. Außerdem erfahren Sie in diesem Artikel, wie gefährlich der Biss der Spinne wirklich ist.

Wie sieht ein Ammen-Dornfinger aus?

Der Ammen-Dornfinger hat eine Größe (Körperlänge) von circa einem bis eineinhalb Zentimetern und lässt sich durch folgende typische Merkmale erkennen: Besonders charakteristisch sind der gelbbraune Vorderkörper mit den kräftigen Kieferklauen (Cheliceren). An diese schließen sich die schwarzen Giftklauen an, welche für den giftigen Biss verantwortlich sind. Der Hinterleib der Webspinne zeichnet sich durch eine grünlich-gelbe Farbe aus.

Ammen-Dornfinger (Dornfingerspinne)

Das Bild zeigt einen Ammen-Dornfinger (Dornfingerspinne) – © Getty Images/fhm

Wo lebt die Dornfingerspinne?

Der Ammen-Dornfinger lebt vor allem in wärmeren Gegenden und kommt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Mittlerweile kam es jedoch auch zu einer zunehmenden Verbreitung der Spinne in Deutschland. Dabei findet man diese hierzulande beispielsweise in Berlin und Brandenburg, im Saarland oder auch am Oberrhein.

Der Lebensraum der Spinnen sind vor allem Ackerbrachen oder Waldlichtungen. Im Haus kommen sie nur selten vor.

Ihre Nester bestehen aus Gespinsten, die an hohen Grashalmen oder in Gebüschen aus feinen Fäden gesponnen sind. Tagsüber verstecken sich die scheuen Webspinnen in ihren Wohngespinsten, erst nachts verlassen sie diese für die Nahrungssuche – ihre Ernährung besteht meist in kleinen Insekten. Einen Ammen-Dornfinger am Tag anzutreffen, ist deshalb relativ unwahrscheinlich.

Wann ist der Ammen-Dornfinger aktiv?

Die Männchen der Ammen-Dornfinger kann man zwischen Juli und September antreffen, die Weibchen von Juli bis November. Ihre Eier legen die Dornfinger zwischen Ende Juli und Anfang August ab, der Nachwuchs schlüpft dann meist Ende September. Insgesamt haben Dornfingerspinnen ein kurzes Leben, sie leben nur ein Jahr.

Ein Aufeinandertreffen mit der Spinne ist möglich, wenn man in den Sommermonaten durch hohes Gras läuft, in dem sich eine solche Webspinne aufhält. In der Regel ziehen sich die Spinnen in ihr Nest zurück, wenn man sich ihnen annähert. Haben die Weibchen allerdings Eier gelegt oder sind ihre Jungtiere bereits geschlüpft, dann verteidigen sie diese und es kann zu einer unangenehmen Begegnung kommen.

Möchte man dieses Aufeinandertreffen verhindern, dann sollte man Gespinste bei einem Spaziergang durch den Wald nicht anrühren. Ansonsten kann der Ammen-Dornfinger zubeißen. Durch seine starken Giftklauen gelingt es ihm dabei als einzige heimische Spinne, die menschliche Haut zu durchdringen. Aufgrund dieser Eigenschaft der Webspinne zählt sie zu den gefürchtetsten Spinnen in Deutschland.

Wie sieht der Biss einer Dornfingerspinne aus?

Die Bisswunde einer Ammen-Dornfingerspinne zeichnet sich in der Regel durch zwei kleine Löcher in der Haut aus, die circa fünf Millimeter auseinanderliegen. Außerdem können sich weitere Symptome an der Bissstelle zeigen, welche im Folgenden erläutert werden.

Welche Symptome können nach dem Spinnenbiss auftreten?

Die Symptome nach einem Biss der Dornfingerspinne umfassen einerseits Beschwerden in der Umgebung der Bisswunde und andererseits systemische Effekte, die sich auf den gesamten Körper auswirken können. Dabei treten die systemischen Effekte vor allem bei Kindern auf.

Folgende Symptome können sich an der Bissstelle zeigen:

  • Die Stelle ist gerötet und geschwollen. Die Schwellung kann sich auch auf die Umgebung des Bisses ausbreiten.
  • Es kommt zu einem unmittelbar einsetzenden Schmerz, welcher mit dem Schmerz durch einen Bienen- oder Wespenstich verglichen werden kann.
  • Es können Missempfindungen wie ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl der Haut auftreten, welche über Tage anhalten können.

Zu den möglichen systemischen Symptomen nach einem Biss durch den Ammen-Dornfinger gehören:

Die genannten Symptome verschwinden in der Regel innerhalb von ein bis drei Tagen. Missempfindungen oder Schwellungen können in manchen Fällen auch länger bestehen.

Daneben können Menschen auch allergisch auf den Biss eines Ammen-Dornfingers reagieren. Bei einer allergischen Reaktion zeigen sich Rötungen und Quaddeln auf der Haut, die mit Juckreiz einhergehen. Tritt eine erhebliche allergische Reaktion auf, dann kann es innerhalb von kurzer Zeit zu Luftnot und einem Kreislaufschock kommen. In so einem Fall sollte unverzüglich ärztliche Hilfe gesucht werden.

Wie giftig ist die Dornfingerspinne?

Der Ammen-Dornfinger gilt zusammen mit der Kreuzspinne als eine der giftigsten Spinnen in Deutschland. Doch auch wenn Fieber und Schüttelfrost sowie andere systemische Reaktionen nach einem Biss durch den Ammen-Dornfinger auftreten können, verläuft eine Vergiftung durch die Spinne in der Regel harmlos und beschränkt sich meist auf die oben genannten Symptome an der Bissstelle.

Bisher sind keine Fälle bekannt, in denen ein Mensch durch den Biss verstorben ist oder bleibende Schäden erlitten hat. Die Dornfingerspinne ist also nicht besonders gefährlich für den Menschen und ihr Biss verläuft glücklicherweise in der Regel nicht tödlich.

Was tun, wenn man von einer Dornfingerspinne gebissen wurde?

Die folgenden fünf Tipps zur Biss-Behandlung erklären, was man in der Akutsituation tun sollte:

  1. Bewahren Sie Ruhe, denn ein Biss durch die Dornfingerspinne verläuft in der Regel harmlos.
  2. Säubern Sie die Wunde, gegebenenfalls auch mit Desinfektionsmittel.
  3. Das Kühlen der Bissstelle ist umstritten, gilt jedoch in der Regel nicht als hilfreich. Stattdessen können Sie sie unter warmes bis heißes Wasser halten.
  4. Wichtig ist vor allem, nicht an der Wunde zu kratzen und auch nicht zu versuchen, das Gift auszusaugen. Jede Manipulation sollte unterlassen werden.
  5. Nach diesen Erstmaßnahmen sollten Sie insbesondere dann ärztlichen Rat suchen, wenn Fieber oder starke Schwellungen auftreten.

Eine eigene Therapie speziell für den Biss durch einen Ammen-Dornfinger existiert nicht. So können auch Ärzt*innen lediglich die hervorgerufenen Symptome behandeln. Es können beispielsweise juckreizlindernde Mittel aufgetragen oder Medikamente gegen die Übelkeit verabreicht werden. In der Regel verschwinden die Symptome nach ein bis drei Tagen.

ICD-Codes für diese Krankheit:
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für Diagnosen, die Sie z.B. auf Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen finden.
T63.3

Aktualisiert: 19.07.2021 - Autor: Silvana Schönit, Studentin der Humanmedizin

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